Wer nicht an Wunder glaubt, dem droht die Verhaftung

Ein Skeptiker löst das Rätsel um ein vermeintliches Wasser-Mirakel in einer Kirche in Mumbai - Nun soll er dafür vor Gericht landen

Nicht an Wunder zu glauben und diese Haltung auch öffentlich aussprechen zu dürfen klingt nach einer Selbstverständlichkeit in einer modernen Demokratie. In der nach der Zahl der Bürger größten Demokratie der Erde kann davon aber offenbar keine Rede sein, wie ein aktuelles Beispiel demonstriert. Hier kurz und nüchtern die - durchaus erschreckenden - Fakten: Sanal Edamaruku ist Gründer und Präsident der Skeptiker-Organisation "Rationalist International". Als eines Tages Wasser aus den Füßen einer Jesus-Statue in einer Kirche in Mumbai läuft, stehen die Gläubigen Schlange, um das "Wunder" mit eigenen Augen zu sehen.

Edamaruku wird von einem TV-Sender darum gebeten, sich die Sache näher anzusehen; auch Vertreter der betreffenden Kirche willigen ein. Der Skeptiker benötigt nicht lange um herauszufinden, dass das Wasser in Wirklichkeit aus undichten Leitungen stammt, das durch die Wände sickert - und keineswegs Zeichen eines Jesus-Wunders ist. Als er das Ergebnis seiner Untersuchungen öffentlich präsentiert, geschieht das Unglaubliche: Edamaruku wird von Kirchenvertretern angezeigt. Die Anklage lautet "Absichtliche Verletzung religiöser Gefühle von Gläubigen". Aktuell droht dem Skeptiker die Verhaftung. In einem Interview mit dem Wissenschaftsmagazin "New Scientist" beschreibt Sanal Edamarukur, wie er in diese absurde Lage geraten konnte und warum er keine Angst vor eine Verurteilung hat.

--> New Scientist: Miracle buster - Why I traced holy water to leaky drain

(red, derstandard.at, 14.7.2012)

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