"Friendly Fire" auf Speed

26. Juni 2003, 20:28
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US-Pilot will Prozess, da er in Afghanistan bei Bombenabwurf auf Kameraden unter angeordnetem Drogen-Einfluss stand

Washington - Ein US-Kampfpilot, der durch einen irrtümlichen Bombenabwurf in Afghanistan vor einem Jahr vier kanadische Soldaten getötet hatte, hat einen Prozess vor einem Militärgericht verlangt. Major Harry Schmidt habe die angebotene außergerichtliche Einigung abgelehnt und bestehe stattdessen auf einem Prozess, sagte eine Armeesprecherin am Mittwoch. Der Pilot hatte im April vergangenen Jahres bei einem Nachtflug über Kandahar ein Manöver der kanadischen Armee irrtümlich für einen feindlichen Angriff gehalten und eine Bombe abgeworfen.

Außerordentliche Bestrafung vergleichsweise milde

Die US-Armee hatte Schmidt und einem weiteren Piloten in einem begleitenden Flugzeug in der vergangenen Woche eine außergerichtliche Bestrafung angeboten. Schmidt drohten dabei maximal der Abzug eines Monatsgehalts, 30 Tage Kasernenarrest und eine Rüge. Bei einer Verurteilung durch ein Kriegsgericht wegen fahrlässiger Tötung drohen ihm dagegen bis zu 64 Jahre Haft. Sein Flugkommandeur Major William Umbach, der den Abwurf von einer zweiten F-16 aus verfolgt hatte, wurde von der Armee wegen Verletzung der Aufsichtspflicht gerügt.

Untersuchter Tathergang

Der Vorfall löste in Kanada große Empörung aus. Es handelte sich um die ersten in einem Kampfeinsatz getöteten kanadischen Soldaten seit dem Zweiten Weltkrieg. Eine gemeinsame amerikanisch-kanadische Untersuchung kam zu dem Schluss, dass Schmidt und Umbach an den Todesfällen schuld seien. Schmidt hatte die Bombe abgeworfen, obwohl er von einem Lotsen die Anweisung bekommen hatte, zunächst abzuwarten. Umbach wiederum wurde angelastet, seine Kontrollfunktion nicht angemessen ausgeübt zu haben. Ein später mit dem Fall befasster US-Oberst kam jedoch zu dem Schluss, dass für die Interessen von "Ordnung und Disziplin" in der Truppe eine außergerichtliche Bestrafung der beiden Piloten ausreiche.

Piloten beschuldigen US-Luftwaffen

Die Anwälte der beiden Piloten hatten der US-Luftwaffe eine Mitschuld an dem Vorfall gegeben. Die beiden hätten bei dem Flug auf Betreiben ihres Arbeitgebers unter Einfluss der Aufputschdroge "Speed" gestanden. Ein US-Fernsehsender hatte berichtet, der Einsatz von Amphetaminen bei Kampfjetpiloten sei eine "Standardprozedur" der US-Luftwaffe, um aufkommende Müdigkeit der Piloten auf langen Missionen zu unterdrücken. Amphetamine wirken antriebssteigernd und erhöhen Selbstwertgefühl sowie Risikobereitschaft. (APA)

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    Ein US-Pilot, der bei einem Einsatz per "friendly fire" Kameraden getötet hatte, beharrt nun auf einem Prozess, da er auf Betreiben seines Arbeitgebers unter Einfluss der Aufputschdroge "Speed" stand.

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