Rechtsextreme fordern Blutspenden nur für Griechen

13. Juli 2012, 00:05
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Partei organisiert eigene Blutbank - Widerspruch von Gesundheitsbehörden: "Ungesund, unwissenschaftlich, illegal und rassistisch"

Athen - Die rechtsextreme Partei Chrisi Avgi (Goldene Morgenröte) hat die Griechen aufgefordert, ihr Blut nur noch für ihre Landsleute zu spenden. Mit ihrem in Athen plakatierten Aufruf entfachte die Partei einen Sturm den Entrüstung.

Freiwillige sollten Blut "nur den Griechen spenden, die unsere Hilfe brauchen", erklärte die Partei, die mit dem Slogan "Griechenland den Griechen" für sich wirbt. Alle Blutspenden aus der Aktion würden gesammelt und den Patienten zur Verfügung gestellt, die die Partei auswähle, und niemandem sonst. "Dieses Recht zu wählen steht nicht nur den Mitgliedern von Chrisi Avgi zu, sondern allen freiwilligen Blutspendern", erklärte die Partei. Sie habe bereits eine Blutbank organisiert und betreibe diese in einem staatlichen Krankenhaus in Athen.

"Ungesund, unwissenschaftlich, illegal und rassistisch"

Die Gesundheitsbehörden erklärten, ein solches Vorgehen sei gesetzeswidrig. Der Geschäftsführer des Krankenhauses sagte, es werde keine Diskriminierung geben. Nach dem Gesetz müssten Blutkonserven allen Patienten zur Verfügung gestellt werden, die sie bräuchten. Auch von Ärzten kam heftiger Widerspruch: Die Initiative der Partei sei "ungesund, unwissenschaftlich, illegal und rassistisch", erklärte eine der größten Ärztegewerkschaften. Ein Vertreter des Gesundheitsministeriums sagte, ein Verfahren, wie es Chrisi Avgi propagiere, sei unmenschlich: "Wenn jemand Blut benötigt, dann hat er oder sie jedes Recht, es zu bekommen - egal wer er ist."

Chrisi Avgi war bei der Parlamentswahl im Juni überraschend erfolgreich und hat erstmals Sitze im Parlament errungen. Die Partei, die nach eigener Darstellung kein Sammelbecken für Neonazis ist, hatte in den vergangenen Wochen wiederholt mit Initiativen gegen Einwanderer von sich reden gemacht.

In Griechenland, das unter immensen Schulden und Sparzwängen ächzt und seit fünf Jahren mit einer Rezession zu kämpfen hat, nehmen Ressentiments gegen Einwanderer zu. Das Land ist mit seinen zahlreichen Inseln und langen Küsten immer wieder Ziel von Menschen, die illegal aus Asien oder Afrika einreisen. (APA/Reuters, 13.7.2012)

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    Chrisi-Avgi-Chef Nikolaos Michaloliakos im Parlament.

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