Der Kärntner Anteil an den Nazi-Gräueln

12. Juli 2012, 17:45
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Das Klagenfurter Ensemble erinnert an Werner Kofler

Rosa Winter, die bis zum Tod unbeugsame Sintiza aus Linz, wurde von Leni Riefenstahl aus dem NS-Lager Maxglan als Statistin für den Film Tiefland ausgesucht. Auf dem Weg dorthin floh sie, wurde gefasst und weigerte sich, Riefenstahl um Verzeihung zu bitten. Riefenstahl meinte daraufhin lapidar, dann komme sie eben auch ins KZ, wenn sie das so haben wolle.

Tiefland, das NS-"Zigeuner"-Melodram, wurde erst 1954 der Öffentlichkeit vorgestellt. Dass bis heute Intellektuelle das Werk von den Taten und der Geisteshaltung seiner Schöpferin entkoppeln, muss als eine geistige Entgleisung gesehen werden.

Der wortgewaltige Literat Werner Kofler beschäftigte sich im seiner letzten Publikation Zu spät mit dem Film und dekonstruierte in einem historisch und literarisch sorgfältig erarbeiteten Text die Rollen der Regisseurin Leni Riefenstahl, des Schauspielers Bernhard Minetti und Jean Cocteaus.

Kofler: "Die Kleindarsteller in Ihrem Film, Frau Riefenstahl, Hut ab, Hut ab, Film ab - von Salzburg/Maxglan und Berlin/Marzahn über Auschwitz/Birkenau nach Stuttgart und Cannes - Was für ein Kunststück!"

Dem zornigen Großen der deutschsprachigen Literatur hat das Klagenfurter Ensemble nun einen Abend gewidmet: "Was geht uns das an?" Die von Rüdiger Hentzschel ausgewählten und inszenierten Texte beschäftigen sich mit dem Kärntner Anteil an den Nazi-Gräueln. (szg, DER STANDARD, 13.7.2012)

Theaterhalle 11, Klagenfurter Ensemble,
12., 13., 14., 20., 21. 7., jew. 20.00
0463/310 300

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