Libyen: Zwei Kameramänner entführt

12. Juli 2012, 17:33
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"Reporter ohne Grenzen": Angriff auf Informationsfreiheit

Wien/Paris - Die internationale Organisation für Pressefreiheit, "Reporter ohne Grenzen" (RSF), verurteilt die Entführung und Festnahme der beiden libyschen Kameramänner Abdelqader Fosuk und Yussuf Badi in Bani Walid, 150 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Tripolis. Der Ort galt als eine der letzten Hochburgen von Gaddafi-Anhängern, die von den Aufständischen im vergangenen Jahr erobert wurden.

Die Kameramänner wurden bereits am 7. Juli, dem Tag der nationalen Parlamentswahlen, entführt, teilte die österreichische RSF-Sektion am Donnerstag mit. Die Männer waren für den TV-Sender "Tobacts TV" aus dem ca. 100 Kilometer entfernten Misrata in Bani Walid anwesend, um über den Wahltag zu berichten. Sie wurden gegen 17.00 Uhr festgehalten und weggebracht, als sie gerade den Heimweg nach Misrata antreten wollten, um noch rechtzeitig zur Wahl gehen zu können. Nach Angaben des TV-Senders "AlWadi TV" sind Fosuk und Badi entführt worden, weil sie sich ohne Erlaubnis in Bani Walid aufgehalten und dort Militärgebiet gefilmt hätten. Nach Informationen, die "Reporter ohne Grenzen" vorliegen, fordern die Entführer die Freilassung mehrerer in Misrata inhaftierter Personen im Gegenzug für eine Freilassung der Journalisten.

Mohammed al-Swehili, Chef des Militärs in Misrata, kündigte gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press eine 48-Stunden Frist an. Danach werde er den Ort Bani Walid angreifen lassen. "Reporter ohne Grenzen" kritisiert die Entführung, aber auch die angekündigte militärische Operation: "Die Entführung entbehrt jeder rechtlicher Grundlage und stellt einen Angriff auf die Informations- und Meinungsfreiheit dar", so RSF. "Zugleich verurteilen wir die weitere Anwendung von Gewalt. Dies würde die ohnehin schon angespannte Situation zum Eskalieren und viele weitere Menschen in Gefahr bringen. Wir rufen beide Seiten zu einer friedlichen Einigung auf und fordern eine sofortige Freilassung von Abdelqader Fosuk und Yussuf Badi ", heißt es in der Mittelung. (APA, 12.7.2012)

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