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Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) macht Fortschritte bei der Räumung ihres Geldparkplatzes: Die von Geschäftsbanken als Übernachteinlagen gehortete Überschussliquidität ist am Donnerstag von 808,5 auf 324,9 Mrd. Euro und damit auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten gesunken, wie aktuelle Zahlen der Notenbank zeigen. Vor einer Woche hatte die EZB im Rahmen ihrer Leitzinsentscheidung mitgeteilt, dass die Mittel künftig nicht mehr verzinst werden.
Die Reaktion der Geldhäuser folgt mit sieben Tagen Verzug, da nun die nächste sogenannte Reserveperiode in Kraft tritt. Die Banken müssen entscheiden, wie viel Geld sie im kommenden Monat vorhalten wollen, um ihre durchschnittlichen Mindestreserveanforderungen bei der EZB zu erfüllen. Für gewöhnlich stellen die Banken gleich zu Beginn der Reserveperiode hohe Beträge auf das entsprechende Konto, um ihre Reservepflicht möglichst schnell zu erfüllen. Dieser Effekt wird aktuell dadurch verstärkt, dass sich die Übernachteinlagen überhaupt nicht mehr rechnen. Deswegen haben viele Banken ihre überschüssige Liquidität auf ihr Sichtguthaben bei der EZB verschoben: Zeitgleich zum Rückgang der Übernachteinlagen stiegen die Guthaben der Banken bei der EZB von 111,53 auf 539,79 Mrd. Euro.
Der Rückgang der Übernachteinlagen auf den tiefsten Stand seit Ende Dezember entspricht damit nur auf den ersten Blick dem Kalkül, das die EZB mit der jüngsten Senkung ihres Einlagensatzes verfolgt hat. Indem die Notenbank die Zinsen für die über Nacht bei ihr gebunkerten Zentralbankgeldreserven von 0,25 auf null Prozent reduziert, will sie die die Institute animieren, sich gegenseitig wieder mehr Mittel auf dem Interbankenmarkt zu borgen und auf diesem Wege auch die Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte wieder in Gang zu bringen.
Tatsächlich sind die Mittel jedoch lediglich von einem EZB-Konto auf das andere gewandert. "Dieser technische Effekt sollte nicht dahingehend fehlinterpretiert werden, dass enorme Liquiditätsmengen abgezogen oder in Umlauf gebracht werden", erklärt Commerzbank-Analyst Marcel Bross. Viele Experten zweifeln generell, ob die Senkung des Einlagensatzes die Kreditvergabe im Währungsraum ankurbeln kann. Ihr Hauptargument: Nicht der Preis des Geldes ist derzeit entscheidend, sondern das mangelnde Vertrauen unter den Banken. (APA, 12.7.2012)
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