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vergrößern 800x597Ärmel aufgekrempelt, Gitarrenhals hochgeklappt und endlich wieder individuell Auto gefahren auf Amerikas mythischen Straßen: Bruce Springsteen nimmt sich Zeit für rund 51.000 Wiener.
Die Fakten: 3 Stunden 40, 31 Lieder.
Wien - Erfunden wurden Stadionkonzerte schon relativ frühzeitig in den 1960er-Jahren. Der Kapitalismus als treibende politische Kraft der Freiheitsbewegung Rock 'n' Roll erkannte, dass dem jugendlichen Zielpublikum relativ alles, also auch die Musik, der Sound, die Show egal ist, solange es für sein gutes Geld die hundert Meter entfernten Idole auf der Bühne ankreischen und dazu T-Shirts und zerkochte Würstel in Gummibrot kaufen kann.
Ein Stadionkonzert ist eine ähnlich feine Sache wie eine Feldmesse mit dem Papst als Headliner. Wenn man nur fest an den Inhalt glaubt, wird so eine Veranstaltung auch ohne akustisch deutlich wahrnehmbare Botschaft funktionieren. Stadionkonzerte klingen blechern, basslos und so, als ob man wieder einmal zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt gehen sollte.
Damit die Sache mit dem Stadion aber auch wirklich, wirklich klappt, hat Gott zur Sicherheit einst Led Zeppelin, die Rolling Stones oder AC/DC und für die nicht so guten Tage Bon Jovi und Bono erfunden. Das Meisterstück lieferte er allerdings mit Bruce Springsteen ab. Der sich breitbeinig in das Oval stemmende Mann, der seine alte Fender-Telecaster-Gitarre behandelt wie ein Gerät, das man sonst beim Straßenbau einsetzt, um Schneisen in lästige Bergrücken zu fräsen, tritt im Wiener Ernst-Happel-Stadion nicht nur auf und spielt einige jener Lieder, bei denen er am wenigsten nachdenken muss, weil das Publikum diese im Zweifelsfall auch ohne ihn singt. Bruce Springsteen krempelt die Ärmel rauf und arbeitet sich vor 51.000 Leuten in drei Stunden und 40 Minuten durch insgesamt 31 Lieder.
Bruce Springsteen ist für den Brotberuf des Stadionrockers geboren. Im Programm finden sich nicht nur neue Songs wie die gegen das Bankensystem und die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf den kleinen amerikanischen Benzinverbraucher und Double-Whopper gerichtete Ballade Jack Of All Trades oder die mit Akustikgitarre und Bob-Dylan-Gedächtnis-Mundharmonika zum Besten gegebene 9/11-Eloge Empty Sky sowie die am Klavier vorgetragene Konzertseltenheit Tougher Than The Rest aus Springsteens Tunnel of Love-Phase. Diese Lieder zog Springsteen aus einer Kiste mit Pappschildern, auf denen Leute im Publikum ihre Musikwünsche deponieren konnten. Das hält die Sache spannend.
Durch Rock-'n'-Rollistan
Immerhin hörte man in Wien selten gespielte Stücke wie Rendezvous oder Loose Ends. Dazwischen wird bei Springsteen bekanntlich auf öffentliche Transportmittel gepfiffen und viel individuell Auto gefahren: Badlands, Working On A Highway, Racing In The Street. Die Band mit Röhrlhosen- und Hüftbalkonträger Steve Van Zandt, der heuer nach seiner grandiosen Rolle als Vorstadtmafioso in The Sopranos gerade in der Internetserie Lilyhammer als missmutiger New Yorker Mafioso in einem Robert-Seeger-Pullover glänzt, tuckert meist im mittleren Geschwindigkeitsbereich durch Rock-'n'-Rollistan.
Allerdings blieb der Deckel trotz redlichen Arbeitseinsatzes in der ersten Konzerthälfte auf dem Topf. Ein für die Aufregungen der Mittlebenskrise nicht gänzlich unempfängliches Publikum findet diese wilde Musik aus Amerika zwar amüsant und anregend. 51.000 Leute wollen und können gemeinsam aber nicht nachdenklich gemacht werden, damit sie dann innerlich reflektiert tanzen. Das schaffen höchstens Hirten aus Irland oder dem Vatikan. Die Leute zurück vom Würstelstand holt man mit einem von Radio Wien zusammengestellten Zugabenblock: Born in the U.S.A., Born to Run, Hungry Heart, Glory Days.
Hier wird der Springsteen endlich ganz zum Bruuuuuce!!! Beim breitbeinig
linkischen Tanz in der Dunkelheit werden schließlich Frauen im Bühnengraben
geherzt. Das ist okay, die Gattin ist dieses Mal daheim in New Jersey geblieben,
die Gartenarbeit und so - und auch ein Bruce braucht Zeit für Zärtlichkeit. Am
Schluss, kurz vor Mitternacht, setzt es einen Klassiker aus der guten alten
Zeit: Twist and Shout. Endlich können wir uns auf den Highway nach Mutter
hauen. Morgen ist wieder Lohnerwerb. (Christian Schachinger, DER STANDARD, 14./15.7.2012)
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7Einige haben hier die Schachinger/Fluch-Strategie noch nicht ganz durchschaut: Möglichst provokante "Kritiken" posten und dann hoffen, dass sich möglichst viele Leute drüber aufregen.
Hätte Schachinger ganz nüchtern drüber geschrieben, wie BS wirklich war, dann würde es hier vermutlich 50 Postings max. geben. So polarisiert er halt und kriegt entsprechend Love/Hate-Postings. Alles Kalkül. Das kann man Schei*e finden oder nicht...
Ach Schachinger, Sie Unseliger!
Wäre es Ihnen beim nächsten Mal vielleicht möglich, eine Beschreibung Ihres persönlichen Eindrucks des Konzertes in Ihren mit Blendgranaten und journalistischen Polarlichtern durchwirkten Text einzubinden anstelle einer bemüht-sperrigen Auflistung von Offensichtlichem?!
Falls die Qualität des Konzerts noch jemanden interessiert, der nicht dabei war: ja, die Akustik im Happel-Stadion ist mies, die E-Street-Band war manchmal tatsächlich überopulent, dennoch ist sie mMn auch heutzutage second to none, obwohl natürlich leider nicht mehr vollständig. Und
dass für Bruce Springsteen immer noch das gilt, was Jon Landau vor so vielen Jahren im Real Paper geschrieben hat, ließ sich ein weiteres Mal an diesem Abend in Wien miterleben: „Every gesture, every syllable adds something to his ultimate goal -- to liberate our spirit while he liberates his by baring his soul through his music.“
Landau wäre übrigens auch für Sie, Schachinger, eine Literaturempfehlung...
wenn man hier 2 Seiten durchlest heisst der Sieger klar Schachiinger.
Hat er´s doch glatt geschafft das ausschliesslich seine Kritik zum Mittelpunkt des Universums wurde.
2 Seiten voll mit Kritik am Kritiker.
Nichtmal Marcel Prawy hätt das geschafft :-)))
Danach geht man nach Hause...euphorisch aber auch "traurig".Traurig deshalb, weil man ahnt, dass man auf der Bühne nie wieder was besseres sehen wird !
Da wurden vor Konzertbeginn Urwaldgeräusche eingespielt...dann ein Hubschrauber "akkustisch" ums Stadion geschickt das man meinen konnte...da fliegt er...war aber nur der Sound.
GÖTTLICH !
Der Beste Platz ist immer noch der direkt vor dem Mixtower...von hinten kein Geschiebe...der Sound kommt BESTENS an...weshalb dort ja auch der Tontechniker postiert ist...
und man ist weit genug von der Bühne weg, um ein Gesammtbild zu erhalten.
Das Beste daran...man braucht nichtmal laufen um diesen Platz zu bekommen....weil ALLE nach vor drängen
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