Vater Staat als "böser Stiefvater"

25. Juni 2003, 20:08
posten

Reform des Unterhaltsvorschusses für allein Erziehende gefordert - Zuerkennung dauere oft Monate und auch Jahre

Reform des Unterhaltsvorschusses für allein Erziehende gefordert Wien - "Vater Staat, lass deine Kinder nicht im Stich": Unter diesem Titel präsentierte die "Österreichische Plattform für Alleinerziehende" (Öpa) gemeinsam mit dem Direktor der Caritas Wien, Michael Landau, einen Forderungskatalog für eine Reform des staatlichen Unterhaltsvorschusses.

In Österreich zähle man 187.100 allein Erziehende mit insgesamt 265.400 Kindern, das seien 17 Prozent aller Familien. 87 Prozent der allein Erzieher seien Frauen - brachte Landau die offiziellen Zahlen aus dem Jahr 2001 in Erinnerung. Ein-Eltern-Familien seien deutlich ärmer als andere: "Armut ist weiblich, erblich und macht krank." Zwar helfe der Unterhaltsvorschuss, Armut zu verhindern. Gerade deswegen müsse der staatliche Vorschuss aber reformiert werden.

Zuerkennung dauere oft Monate

Landau fasste mehrere Problemfelder zusammen: Der Prozess bis zur Zuerkennung des Unterhaltsvorschusses dauere oft Monate, wenn nicht Jahre. Konflikte mit dem Kindesvater seien in diesen Fällen meist vorprogrammiert. Oft würden Frauen aus Angst vor gewalttätigen Männern auf Unterhaltsforderungen verzichten.

Außerdem, so Landau, würden die Unterhaltsleistungen von den Vätern oft nicht in voller Höhe, unregelmäßig oder gar nicht geleistet. Grund dafür: Die Zahlung des Unterhaltsvorschusses sei an die Aussicht auf Rückzahlung durch die Männer gekoppelt. Und - last but not least - würden gerade allein erziehende Migrantinnen ohne Zugang zum Arbeitsmarkt in Sachen Unterhalt in schwierige Situationen geraten.

Vermehrt arbeitslos

Allein Erzieherinnen seien im stärkeren Ausmaß berufstätig als Frauen, die in Partnerschaften leben, stellte Ingrid Piringer, stellvertretende Vorsitzende der Öpa, fest. Sie gingen häufiger einer Ganztagsbeschäftigung nach und seien auch öfter arbeitslos als verheiratete Mütter - und deshalb am stärksten von Armut betroffen.

Während die Anwältin und Eherechtsexpertin Helene Klaar Kritik an der "väter- aber ganz und gar nicht kinderfreundlichen" heimischen Rechtslage übte. Von Unterhaltssicherung für alle Kinder sei man in Österreich noch sehr weit entfernt: "Der Staat ist bestenfalls ein Stiefvater - und dann noch ein böser", sagte sie. (APA, bri, DER STANDARD Printausgabe 26.6.2003)

Share if you care.