Deutschland: Verbraucherschützer fordern Ende der Kabel-TV-Verschlüsselung

2011 haben 450.000 deutsche Haushalte auf ihren Kabelanschluss verzichtet

In Deutschland wird wieder über die Verschlüsselung des Kabelfernsehens diskutiert. Wie Golem berichtet, sehen Verbraucherschützer und der deutsche Mieterbund die Grundverschlüsselung als "moderne Wegelagerei" und fordern deshalb, diese Praktik einzustellen. 

68 Prozent wünschen sich bessere Auflösung

Die Verbraucherzentrale sagt gegenüber Golem, dass es dreist sei, frei empfangbare TV-Programme erst zu verschlüsseln, um dann für die Entschlüsselung Geld zu verlangen. In Deutschland wünschen sich 68 Prozent der HDTV-Zuschauer mehr Programme mit besserer Auflösung. 2011 gab es in Deutschland fast 450.000 Haushalte, die ihren TV-Kabelanschluss aufgekündigt haben. 

Ungleichbehandlung

Auch der deutsche Bundesverband der Wohnungs- und Immobilienunternehmen fordert die Aufhebung der Verschlüsselung von Free-TV-Programmen im Kabel. Dieser würde eine Ungleichbehandlung gegenüber dem freien Empfang über Satellit darstellen. Dadurch könnte eine verbraucherfreundliche Nutzung digitaler Programme im Kabel beschleunigt werden. Auch Wohnungsunternehmen würden dadurch aktiv für einen Umstieg geworben werden. 

Versteckte Kosten

Der Mieterbund sieht das Problem vor allem in den versteckten Kosten. Die Kosten für die Entschlüsselung ist meist in den Digitalpaketen enthalten und könne vom Kunden nicht erkannt werden. 

SD-Qualität ohne Verschlüsselung

Seit 6. Juli sollen in Deutschland Free-TV-Programme in SD-Qualität nicht mehr verschlüsselt werden. Die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Medienanstalten hat entschieden, dass diese Programme digital nicht mehr verschlüsselt werden und auch ohne Zusatzkarte und Zusatzentgelte genutzt werden können. Einige Kabelnetzbetreiber, wie Unitymedia, haben die Grundverschlüsselung der privaten Free-TV-Programme bereits beendet. 

Kontrolle über Schwarzseher

Kabel Deutschland allerdings will bei Privatsendern dabei bleiben, so die Antwort auf Golems Nachfrage. Als Grund wurde der Jugend-, Signal- und Kopierschutz angegeben. Auch das Schwarzsehen könnte so besser kontrolliert werden. (iw, derStandard.at, 12.7.2012)

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