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Italiens neu ernannter Wirtschafts- und Finanzminister, der 55-jährige Vittorio Grilli, ist ein Schwergewichtler. Natürlich ist der schlanke, dunkelhaarige Mailänder, Vater von vier Kindern, kein aktiver Sportler. Der Wirtschaftsminister ist aber zweifellos ein Schwergewichtler im Finanzwesen. Angeblich hat sein Vorgänger, der ehemalige Finanzminister Giulio Tremonti (Regierung Berlusconi), keinerlei Entscheidung ohne den Rat des einstigen Schatzamtdirektors Grilli getroffen.
Und auch Regierungschef Mario Monti hat in den letzten Wochen immer mehr Aufgaben an Grilli delegiert. Monti hatte seit Regierungsantritt im November 2011 das Wirtschafts- und Finanzministerium interimsmäßig selbst geleitet. Inzwischen hat er aber volles Vertrauen in Grilli, sodass er ihm die Schlüsselposition überließ. Denn "Professore" Grilli kennt nicht nur Italiens Haushalts- und Finanzprobleme in- und auswendig, sondern ist auch mit dem europäischen Finanzdilemma vertraut. Laut EU-Kommissar Olli Rehn kommt Grilli eine Schlüsselposition in der Eurokrise zu.
Der gebürtige Mailänder hat - ähnlich wie Monti - die Mailänder Elite- Wirtschaftsuniversität Bocconi absolviert. Nach seinem Doktorat in New York lehrte er Wirtschaftswissenschaften in den USA (Yale) und in London, bevor er 1994 in den Staatsdienst eintrat.
Grilli ist häufiger Gast in den wichtigsten politischen Talkshows des italienischen Fernsehens. Der "Mann ohne Lächeln" wird als Wirtschaftsintellektueller bezeichnet. Im Gegensatz zu den anderen Ministern der Expertenregierung Monti ist Grilli bislang noch nie ins Fettnäpfchen getreten. Ihm passiere eben kein Lapsus, meinte der Politshowmaster Michele Santoro. Grilli wird von Insidern auch als Ciampi-Boy bezeichnet, der dem ehemaligen Zentralbankchef, späteren Wirtschaftsminister und Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi nahesteht.
Es besteht kein Zweifel, dass Grilli über große Kompetenz verfügt. Der Nationalökonom begann seine Karriere im Wirtschaftsministerium als Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung und erwarb sich als späterer Staatsbuchhalter profunde Kenntnis der italienischen Staatsfinanzen. In den Neunzigerjahren leitete Grilli die große Privatisierungswelle ein. Diese ermöglichte Italien unter anderem den Euro-Beitritt. Von 2005 bis 2011 war er sowohl unter der Regierung Prodi als auch in der Nachfolgeregierung Berlusconi Schatzkanzler. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, 13.7.2012)
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