Ausländische Firmen brauchen einen langen Atem

12. Juli 2012, 17:47
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In Libyen stehen tausende Bauprojekte still - betroffen ist auch die österreichische Vamed

Von Flügel drei des Allgemein-Spitals in Gharyan steht nur das Betonskelett, und das schon seit 16 Monaten. Als die libysche Revolution im Februar 2011 ausbrach, hatte die österreichische Firma Vamed mit der Totalsanierung des 400-Betten-Krankenhauses bereits begonnen, das 350.000 Menschen im Gebiet der Nafusa-Berge versorgt. Ein Schild zeigt das zukünftige, futuristische Design. Alles soll auf den neuesten Stand gebracht werden; Zimmer, Operationssäle, Medizintechnik - bei laufendem Betrieb.

Der wird durch die stillstehende Baustelle kräftig gestört. "Wir warten verzweifelt darauf, dass nach den Wahlen die Arbeiten zügig wiederaufgenommen werden", sagt Dr. Hashmi al-Said von der Spitalleitung.

Das erhofft sich auch Stefan Mugitsch, der Vamed-Generalmanager in Libyen. "Die Schäden an Büros und Bau-Camp sind relativ gering. Dafür haben zehn libysche Mitarbeiter gesorgt, die auch während des Krieges da waren. Der Kontakt ist nie abgebrochen", sagt Mugitsch auf der Baustelle. Er ist schon viele Monate wieder im Land und bereitet den Neustart vor. Er wäre bereit weiterzumachen, das würde auch Arbeitsplätze für Einheimische schaffen. In Wien lagern bereits die neuen Fassadenelemente. An einen Vollbetrieb des Spitalsprojekts, das den Wert eines hohen zweistelligen Dollar-Millionenbetrages hat, noch heuer glaubt er allerdings nicht.

Der Bauunternehmer Mustafa Gharyani, der zwischen den USA und Libyen pendelte, hatte mehrere Wasserprojekte im Osten und im Westen des Landes in Arbeit. Der Stillstand ist nicht nur für seine Firma, sondern vor allem für die Libyer teuer. Heute beschäftigt er noch 15 seiner einst 85 Mitarbeiter. In den betroffenen Dörfern müssen die Menschen nun Wasser von Tanklastwagen kaufen. Das kann 30 bis 40 Prozent ihres Einkommens verschlingen. Einzelne Gemeinden hatten das Warten auf einen Entscheid aus Tripolis satt und haben angefangen, Notlösungen zu basteln.

Als die Revolution im Februar 2011 begann, herrschte in Libyen ein gigantischer Bauboom. Er umfasste alle Sektoren von Wohnungen, Spitälern und Infrastruktur bis zu Hotels und Shoppingcentern. Tausende Projekte im Wert von dutzenden Milliarden - allein türkische Firmen hatten ein Engagement von 15 Mrd. US-Dollar - wurden binnen Tagen gestoppt und bleiben eingefroren.

Hoffen auf neue Regierung

Die beiden bisherigen Übergangsregierungen haben keine Entscheide gefällt. Das soll sich nun mit der neuen Regierung ändern, die nach der Wahl zum Nationalkongress gebildet wird, hoffen die betroffenen Unternehmen. Jüngst fand in Tripolis ein Workshop des Planungsministeriums statt, bei dem angeregt wurde, dass ein Ministerkomitee alle Verträge überprüft und nach den Kriterien "dringend" , "notwendig", "kurz-", "mittel-" und "langfristig" sortiert. Im Budget 2012 sind 19,1 Mrd. Dinar (rund zwölf Mrd. Euro), 28 Prozent des gesamten Haushaltes, für die Fertigstellung von Projekten eingeplant. Dabei liegt die Priorität bei der Behebung von Kriegsschäden, auf Wasser, Gesundheit, Wohnbau und Transport.

Aber auch Optimisten glauben, dass es noch mehrere Monate dauern wird, bis sich die Baukräne wieder bewegen. Dessen ist sich auch der Vamed-Manager bewusst, dessen Firma seit 20 Jahren im Land ist und auch Wartungsverträge für Spitäler hat, die normal weiterlaufen. "Der libysche Markt ist bedeutend und ausbaufähig. Diese Phase muss man überstehen können. Ist man erst draußen, wird eine Rückkehr schwierig", ist Mugitsch wie viele ausländische Geschäftsleute in Libyen überzeugt. (Astrid Frefel, DER STANDARD, 13.7.2012)

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