Firmenschrieb: "Sag das mal ins Telefon"

13. Juli 2012, 19:24
  • Was kommt denn da an? Die offiziellen Sprachwelten von Unternehmen sind genau so verbesserungswürdig wie die süßlichen, ewig langen Begrüßungsphrasen der Callcenter.
    foto: apa/tobias kleinschmidt

    Was kommt denn da an? Die offiziellen Sprachwelten von Unternehmen sind genau so verbesserungswürdig wie die süßlichen, ewig langen Begrüßungsphrasen der Callcenter.

Kompetent mittels Geschraubtheit und Unverständlichkeit? Ungewollter Witz, absurde Formulierung? Nicht von gestern, sondern leider von heute. Die Wortsünden der Unternehmen.

Emoticons (also ein Smiley) statt richtiger Worte, lauter Abkürzungen, Unhöflichkeiten im Netzjargon: Den Jungen wird von Arbeitgebern gern vorgeworfen, dass sie mit ihrer Kommunikation in New Media von sprachlicher Verständlichkeit und von Mindestrespekt schon ganz weit weg sind. Dass Unternehmen andererseits ordentlich vor der eigenen Tür zu kehren haben, wenn es um ihre externe und interne Kommunikation in traditionellen Medien geht, zeigt der Rückblick auf zehn Jahre Wortwelt, eine Spezialagentur, die sich auf Schriftsprachenprojekte in Firmen konzentriert, darauf, wie die Marke in Sprache übersetzt wird.

Geschraubtheit als Ausdruck von Kompetenz

Grundsätzlich, so Wortwelt-Partnerin Karin Krobath, herrsche das Missverständnis vor, dass Geschraubtheit und komplizierter Ausdruck Kompetenz ausdrückten. Ein Beispiel aus der Praxis eines Finanzdienstleisters: "Wir ersuchen Sie, dem Reicher dieses Schreibens gegen Vorweis der Dienstlegitimation US-Dollar 150 in gemischten Noten ausfolgen zu wollen. Erbitten Kopie der Abrechnung!" Oder die freundliche Mail eines Betriebsrates: "Seitens Human Resources wurde uns Ihre Gravidität gemeldet. Wir freuen uns mit Ihnen ...". Warum Corporate Social Responsibility (CSR) viel Kopfschütteln verursacht, könnte sich auch aus folgendem Unternehmenstext erschließen: "Die traditionell bereits in unseren Geschäftsfeldern innewohnende gesellschaftliche Relevanz ist der Nukleus für unser tief verwurzeltes Verantwortungsgefühl."

"Redet das mal ins Telefon", empfehlen die Experten von Wortwelt gerne, wenn sie an der Unternehmenssprache arbeiten. Krobath: "Auch wenn Textbausteine vorgegeben sind, für gewisse Bereiche rechtlich wasserdichte Formulierungen Voraussetzung sind - es muss nicht gestelzt sein, es muss nicht so sein, dass sich Kunden fragen, was Unternehmen eigentlich von ihnen wollen." Es gehe um die Schaffung eines Sprachspeichers, aus dem aber Mitarbeiter wählen können, was auch zu ihnen und ihren Kundenbeziehungen passt. Vor allem, weil Korrespondenzen mit Kunden der Dreh- und Angelpunkt der Glaubwürdigkeit seien. Wer da als Firma seine Sprache in Richtung Empfänger verändere, schaffe es auch, dass Mitarbeiter die Kundenperspektive einnehmen - bekanntlich die Basis für langfristige Beziehungen, Vertrauen, Weiterempfehlungsbereitschaft.

Die Original-Motivationsrede eines Vorstands wird das jedenfalls nicht erreichen: "... jeder muss im Job permanently seine intangible assets mit high risk neu relaunchen und seine skills so posten, dass die benefits alle ratings sprengen, damit der cash flow stimmt. Wichtig ist corporate-identity, die mit perfect costumizing und eye catchern jedes Jahr geupdatet wird." (kbau, DER STANDARD, 14./15.7.2012)

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Bullshit Bingo!!!

oder um es mit Homer (Simpson) zu sagen

bla bla schweres Wort bla bla

Mit solchen Fremdwörtern könnt ihr mir nicht importieren, ich bin in einem anderen Menü aufgewachsen.

Sagen sie mal, wollen sie mich produzieren? ich hab nämlich auf der Unität stukadiert!

Anscheinend hat die heutige Jugend keinen Prospekt mehr vor dem Alter! ;-)

Ich war einmal in einer Firma, da hat sich der Geschäftsführer, ...

... ein trockener, humorloser, ärmelschoner Typ am Telefon von einem Anrufer mit den Worten verabschiedet: "ich verbleibe hiermit mit dem Zeichen vorzüglicher Hochachtung Ihr ...."

Ich bin flach gelegen vor Lachen ...

"Mit ausschliesslich der ihnen von Rechts wegen zustehenden Hochachtung verbleibe ich .."

Hab ich in meinem kurzen Gastspiel im öff. Dienst gelernt ;)

Keine Ahnung...

... welches Problem der Autor mit dem letzten Absatz hat.

Diese Motivationsrede ist in dem soziolinguistischem Umfeld des Vorstandes absolut adäquat. Die Briefe die oben zitiert wurden ("Amts(schimmel)deutsch") ist viel schlimmer.

hat der die rede auf der konferenz mit anderen vorständen gehalten?

bin einmal

glatt an einem schreiben der SVA gescheitert. Ich konnte nicht herauslesen ob ein versicherungsschutz bestand oder nicht. auf meine telefonische anfrage folgte wieder eine minutenlange erklärung. ;-).

wollt auch gerade die sva erwähnen.

habe aufgegeben ihre mitteilungen zu lesen. wenn ich glaube es steht was wichtiges an, ruf ich an, oder fahr vorbei. das geht schneller. ;)

von einer freundin beim finanzamt, weiß ich, dass mitarbeiter an der hauseigenen formulierung, öfters mal in die knie gehen.

bitte die beistriche nicht wahllos in den text werfen!

habe schon angenommen

das geht nur mir so.

Und was ist mit der

Beamtensprache / Ausdrücke?

Dort sollte auch mal aufgeräumt werden!

http://www.science-at-home.de/wiki/inde... Wörterbuch

aber die Deutschen sind auch net schlecht:
http://de.wikipedia.org/wiki/Rind... ungsgesetz

Schweizer (Rotkäppchen in Amtsdeutsch) Genial!
http://www.fiat-marea.ch/index.php... adID=12799

Und dann gibt's auch noch die Sprache der Wissenschaft und die der Technik. Ich glaube, jede Fachsprache ist dazu verdammt, in den gestelzten Unfug abzudriften

customizing, nicht costumizing.

"Verkleidisierung" würde nicht passen?

klingt wie google translator

Also ich finde Google translator ziemlich gut.

Zumindest kann man damit ungefähr erahnen, was Texte in einer sonst vollkommen fremden Sprache bedeuten sollen...

Insofern passt's, wenngleich es von einer "guten Übersetzung" weit entfernt ist.

also ich finds gar nicht so schlecht.

da kann man wenigstens bei vorträgen, zu denen man vergattert wurde, "bullshit bingo" spielen.

Bullshit bingo, der Klassiker. :)

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