Tropenfisch ködert Sexpartnerin

12. Juli 2012, 18:41
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Das Zwergdrachenflosser-Männchen imitiert mit einem Kiemenanhängsel Käfer oder Ameisen und "angelt" sich damit sein Weibchen

Uppsala/Wien - Männliche Lebewesen lassen sich allerlei einfallen, um bei Weibchen zum Zug zu kommen. Einen der originellsten und raffiniertesten Tricks hat aber fraglos der Zwergdrachenflosser (Corynopoma riisei) entwickelt, eine tropische Fischart, die in den Flüssen Trinidads und Venezuelas lebt.

Je nach Größe des Flusses und des Uferbewuchses ernähren sich die Tiere entweder von Baumameisen, die von überhängenden Ästen ins Wasser stürzen, oder aber von Käfern und Insektenlarven. Der Köder des Zwergdrachenflosser-Männchens ist genau darauf angestimmt - um maximalen Erfolg zu gewährleisten, wie schwedische Forscher im Fachblatt "Current Biology" durch Beobachtungen und Experimente herausgefunden haben.

Die Männchen des etwa sechs Zentimeter langen Fisches verfügen über ein Anhängsel ihrer Kiemendeckel. Und damit ahmen sie entweder die Ameisen oder die Käfer nach - je nachdem, welche Nahrung im jeweiligen Teil des Flusses häufiger ist. Das Weibchen schnappt nach der vermeintlichen Lieblingsnahrung - diesen Moment nutzt das Männchen, um die Partnerin zu begatten, wie Biologen um Niclas Kolm von der Uni Uppsala berichten.

Umwelt beeinflusst Signale

Diese Paarungsstrategie erkläre, warum die Köder der Männchen entlang verschiedener Flussabschnitte ganz unterschiedlich aussehen können. Und sie zeige, dass Umweltbedingungen auch die Signale beeinflussen und verändern können, die Tiere innerhalb einer Art verwenden, berichten die Forscher.

"Der Anteil der Ameisen variiert dabei je nach Flussabschnitt zwischen zehn und 75 Prozent", schreiben Kolm und seine Kollegen. Die einzelnen Populationen entlang des Flusses mischten sich kaum, dadurch bleibe auch das Nahrungsspektrum innerhalb einer Gruppe immer relativ gleich.

Die Forscher wiesen in Laborversuchen nach, dass an Ameisen- respektive Käferfutter gewöhnte Weibchen stets jene männlichen Köder bevorzugten, die ihrer Hauptnahrung entsprachen. "Das ist ein natürliches Beispiel für einen Fischköder, der auf maximalen Erfolg abgestimmt ist", erklärt Kolm. Er gleiche immer der Nahrung, die im Fanggebiet gerade besonders häufig sei. In diesem Fall allerdings sei die geköderte Beute keine Nahrung, sondern eine Partnerin.

Spezialfall Zwergdrachenflosser

Im Tierreich kommt es häufiger vor, dass Männchen ihre Weibchen anlocken, indem sie Nahrung imitieren. Männliche Prachtbienen nach nektarreichen Blüten, Wassermilben ahmen die Bewegungen von ins Wasser gefallenen Insekten nach. Der Zwergdrachenflosser sei aber das erste Beispiel, bei dem diese Werbestrategie innerhalb einer Art an die jeweilige lokale Vorzugsnahrung angepasst werden kann, berichten die Forscher.

Der etwa sechs Zentimeter lange Zwergdrachenflosser lebt in den Flüssen Trinidads und Venezuelas. Je nach Flussbreite und Uferbewuchs ernährt er sich entweder vorwiegend von Baumameisen, die von überhängenden Ästen ins Wasser stürzen, oder aber von Käfern und Insektenlarven. (APA/tasch, DER STANDARD, 13.7.2012)

  • Auch so kann man sich eine Frau angeln: Der männliche Zwergdrachenflosser (rechts) 
ahmt mit seiner "Flagge" das jeweilige Lieblingsinsekt des Weibchens (links) nach 
- und vernascht dieses.
    foto: kolm et al., current biology

    Auch so kann man sich eine Frau angeln: Der männliche Zwergdrachenflosser (rechts) ahmt mit seiner "Flagge" das jeweilige Lieblingsinsekt des Weibchens (links) nach - und vernascht dieses.

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