Neue Technik spürt hunderte Krebs-Proteine in kurzer Zeit auf

15. Juli 2012, 18:23
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Verfahren beruht auf Massenspektrometrie, die die "Fingerabdrücke" zahlloser Moleküle gleichzeitig erkennt

Zürich - Schweizer Wissenschafter haben eine neue Technik entwickelt, die Mediziner in die Lage versetzt, in kürzester Zeit hunderte, mit Krebs assoziierte Eiweiße bei Patienten aufzuspüren. Damit könnte der Zustand von Krebs- und anderen Patienten deutlich besser bestimmt werden, wie die ETH Zürich mitteilte.

Krebs auslösende Gene stellen Eiweiße her, die im Körper von Patienten nachweisbar sind. Somit könnten sie als sogenannte Biomarker nützlich sein. Diese erlauben es, Krankheiten gezielt, individuell und frühzeitig zu erkennen, die geeignete Therapie auszuwählen und deren Erfolg zu überwachen.

Wissenschafter beschreiben laufend neue solcher Krebs-Eiweiße. Doch bisher fehlte eine Methode, um sie in nützlicher Frist in Blut- oder Urinproben zu entdecken. Einen solchen Massentest für rund tausend Krebs-Eiweiße stellt nun das Team um Ruth Hüttenhain von der ETH Zürich im Fachblatt "Science Translational Medicine" vor.

"Fingerabdrücke" von Krebs-Proteinen

Das Hochdurchsatzverfahren beruht auf der Massenspektrometrie, die sozusagen die Fingerabdrücke vieler Moleküle gleichzeitig bestimmt. Damit konnten die Forschenden im Blut von Patienten 180, im Urin sogar über 400 solche Krebs-Eiweiße höchst präzise identifizieren. Die "Fingerabdrücke" haben sie für die weitere klinische Forschung in einer öffentlichen Datenbank hinterlegt.

Bisher erlaubt das Verfahren zwar noch keine direkte Krebsdiagnose. Aber die Forschenden hoffen, "dass unsere Arbeit Studien an Krebs-Biomarkern beschleunigt und dazu beiträgt, vielversprechende Kandidaten klinisch anzuwenden", zitierte die ETH- Mitteilung Hüttenhain.

Dass ihr Nachweis tatsächlich funktioniert, hat das ETH-Team unter der Leitung des Systembiologen Ruedi Aebersold am Fallbeispiel Eierstockkrebs geprüft. Tatsächlich konnten sie im Blut von Patientinnen nicht nur bereits bekannte Eierstockkrebs-Eiweiße aufspüren, sondern auch neue, die sie aufgrund von Gendaten vorhergesagt hatten.

Diese Verknüpfung von Krankheits-Genen und den von ihnen erzeugten Eiweißen ist laut der Forschenden aufschlussreich. Denn sie können zusammengenommen den akuten Zustand von Patienten präzise bestimmen. Darum könnten solche hochspezifischen Nachweisverfahren nicht nur bei Krebs, sondern auch bei anderen Krankheiten eingesetzt werden, bei denen die auslösenden Gene bekannt sind. (APA/red, derstandard.at, 14.7.2012)

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