Krisengewinner

12. Juli 2012, 19:00
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Die Visiten bei Bestverdienern offenbarten, dass sich kaum jemand für sein Vermögen schämt

Der Zeitgeist spricht gegen sie: Milliardär zu sein, das ist in Zeiten der Wirtschaftskrise und des wachsenden Gefälles zwischen Arm und Reich nicht mehr so glamourös, wie es beispielsweise noch in den mammonverehrenden 1980er-Jahren war. Mit dieser Entwicklung muss auch das Fernsehen mithalten, das vor dem Finanzadel lange auf Knien gerutscht war: Schließlich boten funkelnde Luxusgüter die geeignete Ansichtsfläche für ein Medium, das die große Welt in die Wohnzimmer der kleinen Leute pressen wollte.

Im ORF-Weltjournal bot man nun mit kapitalismuskritischem Einschlag die Reportage "Superreich trotz Wirtschaftskrise". Christa Hofmann ging dem Phänomen nach, dass sich am Reichtum trotz Pleiten und Rettungsschirmen nichts ändert, im Gegenteil: Die oberen Zehntausend verdienen immer mehr und vergnügen sich damit, Rolls-Royce zu verschenken - die Autofirma erlebt gerade goldene Jahre (in der Dokumentation wurde dies übrigens mit Bond-Musik untermalt, der fährt bitte einen Aston Martin!).

Hofmanns daran anschließende Visiten bei Bestverdienern offenbarten, dass sich kaum jemand für sein Vermögen schämt: Dass der ein oder andere Euro übrig geblieben sei, so der Münchner Unternehmensberater Roland Berger etwas tiefstapelnd, sei allein seinem Fleiß zu verdanken. Fragt sich, warum er dann so pikiert reagierte, als seine strengen Rationalisierungsvorschläge gelüftet wurden.

Der in Kalifornien ansässige Österreicher und Kiehl's-Milliardär Klaus Heidegger wurde von Hofmann allerdings allzu amikal geduzt. Das nahm der Begegnung den Wind aus den Segeln. Als der Exskirennläufer der Reporterin sein Anwesen zeigte und von Promi-Kunden wie Julia Roberts erzählte, schien wieder das alte Format der Güterbeschau durch: Denn tolle Schlitten haben diese Superreichen allemal. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 13.7.2012)

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