Auch Bildende soll ab Sommer 2013 temporär in WU-Gebäude einziehen

13. Juli 2012, 12:19

Angewandte während Dauer der Renovierungsarbeiten ab Herbst 2013 im WU-Komplex - Noch keine Verträge unterzeichnet, aber laut BIG "wahrscheinlichste Lösung"

Wien - Wirtschaft raus, Kunst rein könnte es mit Sommer 2013 im Universitätszentrum Althanstraße in Wien-Alsergrund heißen: Denn während die Wirtschaftsuniversität (WU) dem bereits leicht desolaten Gebäudekomplex den Rücken kehrt und in den neuen Campus beim Prater übersiedelt, sieht alles danach aus, dass die Universität für Angewandte Kunst und die Uni für Bildende Kunst sich während der Renovierung ihrer Häuser im WU-Komplex einmieten werden. Verträge wurden zwar noch keine unterzeichnet, betont man bei der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG). Aber: "Die wahrscheinlichste Lösung ist die WU."

An der Bildenden steht eine Generalsanierung der Hörsäle, Böden und eine Heizungssanierung an, im Atelier sollen die Böden renoviert werden. Außerdem ist im Kupferstichkabinett der Einbau eines Studiensaals und eines Depots geplant, schildert Rektorin Eva Blimlinger im Gespräch mit der APA. Eine Speziallösung muss für die Sammlung der Gemäldegalerie gefunden werden, die aus Sicherheitsgründen andernorts verwahrt werden muss. Dabei sollen jedoch nicht alle Bilder in einem Depot verschwinden, wie Blimlinger betont. Stattdessen sollen Konzepte entwickelt werden, wie Teile der Galerie in Kooperation mit anderen Institutionen temporär ausgestellt werden können.

"Das hässlichste Gebäude von Wien"

Dass die Uni damit "aus einem der schönsten Gebäude von Wien" in ein "nicht so schönes" übersiedelt, ist aus Blimlingers Sicht verkraftbar, weil nur temporär. "Das hat pragmatische Gründe, die Adaptionskosten sind vergleichsweise gering." Insgesamt sollen die Arbeiten in der Bildenden zwischen zwei und drei Jahre dauern.

Bis zu vier Jahre soll auch das Gastspiel der Angewandten im derzeitigen WU-Komplex dauern. Bei dieser soll das Hauptgebäude durch einen scheibenförmigen Zubau an der Hoffassade des Schwanzer-Baus erweitert werden. Start der Bauarbeiten ist für Herbst 2013 geplant, bis 2017 soll die Rückkehr in das neue Gebäude möglich sein.

Harsche Kritik an der geplanten Zwischennutzung der WU durch die beiden Kunstunis kommt von Architekt Wolf D. Prix, der wegen des Umzugs der Angewandten zuletzt sogar als Vorsitzender des Architekturinstituts zurückgetreten war. Die Angewandte lasse sich "ohne Widerspruch" von BIG und Wissenschaftsministerium dazu zwingen, gemeinsam mit der Bildenden in "das hässlichste Gebäude von Wien" zu ziehen: "Es ist ja zum Lachen, die WU-Studenten dürfen in ihre neuen Gebäude im Prater ziehen, und unsere Studenten werden in die verkommensten verbannt", echauffiert sich Prix in der Wiener Wochenzeitung "Falter". (APA, 13.7.2012)

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24 Postings
also bitte...

... ins uza 1 wird man ja hoffentlich niemand mehr einziehen lassen. aber das uza2 und das uza3 sind ziemlich neue, super schöne gebäude. und das uza4 ist auch ok. mir scheint, da reißen leute das maul auf, die sich nicht wirklich auskennen!

sehr gut.

ich würde die gewi einziehen lassen. an der wu kann man nix mehr kaputtmachen.

der prix steht im schmollwinkerl und ärgert sich über einen verlorenen wettbewerb - süß. Dieses pseudoelitäre gehabe ist widerlich, als ob die leute an den kunsthochschulen was besseres wären, die sind do sowieso schon über die maßen privilegiert, was betreuungsverhältnis und ausstattung betrifft

hässlichstes Gebäude von Wien is ja wohl das AKH, Prixi.

DA...

...kommt es meiner Meinung nach wohl auf den Inhalt in Lehre und Forschung an und es wird den kreativen Geistern wohl etwas einfallen, wie aus einem eher traurigen Beispiel für Architektur anregender (Kunst-)Raum zu machen ist- ansonsten wäre es wohl ein Armutszeugnis für deren Kompetenz und Einsatzbereitschaft.
Einfacher und vielleicht auch österreichischer ist es solche Gelegenheiten nicht als Chance zu begreifen, sondern vielmehr Dritte für das eigene Ungemach verantwortlich machen zu wollen. Ein Verbleib des Lehrkörpers und der StudentInnen vor Ort während der Um- und Neubauarbeiten ist wohl keine Alternative!
P.S. Werden Prof.s in Österreich nicht mit 70 ohnedies emeretiert? Und ist daher die Geste von Prof. Prix mehr symbolisch?

wenn er die ausschreibung für die neugestaltung der angewandten nicht verloren hätte würde der prix sicher anders über den umzug denken.

im semper depot steht so viel leer, einfach zusammenrutschen, das ginge sich schon aus. zumindest für die leute von der bildenden. Im 9. wirds das absolute Chaos ich seh das schon jetzt.

da muß ich prix recht geben. das WU-gebäude und eine kunst-uni passen meiner meinung nach nicht wirklich zusammen.

LOL, als ob der versiffte Schwanzer-Trakt der Angewandten schöner als das WU-Gebäude wäre!

Prix findet halt, dass (1) er den Wettbewerb um die Neugestaltung gewinnen hätte sollen, dass (2) alle außer ihm blöd sind, und dass (3) Wirtschaftsstudenten besonders blöd sind und Kunststudenten nicht im wirtschaftskontaminierten WU-Gebäude studieren sollten. Und deswegen ist er jetzt beleidigt und macht einen Schuh. An der Tatsache, dass die Angewandte für den Umbau ein Ausweichquartier benötigt, wird das jedoch genau nix ändern.

Ganz objektiv betrachtet: Das WU-Gebäude ist alles andere als ästhetisch, aber wenigstens ist es verkehrstechnisch gut gelegen und zumindest besser in Schuss als der sog. "Neubau" der Angewandten.

Die Eitelkeiten des Herren Prix waren mir schon immer zuwider. Soll sich lieber in einen Keller einsperren. Der Tod der Meisterklasse Architektur geht auf seine Kappe.

Prix ist zurückgetreten weil er bei der Ausschreibung der Neugestaltung der Angewandten den 2ten Platz hinter einem Kandidaten von der Bildenden geworden ist.

Noch peinlicher für Ihn nun unter einem Pseudogrund offiziell zurückzutreten :P

aha...das erklärt einiges.

ich find aber sein jammern, dass die wu-ler in neue gebäude umziehen dürfen und die angewandten "verbannt" werden trotzdem sehr seltsam. ganz so als wärs bei den wirtschaftern eh wurscht, die sind ja alle ahnungslose dolme, nur die architekturklasse vom prix, die erkennt und verdient das wahre, das echte, das schöne.

"Es ist ja zum Lachen, die WU-Studenten dürfen in ihre neuen Gebäude im Prater ziehen, und unsere Studenten werden in die verkommensten verbannt", echauffiert sich Prix in der Wiener Wochenzeitung "Falter"

also seiner meinung nach sind studenten der angewandten etwas besseres und sollen in die neusten gebäude?
...eine ziemlich mutige aussage von jemanden, dessen studenten eigentlich nichts zum BIP beitragen

die aussage vom prix und ihre aussage - das hält sich für mich die waage.

naja...

...zum bip tragen die wirklich nix bei. aber es muss ja nicht alles darum gehn, oder? ;)

naja. ich studier auf der angewandten und trag recht viel zum BIP bei. wenn ich fertig bin dann auch. es ist ja jetzt nicht so, dass man dann halt automatisch brotloser künstler ist als absolvent. ich weiß nicht, woher dieses dumme vorurteil kommt.

inwiefern?

ich gehe neben meinem studium seit jahren einer geregelten arbeit nach, die sehr zeitintensiv ist und durchaus auch anderen menschen nutzen bringt. Abgesehen davon gibt's auf der angewandten ja noch grafiker und architekten, kunsterzieher etc. also irgendwie is das mit dem wenig zum BIP beitragen einfach wirklich nur ein vorurteil, weil von der hand im mund lebt ja auch ein künstler nicht. ob alle WU-absolventen einen job finden, sei ja auch dahingestellt.

und was...

...das jetzt speziell an deinem künstlerdasein trägt jetzt zum bip bei...isr ja schön, dass du daneben arbeitest, aber hat die arbeit was mit dem studium zu tun?

...als student ansich trägt man übrigens generell nix zum bip bei, egal welches studium. absolventen aber dann sehr wohl.

is das ernst gemeint? denkst du ernsthaft dass man ausnahmslos zum "künstler ausgebildet" wird auf der angewandten, den dann die armen steuerzahlenden bürger erhalten müssen? nochmal: berufssparte grafiker (zb werbeagentur o.Ä.) berufssparte kunsterzieher (schulen, kunstvermittlung), kunstmanagement-lehrgänge, architekten etc.. wie kommt man in dem disskusionskontext überhaupt auf "künstler-dasein"?

Studenten tragen im Allgemeinen nicht allzuviel zum BIP bei

weil ein Studium per se eher nicht so produktiv ist. Und was die AbsolventInnen betrifft, wär ich nicht so sicher, immerhin ist Kunst im Tourismusland Österreich ein nicht unwesentlicher Wirtschaftsfaktor.
Die destruktive Kraft von Finanz und Banken, deren Akteure ja wohl großteils eine angeblich solide wirtschaftliche Ausbildung hinter sich haben, treibt hingegen die EU von einer Krise in die nächste...

Wer finanziert die Kunst? Zu einem sehr großen Teil die Finanzindustrie. Liegen also im selben Bett, obwohl Künstler das niemals zugeben würden.

Sehr richtig!!!

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