Chinesische Behörden setzen Kopfgeld auf Piranhas aus

12. Juli 2012, 17:38
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Der Liujiang-Fluss ist für Schwimmer mittlerweile verboten - Belohnung von 130 Euro für jeden Fisch

Zhang Kaibo will in der Julihitze nur seinen kleinen Hund am Ufer des Liujiang-Flusses im Wasser abkühlen, als er schemenhaft drei Fische auf sich zuschwimmen sieht. Er wundert sich, so erinnerte er sich später, wie "mutig" sie waren. Bevor er wusste, wie ihm geschieht, hatte sich ein Piranha in seinen Handteller verbissen. Die Stadtbehörden von Liuzhou trommelten zur Großfahndung nach den entfleuchten Piranhas, mobilisierten Anglervereine und setzten pro Fisch 120 Euro Belohnung aus. Hobbyfischer pilgerten in Scharen zum Fluss, um die vom Amazonas stammenden Fische zu fangen.

Vermutlich waren sie nach Kanton eingeschmuggelt und von dort an lokale Zierfisch-Fans in Liuzhou verhökert worden. Fünf Yuan (60 Cents) verlangten die illegalen Händler für einen Jungfisch, fand die Nachrichtenagentur Xinhua heraus. Einer der Kunden habe sich wohl seiner Piranhas entledigt, als sie ihm zu groß und bissig wurden.

Seltene Tiere für die Kochtöpfe der Reichen

Es ist das jüngste Beispiel, wie sich trotz Importkontrollen reich gewordene chinesische Hobbyzüchter exotische Tiere und Pflanzen aus aller Welt beschaffen. Die Schäden seien immens, schrieb die Wissenschaftszeitung Keji Ribao. Laut Statistiken des Umweltministeriums seien in den vergangenen Jahren 488 Pflanzen- und Tierarten nach China gebracht worden, die es dort zuvor in freier Natur nicht gab. 100 Spezies gelten weltweit als besonders gefährlich für das Gleichgewicht einer einheimischen Tier- und Pflanzenwelt, 50 davon sind schon da. Die Schäden, die sie anrichten, schätzt das Pekinger Agrarministerium auf jährlich 14 Milliarden Euro.

Chinas Grenzwachen haben nicht nur alle Hände voll zu tun, die Einfuhr artfremder Spezies abzuwehren. Sie sind noch mehr damit beschäftigt, zugleich Schmuggelimporte von seltenen, meist vom Aussterben bedrohten Tieren zu unterbinden, die in den Kochtöpfen neureicher Gourmands und Gourmets landen sollen. Für ihren Gaumenkitzel und Protzerei scheuen sie weder Geld noch Risiko. Kein essbares Tier ist vor ihnen sicher, weder seltene Schlangen noch Gürteltiere. In Chongzuo vor der chinesisch-vietnamesischen Grenze fanden Zollbeamte jüngst in einem Lkw-Konvoi 3600 siamesische Wild-Krokodile. 42 waren an der Hitze eingegangen, von denen es in freier Wildbahn nur mehr wenige tausend gibt. (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, 13.7.2012)

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