Rechnungshof will Fonds-Fusion

25. Juni 2003, 19:51
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Scharfe Kritik an Forschungsfonds FFF - Neues Förderdach in Bau

Wien - Die Prüfung der beiden Forschungsfonds FWF und FFF durch den Rechnungshof dürfte die Erwartungen seiner Auftraggeber voll erfüllen. Denn die staatlichen Prüfer kommen im Rohbericht zum Schluss, dass "eine Zusammenführung der beiden Förderinstitutionen ,unter einem Dach' anzustreben" wäre. Damit könnten neue Akzente gesetzt und vorhandene Synergien genutzt werden. Inhaltlich untermauert wird diese These jedoch nicht.

Das Ergebnis überrascht nicht, kommt der RH doch just zu dem Ergebnis, das Politiker wie Bildungsministerin Elisabeth Gehrer bereits im Frühjahr in Aussicht gestellt hatten. Im Detail bemängeln die Prüfer zum Beispiel, dass es dem Forschungsförderungsfonds (FFF) bisher nicht gelungen sei, "im Bereich der wirtschaftsbezogenen Forschung und Entwicklung (F&E) ein höheres Maß an Treffsicherheit seiner Förderungen zu erreichen". Zur Verbesserung seines Wirkungsgrades und der Hebelwirkungen werde es notwendig sein, eine mittelfristig orientierte Forschungsstrategie zu entwickeln und von der bisher ausschließlich antragsorientierten Förderpolitik abzurücken.

Kopfschütteln

Beim FFF schüttelt man dazu den Kopf, denn aufgrund objektiver Daten und im Vergleich zu Fördersystemen anderer Länder sei diese Argumentation nicht haltbar.

Die Erfolgsquote der finnischen Tekes etwa sei gleich hoch wie die des FFF. Außerdem basiere das Begutachtungssystem auf einem gemeinsam mit anderen europäischen Förderstellen entwickelten Bewertungssystems, das von der EU gefördert worden sei. Evaluierungsexperten hätten diesem eine hohe Treffsicherheit zugebilligt, heißt es beim FFF.

"Flexibles, offenes System"

Scharf weist man die RH-Kritik zurück, wonach der FFF den Einsatz seiner Förderinstrumente verbessern müsse, weil er nur unzureichende Kenntnis über die Wirkung der eingesetzten Förderinstrumente habe. Mit Darlehen, Zuschüssen, Garantien etc. habe der Fonds ein flexibles, offenes System, das Start-ups und riskante Projekte dynamisch fördern könne. Der Vorschlag des RH, der FFF sollte das Geld nicht sofort, sondern erst nach Abschluss eines Projekts auszahlen, würde den Barwert verringern und daher forschungshemmend wirken.

Ungeachtet neuer Pläne von Infrastrukturminister Hubert Gorbach, eine Großforschungsstelle für sämtliche Förderinstitutionen zu errichten, wollen FFF und FWF bei der Fortsetzung von Grundlagenforschung in Betrieben stärker zusammenarbeiten. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD Printausgabe, 26.6.2003)

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