Meister im Über-den-Tisch-Ziehen

Ansichtssache

Unsere Nachbarn, die Bayern, sind ein eigenartiges Volk. Entsprechend exotisch sind ihre Traditionen. Wie etwa die Meisterschaft im Fingerhakeln. Die findet dieses Jahr bereits zum 59. Mal statt, und zwar am 12. August in Lenggries. Gehakelt wird mit dem Mittelfinger. Beide Gegner "hakeln" sich mit den Fingern in einer Lederschlaufe ein und versuchen auf Kommando, den Gegner "über den Tisch zu ziehen".

foto: fingerhakel-verein isargau

"Wer gut in Form ist, hebt mit seinem Mittelfinger bis zu 150 Kilo", erklärt Josef Hartl, Vorsitzender des Fingerhakel-Vereins Isargau. Ein Wettkampf dauert selten länger als eine Minute, zu anstrengend ist das Zerren am Finger. Um die Zugkraft zu erreichen, ist tägliches Kraft- und Ausdauertraining nötig. Der ganze Körper ist beim Fingerhakeln im Einsatz.

foto: fingerhakel-verein isargau

Das Fingerhakeln ist der traditionellste Kampfsport in Bayern. Wie beim Boxen gibt es auch hier Gewichtsklassen: Leicht-, Mittel- und Schwergewicht. Das Kommando lautet: "Beide Hakler fertig, zieht!" Neben Kraft, Reaktionsvermögen und Ausdauer müssen die Kampfsportler auch Schmerzresistenz aufweisen, der Lederriemen gräbt sich in die Haut und zerrt am Finger. Wer den Gegner über die Seitenlinien auf dem Tisch zieht, hat gewonnen.

foto: gemeinde lenggries/adrian greiter

1.000 bis 1.500 Zuseher kommen wegen des Spektakels nach Lenggries, um ihre Hakler lauthals zu unterstützen. Die Gemeinde Lenggries liegt etwa 60 Kilometer südlich von München im Isarwinkel. Das Volksfest beginnt um 10 Uhr und endet mit einer Siegerehrung um etwa 16 Uhr. Der Eintritt kostet drei Euro. (red, derStandard.at, 13.7.2012)

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