Ein Jäger, ein Highlight und drei Millionen Euro

12. Juli 2012, 20:10
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Der Eindruck verdichtet sich, dass "der Jäger" für eine Neuvergabe geworben und dafür kassiert habe

Zehn Jahre Verspätung, deutliche Kostenüberschreitung und massive Kritik durch den Rechnungshof: Das Funkprojekt Tetron ist kein Erfolgsunternehmen der Republik.

Im Ausschuss versuchten die Abgeordneten die Fäden der undurchsichtigen Vergabe des Blaufunks durch Ex-Innenminister Ernst Strasser (ÖVP) zu entwirren.

Vier Millionen Euro

Stefan Petzner (BZÖ) sorgte mit dem Schreiben eines anonymen Informanten für Aufregung; der Abgeordnete bezeichnet das im Nachhinein als "eines der persönlichen Highlights". Der Inhalt des Schreibens: Lobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly habe einem Unternehmen bei der Vergabe seine Dienste angeboten und dafür vier Millionen Euro gewollt. Christoph Ulmer, Exkabinettschef von Strasser, habe der Firma zu verstehen gegeben, dass man Mensdorff beauftragen müsse, wenn man Chancen auf das Projekt haben wolle. Ulmer wies das zurück.

Dennoch verhärtete sich der Eindruck, Mensdorff - Codename: Der Jäger - habe für eine Neuvergabe geworben und dafür kassiert. Die Annahme unterstützt die Aussage von Rudolf Fischer, Ex-Vorstand der Telekom. Laut ihm habe Mensdorff von der Telekom Geld für Tetron-Lobbying kassiert.

Insgesamt soll Mensdorff-Pouilly von Telekom und Motorola mehr als drei Millionen Euro erhalten haben - er bestreitet, dass es sich um Schmiergeld handelt.

Auch Strasser wies die Vorwürfe bei seiner Ladung zurück. Der deutlich missgestimmte Ex-Minister steckte die Abgeordneten mit seiner Laune an - was Schreiduelle, inklusive eines Ordnungsrufs zur Folge hatte. (nik, DER STANDARD, 13.7.2012)

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