Ausschreitungen in Belfast: Neun Polizisten verletzt

13. Juli 2012, 06:05
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"Oranier"-Marsch: Beamte und Demonstranten gingen mit Wasserwerfern und Benzinbomben aufeinander los

London/Belfast - In Nordirland sind bei Zusammenstößen nach einem Marsch von protestantischen Traditionalisten durch ein katholisches Wohngebiet am Donnerstagabend mindestens neun Polizisten verletzt worden. Der Oranier-Orden feierte wie üblich in Belfast den Jahrestag des Sieges der Protestanten über die Katholiken in der Schlacht am Boyne vom 12. Juli 1690. Mindestens zwei Menschen seien festgenommen worden, wie der Londoner Nachrichtensender BBC am Freitag berichtete.

Die Polizei feuerte Wasserwerfer und einige Gummigeschoße auf die katholischen und protestantischen Demonstranten. Diese hatten die Beamten mit Benzinbomben und Ziegelsteinen beworfen. Maskierte Jugendliche steckten Autos in Brand. Bei den Paraden zum 12. Juli kam es in der Vergangenheit regelmäßig zu Zusammenstößen. Durch den Friedensprozess in Nordirland ließ die Gewalt in den letzten Jahren aber nach. Die protestantischen Traditionsverbände treten dafür ein, dass Nordirland weiter zu Großbritannien gehört. Die katholischen Republikaner wollen dagegen durchsetzen, dass Nordirland in die Republik Irland eingegliedert wird.

Der im Jahr 1795 gegründete Oranier-Orden ist die einflussreichste protestantische Bruderschaft in Nordirland und verfügt nach eigenen Angaben über 80.000 Mitglieder. Der Orden betrachtet sich als Bollwerk gegen die von den Katholiken gewünschte Vereinigung Nordirlands mit der Republik Irland. Der Oranier-Orden als Gralshüter protestantischer Traditionen steht der "Ulster Unionist Party" (UUP) nahe.

Provokation für die Katholiken

Die Triumphmärsche werden von der katholischen Bevölkerung stets als unerträgliche Provokation empfunden. Mit den Umzügen gedenkt der Oranier-Orden des Sieges des protestantischen Königs Wilhelm III. von Oranien über seinen katholischen Schwiegervater, den 1688 vertriebenen König Jakob II. Stuart, am 12. Juli 1690 in der Schlacht am Fluss Boyne. Die ersten gewalttätigen Auseinandersetzungen bei einem Oraniermarsch gab es bereits 1813 in Belfast.

Wilhelm III. (1650-1702) wuchs in den Niederlanden auf, deren Erbstatthalter er 1674 wurde. Er trat an die Spitze der Gegner des französischen Königs Ludwig XIV. und heiratete 1677 die Stuart-Prinzessin Maria. Die pro-französische Politik seines Schwiegervaters Jakob II. veranlasste das britische Parlament zu einem Hilfsgesuch an Wilhelm, der 1688 mit Truppen landete und nach Jakobs Flucht zum König von England, Schottland und Irland ausgerufen wurde. (APA, 13.7.2012)

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    Angriffe auf nordirische Polizisten.

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