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Paris - Inmitten der Absatzkrise zieht Peugeot als erster der großen europäischen Autobauer die Reißleine: Der französische Konzern streicht weitere 8.000 Jobs und schließt 2014 sein Werk Aulnay bei Paris mit mehr als 3.000 Beschäftigen.
Es ist die erste Werkschließung der Branche in Frankreich seit 20 Jahren und birgt damit politischen Zündstoff. Die Regierung von Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault, teilte zwar mit, sie sehe sich die Umbaupläne von Peugeot genau an, stellte diese aber nicht infrage. Die Regierung werde sicherstellen, dass das Unternehmen die entlassenen Mitarbeiter bei der Jobsuche unterstütze, hieß es in einer Erklärung. Der Autobranche versprach die Regierung neue Hilfen. Sie sollen am 25. Juli vorgestellt werden. Die Gewerkschaft CGT warf der Regierung Untätigkeit vor.
Neuordnung unvermeidbar
Die Schwere der Krise und ihre Auswirkungen auf das Geschäft in Europa machten diese Neuordnung unvermeidbar, begründete PSA Peugeot Citroen den massiven Stellenabbau. Bereits im vergangenen Jahr strich der zweitgrößte europäische Autobauer 6.000 Arbeitsplätze und ist dabei, eine Milliarde Euro einzusparen. Für das abgelaufene, erste Halbjahr erwartet Peugeot, bei dem jüngst die Opel-Mutter General Motors mit sieben Prozent eingestiegen war, einen Nettoverlust. In der Auto-Sparte werde sich ein operativer Verlust von 700 Mio. Euro ergeben. Pro Monat verbrennt das Unternehmen nach eigenen Angaben in der Fertigung etwa 200 Mio. Euro. Ein baldiges Ende ist nicht in Sicht. "Dies ist eine Firma, der die Optionen ausgegangen sind", sagte Analyst Erich Hauser von Credit Suisse in London. "Peugeot hat den Faden verloren bei kleinen Autos, die traditionell das Spezialgebiet waren."
Im Werk Aulnay-sous-Bois arbeiten etwa 3.300 Menschen an der Produktion des Kleinwagens C3. Die Fertigung dort soll den Angaben nach ab 2014 stillstehen. Auch in Rennes fallen künftig 1400 der 5600 Jobs weg. Dort solle das Angebot der sinkenden Nachfrage nach größeren Fahrzeugen angepasst werden. Im Konzern werden zusätzlich 3.600 Beschäftigte in verschiedenen Bereichen ihren Job verlieren. "Ich bin mir des Ernstes der heutigen Ankündigungen voll bewusst", erklärte Peugeot-Chef Philippe Varin.
Geschäfte in Südeuropa laufen schlecht
Peugeot kommt bisher deutlich schlechter durch die Krise als die Konkurrenz, weil das Pariser Unternehmen vor allem in den von der Schuldenkrise besonders geplagten südeuropäischen Ländern Geschäfte macht. Dort ist die Nachfrage weggebrochen. Im ersten Halbjahr verkaufte Peugeot weltweit 13 Prozent weniger Fahrzeuge. Beim heimischen Wettbewerber Renault sank der Absatz um lediglich 3,3 Prozent, Volkswagen konnte die Verkäufe sogar um zehn Prozent steigern. Der Wolfsburger Konzern profitiert vor allem von seinem erfolgreichen Exportgeschäft nach China sowie einem robusten deutschen Markt.
Auch der neue Peugeot-Allianzpartner GM kämpft mit Verlusten im Europageschäft. Um die Kosten zu senken, wollen die Opel-Mutter und Peugeot den Einkauf bündeln und auch bei der Logistik kooperieren. 1,5 Mrd. Euro im Jahr sollen so gemeinsam eingespart werden. Das erste Fahrzeug auf Basis einer gemeinsamen Architektur wird für 2016 erwartet. Wie es mit dem Opel-Werk in Bochum weitergehen soll, ist nach derzeitigem Stand offen, langfristig dürften aber auch dort die Lichter ausgehen.
Branchenkenner schließen nicht aus, dass Peugeot mit dem Radikal-Umbau eine neue Restrukturierungswelle lostritt: Als mögliche Kandidaten werden der heimische Rivale Renault ebenso genannt wie Fiat oder eben Opel. Der Chef von Renault und dessen Partner Nissan, Carlos Ghosn, hatte schon im März gesagt, sobald ein Hersteller in Europa massiv anfange umzubauen, "werden alle anderen nachziehen müssen." Fiat-Chef Sergio Marchionne sagte unlängst, sollte sich der Markt nicht binnen 36 Monaten verbessern, "hat Fiat ein Werk zu viel". Die Lkw-Sparte von Fiat, Iveco, will bis Jahresende fünf Werke in Europa schließen, weil die Nachfrage fehlt. Die Branche kämpft in Europa seit längerem mit Überkapazitäten, die durch die Nachfrageflaute wegen der grassierenden Schuldenkrise noch verstärkt wurde. Seit 2007 ist der Markt in Europa um ein Fünftel geschrumpft.
Durchgesickerte Pläne
Die Schließung des Werks bei Paris war bereits befürchtet worden. Die Pläne sickerten zum Teil schon kurz vor den Parlamentswahlen in Frankreich im Juni durch. Das Management wollte aber auf keinen Fall vor den Wahlen damit an die Öffentlichkeit gehen. Sozialministerin Marisol Touraine bezeichnete den angekündigten Stellenabbau als "inakzeptabel". Ein von der Regierung beauftragter Experte soll sich die Pläne genau ansehen. In zwei Wochen werde das Ergebnis vorliegen. CGT-Chef Bernard Thibault bezeichnete die Pläne als "Erdbeben". Die Gewerkschaft werde nicht untätig bleiben und den Abbau nicht hinnehmen.
An der Börse reagierte die Peugeot-Aktie mit Kursgewinnen. Am Nachmittag lagen Peugeot-Aktien noch 0,5 Prozent im Plus. Am Morgen waren die Aufschläge aber noch deutlich höher - für Investoren aber wohl nur ein kleines Trostpflaster: Die Aktie hat seit Jahresbeginn gut 30 Prozent an Wert verloren.(APA, 12.7.2012)
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Der Kahlschlag wird weitergehen. In Deutschland bei Opel, und auch unser Magna wird als Zulieferer und Autobauer unter der Rezession "im Westen" leiden.
Die Jungen in prekären Arbeitsverhältnissen mit Minieinkommen werden Schwierigkeiten haben, sich eine Wohnung und ein Auto leisten und zu erhalten.
Wenn es keine reichen Chinesen und kaum Steuerzahlende "Bürger" in unseren Breiten gäbe, hätte auch Audi, BMW und Mercedes Probleme.
für die Mitarbeiter natürlich tragisch.
Aber aus wirtschaftlicher Sicht gesehen ein klarer Schritt und Schnitt.
In Österreich würde ein Unternehmen jahrelang herumwurschteln um die Mitarbeiter dann in eine Tochtergesellschaft auszulagern. ob das auf lange Sicht besser ist...
ernsthafte probleme gibts erst seit der krise 2008/9, wobei im vorjahr sogar noch gewinne geschrieben wurden. problematisch wars sonst in den späten 70ern bis frühen 80er jahren, aber die letzten 25 jahre ist das geschäft in summe gut gelaufen, mit mehrheitlich weit positiven ergebnissen.
das hauptproblem ist die ertragsschwäche und die starke abhängigkeit vom europäischen markt.
Die Autos sind schon lange wettbewerbsfähig. Da wo PSA stark vertreten ist, sind die Marktanteile ja hoch (Europa). Schwächen sind in Nordamerika und Asien zu suchen. Man hat sich zu lange auf Europa konzentriert und China lange Zeit nicht wirklich ernst genommen.
Obendrein produzieren sie noch viel zu viel im teuren Frankreich. Da ist Renault besser aufgestellt.
1) konkurrenzfähigkeit: modelle die in manchen jahren die meistverkauften autos europas (205, 206..) waren und bei den führenden bei der entwicklung von dieselmotoren (die ua auch an den bmw konzern geliefert wurden). common rail ca. 10 jahre vor vw. psa ist zweitgrößter in europa geworden und war wie schon gesagt meistens profitabel. nur die kosten und der europaschwerpunkt belasten die konkurrenzfähigkeit.
2) auch das mit der qualität ist eine mär. lesen sie mal zu den rezenten qualitätsproblemen von mercedes.
die probleme von psa habe ich ihnen schon dargelegt. informieren, anstatt sich zurechtgebogenen klischees hinzugeben, ist nicht schwierig.
ist einer der Gründe, warum es in Frankreich bald düster werden wird.
Der Grund, warum Frkr. bis jetzt gut läuft ist der völlig anachronistische Wirtschaftsnationalismus. Die Unternehmen spielen hier aber immer weniger mit.
Frankreich (ich hab dort gelebt) ist extrem leistungs- und wettbewerbsfeindlich, mehr als italien oder spanien. Es herrscht der Glauben vor, dass es ein Recht auf Wohlstand gäbe und dieser nicht erarbeitet werden soll.
seit 16 Jahren in Frankreich, kann das aber überhaupt nicht bestätigen. Frankreich verfolgt genauso seine Interessen wie jeder andere und unternimmt alles, diese durchzusetzen. Wie alle.
Von Leistungsfeindlichkeit der Bevölkerung ist nichts zu sehen.
Das Sozialsystem kann es sich aber nicht mehr leisten.
In Frankreich gibt es weder von Steuer befreite Hauptbranchen der Wirtschaft, noch längst Verstorbene deren Pensionen noch ausbezahlt werden und auch keine Strukturhilfen, die in irgend welchen obskuren Kanälen verschwinden. Hingegen aber eine existierende Industrie und in Summe eine funktionierende Wirtschaft.
Eher kann man es mit Österreich vergleichen (frühe Pensionen, starke Arbeitnehmerschaft, Sozialpartnerschaft, starkes Sozialsystem).
Die schönsten und besten Autos. Mein 607er war ein Traum.
Aber weil Peugeot Wien unfähig ist, routinemäßige Service-Reparaturen durchzuführen ohne zu beschei**en, wurde die letzte Neuanschaffung ein Alfa. Auch ein tolles Auto.
Stammkunden verlieren weil man Händler- und Werstattnetz nicht im Griff hat ist für den Unternehmenserfolg sicher auch nicht gut...
Ich kann nur ein Detail beitragen: Ich hätte mir ohne zu zögern wieder einen 607er oder jetzt den 508er gekauft. Also die große Schüssel, an der PSA viel mehr Marge verdient als mit den kleinen.
Das hing aber leider an der Kundenorientierung der Firma, die hier ganz offiziell den großen Namen trägt. Irgendeine Werkstatt hätte ich einfach gewechselt, aber die Marke beschädigen ist ziemlich dumm...
Genau. Halbherzig ist genau das Problem. Ich hatte den 3lV6 Benziner. Ein fantastischer Motor, aber Überland 9 und in der Stadt 15l/100 bei "nur" 204PS. Der wurde dann auch aus dem Programm genommen - jetzt gibt es gar keinen großen Benziner mehr... In der Klasse keinen schönen großen Motor haben hilft gegen die Deutsche Konkurrenz nicht wirklich.
Da Hilft das ganze auflegen für die Autobranche nichts, wenn man die französischen Schüsseln nicht verkaufen kann.
Übrigens war es nicht Hollande, der verkündet hat die großen französischen Firmen särker zu besteuern. Hollande fährt Frankreich in den graben.
im vorjahr wurden 3,5 mio autos verkauft, also ist keine rede davon, dass man die autos nicht verkaufen kann. auch mercedes hatte 2009 ein absatzminus von ca. 10%.
das problem liegt weniger am produkt als an strukturellen schwächen von psa. zu klein um mit den ganz großen konkurrenzfähig sein zu können - was gemeinsam mit den sehr hohen arbeitskosten in frankreich ertragsschwäche bedeutet. wenn dann auch noch der hauptmarkt europa einbricht (von dem man noch zu stark abhängt), wirds halt eng.
im gegensatz zu opel ist psa nicht existenziell gefährdet.
Wenn der Hut brennt rennen sie mittel Wahlniederlage weg um dann, wenn schwarze den Karren mittels unbeliebter Massnahmen und auf Kosten jener Wähler die vorher rot wählten, aus den Dreck gezogen haben, sich wieder wichtig zu machen und das Gesparte zu verschleudern.
Und das Volk ist blöd genug immer wieder auf dieses Wechselspiel reinzufallen !
Ja ja. Szarkozy hat den ganzen Mist mitverursacht, zusammen mit Merkel.!
Lesen sie den Artikel nochmal. Da steht klar und deutlich, die Probleme wahren schon VOR der Wahl absehbar.
Typisch konservative reaktion von ihnen, alles was schiefgeht gleich den "Roten" unterzustellen.
Das ist ähnlich wie im Bergbau . Der wurde unrentabel und weil man die Stimmen der Bergarbeiter nicht verlieren wollte hat man das mit viel Geld gestützt.
Und heute sind z.B. die span. Bergarbeiter überrascht weil ihnen, da das Geld für Subventionen fehlt, ganz plötzlich der Boden unter den Füssen weggezogen wird.
Daran sind alle Politiker und die gesamte Gesellschaft schuld. Aber Schuldzuweisung ist eben nicht die Lösung. Die wird´s wegen des Stimmenfangs auch nicht freiwillig geben. Die wird durch die Verhältnisse erzwungen werden und das wird dann alles andere als angenehm sein.
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