Lawinenunglück in Frankreich: Neun Tote

12. Juli 2012, 19:44

Rettungskräfte im Großeinsatz am Mont Maudit - Keine weiteren Vermissten mehr

Chamonix - Neun Bergsteiger sind am Donnerstag in den französischen Alpen von einer Lawine in den Tod gerissen worden. Unter den Opfern sind nach jüngsten Angaben der Präfektur in Chamonix drei Deutsche, drei Briten, zwei Spanier und ein Schweizer. Vier am Nachmittag noch Vermisste haben sich laut der zuständigen Präfektur am Abend selbst gemeldet. Neun Menschen kamen mit geringfügigen Verletzungen in ein Krankenhaus, zwei überlebten unversehrt.

Unter den Verletzten befinden sich nach Angaben von Nikolaus Lutterotti, Sprecher des Außenministeriums in Wien, keine Österreicher. "Weder die bisher geborgenen Toten, noch die Verletzten stammen aus Österreich", sagte Lutterotti. Ob sich zum Unglückszeitpunkt überhaupt Österreicher auf dem 4.000er befunden hatten, blieb zunächst unklar.

Einem Sprecher der Gebirgspolizei von Chamonix zufolge ereignete sich das Unglück in rund 4.000 Metern Höhe am Mont Maudit. Mehrere der Opfer hatten auf 3.600 Metern in einer Berghütte übernachtet und sich dann am sehr frühen Morgen auf den Weg gemacht. Die Bergsteiger waren in zwei Gruppen aufgebrochen, um über den 4.465 Meter hohen Berg auf den benachbarten Mont Blanc zu kommen.

Beide Seilschaften mitgerissen

Gegen 5.25 Uhr habe ein Verletzter einen Notruf abgesetzt, sagte ein Polizeisprecher. Die Lawine habe beide Seilschaften erfasst. Zahlreiche Rettungskräfte, darunter Verstärkung aus dem benachbarten Italien, suchten am Nachmittag weiter mit Suchhunden und Hubschraubern nach den Vermissten. Der Sprecher der Gebirgspolizei, Bertrand Francois, schloss aber nicht aus, dass einige Bergsteiger den anderen voraus waren und somit der Lawine entgingen.

Nach ersten Erkenntnissen löste sich eine 40 Zentimeter tiefe Schneeplatte und begrub die Bergwanderer unter sich, sagte der Präfekt des Departement Haute-Savoie, Philippe de Rumigny. Vermutlich sei der Schnee von einem Bergsteiger losgetreten worden. "Es gab keinen (erklärbaren) Grund für eine Lawine und ein Unglück dieses Ausmaßes", sagte der stellvertretende Bürgermeister Jean-Louis Verdier dem TV-Sender BFM. 

Weitere Suche wetterabhängig

Der französische Wetterdienst hatte keine Lawinenwarnung gegeben. In den vergangenen Tagen wehte im Mont-Blanc-Massiv aber ein starker Wind von bis zu 100 km/h, das könnte die Schneedecke instabil gemacht haben. Frankreichs Innenminister Manuel Valls kündigte vor laufenden TV-Kameras in Chamonix eine Untersuchung an.

Der Mont Maudit gehört zu den beliebtesten, aber auch zu den schwierigeren Aufstiegsrouten zum 4.810 Meter hohen Mont Blanc, der jährlich von mehreren tausend Bergsteigern erklommen wird. Laut den französischen Behörden ist es das schlimmste Unglück in dem Gebiet seit mehreren Jahren. Im August 2008 waren im Mont-Blanc-Massiv acht Bergsteiger durch eine Lawine getötet worden, vier Deutsche, drei Schweizer und ihr Bergführer aus Tirol. Erst am Dienstag vergangener Woche verunglückten in der Schweiz fünf deutsche Hobby-Bergsteiger tödlich. Sie waren beim Abstieg vom Gipfel des 4.010 Meter hohen Lagginhorn mehrere hundert Meter tief abgestürzt. (APA/red, 12.7.2012)

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Bei Wind von 100 kmh

auf 4.000 Meter klettern??

Ganz schön mutig - nicht??

Maudit heißt er wohl nicht zufällig.

plaque de neige = schneebrett

Später Schnee

Es gab heuer am MB noch Anfang Mai einen Meter Neuschnee und über den ganzen Winter und auch seither starke Temperaturschwankungen. Dazu immer wieder Sturm. Der ganze Schnee da oben ist extrem inkonsistent und instabil.

diese grafik sagt wieder mal total überhaupt nix aus !!!

Übrigens, verdursteten, im ungefähr gleichem Zeitrahmen...

...150 Schwarzafrikaner vor der italienischen Küste in ihrem Flüchtlingsboot.
(Nur, dass man die nicht auch vergißt, vor sovielen schönen Bergfotos und Touren).

es ist unwahrscheinlich, dass ich auf einen fluechtlingsboot verdursten werde, deswegen interessiert mich das auch nicht.
und da gehts noch nicht mal drum, dass ich die leute als gefaehrlich oder als eine belastung sehe, sondern nur darum, dass mich das hoechstens akademisch interessiert, so wie das sexleben der roten waldameisen. (bei einer einmaligen begattung bekommen die den samen fuer ihr ganzes leben - also sexleben ist da vielleicht zuviel gesagt)
auf dem berg, auf diese art, koennt ich aber schon sterben.

"Schneeplatte" = Schneebrett

Als Schneebrett bezeichnet man

allgemein einen relativ kleinen Abrutsch von Schnee, wobei ein solcher durchaus tödtlich enden kann.
Bei diesem Unglück handelt es sich anscheinend tatsächlich um eine grössere Platte bestehend aus einer dicken gefrorenen und /oder windgepressten Harschschicht. Diese ist losgebrochen und hat darunterliegenden weicheren Schnee mit gelöst.

Also ich kenne nur

- Staublawinen
- Grund-, Fließ- und Nassschneelawinen
- Schneebrettlawinen
- Lockerschneelawinen
- Eislawinen
Aufgrund der Beschreibung als "Platte" gehe ich davon aus, dass es sich um eine Schneebrettlawine handelt. Oder habe ich da etwas missverstanden?

Definition

weiss nicht wie man das in einem Wort definiert. Es war wie auch untenstehend gepostet eine Harschplatte. Darunter dann wahrscheinlich schwerer Schnee. Unter Harsch darf man sich hier kein dünnes Häutchen vorstellen. Diese Platten werden in dieser Höhe vom Wind auf ein paar Zentimeter Dicke gepresst. Die Oberfläche ist dann total glatt, nicht eisig aber eben und flach. Wenn man dann mit dem Steigeisen reinhaut bricht natürlich immer was weg. Meistens nur ein paar scherbenartige Brocken, im Extremfall wie hier aber eben eine grössere Platte, die wenn sie den darunterliegenden Schnee mitreisst dann eine Lawine auslöst.

möglicherweise Harschplatte

da es viel Wind hatte windverpresst.

Avalanche de plaque = Schneebrett

daher wohl irgendwo auf dem Übersetzungsweg zu "Schneeplatte" verstümmelt...

Wirklich eine tolle Grafik!

Gratulation

Naja - in der Übersichtskarte für Paris ein gleich großes Quadrat zu machen wie für den Detailausschnitt, ist graphisch jetzt nicht so glücklich... ;o)

Die Maudit-Flanke ist diese hier:

http://www.retrofutur.org/retrofutu... image_orig

Die im Bild gespurte Route (Mai 2011) ist wohl auch jene, die die Verunglückten genommen haben.

Lt. franz. Foren hat es in den Tagen zuvor stark gewindet, die Lawine sei Triebschnee. Es wird wohl ein grosser Teil der Bergflanke abgegangen sein .... :(

Tolle Aufnahme - wie gehts da oben weiter wo die Spur scheinbar aufhört, direkt über die kleine schneebedeckte Flanke auf den Grat?

Thx :o)

Tragische Sache...

Da der Unfall gegen 6 Uhr passierte, wird es in dieser Höhe wohl keine Nassschneelawine gewesen sein. Abrechende Seracs denke ich auch nicht. Vielleicht Schneefälle der Nacht zuvor?

Die Route Réfuge Cosmiques -> Tacul Überschreitung -> Maudit Überschreitung -> Mont Blanc Gipfel ist eine sehr schöne. Leider sind dort oft sehr viel Seilschaften unterwegs, was u.U. Stress und Gefahren herbeischürt; und insbesondere (in mir) nicht diesen "magischen energetischen Frieden" aufkommen lässt.

Bilderstrecke vom letzten Jahr in völliger Ruhe:
http://www.retrofutur.org/retrofutu... 1000109570

Wundervoll!

Einerseits die Faszination das alles zu erleben, andererseits die Gefahr.
Doch von so einem Tag, zehrt man wohl sehr, sehr lange! Ich bin ja schon glücklich, wenn ich den Hausberg ersteige...ehrlich glücklich!

super,

well done!! so was von schön.

danke...

...phantastische bilder

Respekt ...

tolle Tour - super Fotos!

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