Eine Saison in Blassrosa

Gejammert und gejubelt wird auf dem heimischen Kunstmarkt nur hinter vorgehaltener Hand. Eine Zwischenbilanz, Flauten und Zuwächse inklusive

Es lief schon mal deutlich besser, so viel steht fest. Da verkaufte sich etwa Dritt- oder Minderklassiges zu Preisen, die gegenwärtig dem Reich der Fantasie anheimfielen. Das ist definitiv Geschichte. Von der mittleren Gütegattung abwärts geht momentan kaum etwas bis gar nichts. Nicht nur, weil sich Käufer neuerdings besonders wählerisch gebärden, sondern weil Ausgaben gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten prinzipiell öfter hinterfragt werden. Auch von jenen, die einen gehobenen Lebensstandard pflegen. Und dies scheint zeitgleich den Blick für Qualität zu schärfen.

Gejammert und gejubelt wird im heimischen Kunsthandel allenfalls hinter vorgehaltener Hand. In der gegenwärtigen Stimmung will man sich schließlich nicht exponieren. Weder in die eine noch in die andere Richtung. Das eine könnte potenziellen Klienten den Kunstkauf vermiesen, das andere schickt sich derzeit einfach nicht.

Das Fazit nach einer Handvoll Messeevents, sechs Monaten und einem Mehrfachen an Auktionen und Verkaufsausstellungen: Den ehedem tiefrosigen Jahren folgen auf dem hiesigen Kunstmarkt jetzt eben andere. Die aktuelle Saison fällt vorerst in die Kategorie "Blassrosa". Nicht für alle, aber für viele, und im oberen Qualitätssegment tendenziell öfter.

Denn nicht nur international, auch in Österreich tummeln sich Privatsammler, die auf ein vergleichsweise stattliches Einkaufsbudget zurückgreifen können. In Berlin fischte sich unlängst ein solcher bei Villa Grisebach Gabriele Münters Am Starnberger See für brutto (inkl. Aufgeld, exkl. Folgerecht) 732.000 Euro vom Markt, ein anderer bediente sich im Dorotheum und bewilligte stattlichen 754.800 Euro für eine Arbeit von Anish Kapoor. Letzterer markiert den zweithöchsten in einem Auktionssaal in Österreich erzielten Preis seit Jahresbeginn. 70 Prozent dieser Topzuschläge verdanken die heimischen Auktionshäuser jedoch Käufern aus dem Ausland.

Frisches Zahlenfutter

Das Wertvolumen dieses Rankings stieg gegenüber dem Vorjahr um 6,4 Prozent, gegenüber 2009 sogar um 64 Prozent. Ebenso stiegen die Auktionsumsätze: Das Dorotheum reicht zum Halbjahr kein Zahlenfutter, offiziell verlautbarte man "ein höchst erfolgreiches Halbjahr", auf Anfrage wird dann doch die beste Zwischenbilanz in der Geschichte des Unternehmens eingestanden. Gemessen an den Umsätzen der ersten beiden Auktionswochen, beläuft sich die Steigerung jedenfalls auf zwei Prozent: Die Zuschläge summierten sich hier auf 26,82 Millionen Euro, inklusive Aufgeld, aber exklusive Folgerecht.

Die seitens Kinsky veröffentlichten Umsätze, stellt sich aktuell auf Anfrage heraus, inkludieren diese Abgabe seit der Einführung des Folgerechts. Letztlich handle es sich ja um den summarischen Wert aller verbuchten Kaufpreise, lautet das Argument. Weder das Dorotheum noch Auktionshäuser in Deutschland, England oder Frankreich verhübschen ihre Bilanz auf diese Weise. Bereinigt um diesen Gebührenposten verzeichnete im Kinsky einen Umsatzzuwachs um etwa 18 Prozent auf 11,92 Millionen Euro.

Und Herr Hassfurther? Nun, die One-Man-Show in der Wiener Hohenstauffengasse mauserte sich an nur einem Auktionsabend um 16 Prozent (2,16 Mio. Euro), auch dank eines kaufwütigen oberösterreichischen Kunsthändlers, der für ein Gemälde von Alfons Walde mehr als 400.000 Euro hinzublättern bereit war. (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 14./15.7.2012)

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