Ägyptischer Präsident Mursi besucht Saudi-Arabien

12. Juli 2012, 14:38
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Gespräche Mursis mit König Abdullah über "regionale Stabilität" - Tiefes Misstrauen zwischen saudischer Führung und ägyptischer Muslimbruderschaft

Jeddah - Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi ist in der Nacht auf Donnerstag zu Gesprächen mit König Abdullah nach Saudi-Arabien gereist. Im Mittelpunkt der Unterredung in Jeddah standen nach Angaben der saudiarabischen Nachrichtenagentur SPA Fragen der "regionalen Stabilität". Mursi, der auch mit dem neuen Kronprinzen Salman zusammentraf, bezeichnete die Gespräche als "konstruktiv und im Interesse Ägyptens, Saudi-Arabiens und der anderen Völker der Region". Kurz vor seiner Abreise hatte Mursi erklärt, dass er die Entscheidungen des Verfassungsgerichts respektiere, das sein Dekret zur Wiedereinberufung des vom Militär für aufgelöst erklärten Parlaments annulliert hat.

Das Verhältnis zwischen der ägyptischen Muslimbruderschaft, aus deren Reihen Mursi kommt, und der wahhabitischen Monarchie war viele Jahre von Misstrauen geprägt. Saudi-Arabien unterstützte lange Zeit das Regime von Hosni Mubarak. Einige Exponenten des Mubarak-Regimes haben ebenso wie der tunesische Ex-Machthaber Zine el-Abidine Ben Ali in Saudi-Arabien Aufnahme gefunden. Nach den Revolutionen in Tunesien und Ägypten im Vorjahr hatten Behörden und Geistlichkeit in Saudi-Arabien die Bürger massiv unter Druck zu setzen versucht. Der Großmufti von Saudi-Arabien, Abdel Aziz al-Sheikh, hatte die Volksaufstände in arabischen Ländern als von "Feinden des Islam gesteuerte chaotische Aktionen" verurteilt, deren Ziel es sei, "die muslimische Welt zu spalten". Die "Feinde des Islam und ihre Knechte" stifteten zur Revolte an, um "die muslimische Nation im Herz zu treffen und sie zu spalten", war der höchste geistliche Würdenträger des Königreichs zitiert worden.

Verärgert ist die saudiarabische Führung über die Kontakte, die die ägyptische Muslimbruderschaft zum Iran geknüpft hat. Riad unterstützt die radikalen Salafisten in Ägypten, die mit den moderaten Muslimbrüdern rivalisieren. Im vergangenen April hatte Saudi-Arabien seinen Botschafter aus Kairo vorübergehend zurückgerufen, nachdem es dort zu Demonstrationen gegen das Königreich gekommen war. Der Konflikt hatte sich an der Festnahme des ägyptischen Menschenrechtsanwalts Ahmed al-Ghizawi entzündet.

In Saudi-Arabien leben mehr als eine Million Ägypter, eine große Mehrheit von ihnen hat bei der Präsidentenwahl Mursi gewählt. Der Präsident will sich nach seinen Gesprächen in Jeddah auf Pilgerfahrt nach Mekka und Medina begeben.

Mursi würdigte laut SPA die "Weisheit" des Monarchen und dessen "Liebe zum ägyptischen Volk". Dass er seine erste Auslandsreise nach seinem Amtsantritt nach Saudi-Arabien unternehme, begründete Mursi mit den "historischen Beziehungen" zwischen den beiden Ländern. Saudi-Arabien will nach Angaben aus Diplomatenkreisen Ägypten dazu bringen, den Druck auf den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad zu verstärken. (APA, 12.7.2012)

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