Islamisten kontrollieren gesamten Norden Malis

12. Juli 2012, 15:10

Tuareg-Rebellen verloren letzte Stadt

Bamako/Nouakchott - Islamistische Kämpfer haben die Tuareg-Rebellen im Norden Malis aus ihrem letzten Rückzugsort vertrieben. Die Rebellen der "Nationalen Bewegung für die Befreiung von Azawad" (MNLA) seien am Mittwoch aus ihrer letzten Bastion in Ansongo nördlich von Gao verjagt worden, sagte ein örtlicher Regierungsbeamter der Nachrichtenagentur AFP. Damit halten die Islamisten nun den gesamten Norden des westafrikanischen Landes unter ihrer Kontrolle.

Unterstützt von schwer bewaffneten heimkehrenden Tuareg-Söldnern, die zuvor für den langjährigen libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi gekämpft hatten, hatten die Tuareg im Jänner in Nordmali einen Aufstand gestartet. Dabei hatten sie rasch die schlecht organisierte und demotivierte malische Regierungsarmee überrannt. Unzufriedene Soldaten hatten daraufhin im März gegen die Regierung von Präsident Amadou Toumani Touré geputscht. Die rebellierenden Tuareg und Islamisten nutzten das Machtvakuum nach dem Sturz des Präsidenten aus und eroberten binnen kurzer Zeit mehr als die Hälfte des Landes.

Tuareg vertrieben

Die islamistische Organisation Ansar Dine ("Verteidiger des Glaubens") und die "Bewegung für Einheit und Jihad in Westafrika" (MUJAO) kämpften offenbar zunächst an der Seite der Tuareg. Die Islamisten drängten die Tuareg jedoch in den vergangenen Wochen immer weiter zurück. Die Ideologien und Ziele beider Seiten sind unvereinbar: Während die Tuareg für einen eigenen Staat Azawad in ihrem angestammten Gebiet kämpfen, wollen die Islamisten in ganz Mali das islamische Recht, die Scharia, einführen.

Algerische Diplomaten freigelassen

Unterdessen ließen die Islamisten nach eigenen Angaben vom Donnerstag drei algerische Diplomaten frei, die sie im April bei der Eroberung der Stadt Gao als Geiseln genommen hatten. Zu möglichen Lösegeldzahlungen wollte sich ein Sprecher der MUJAO nicht äußern.

Die Islamisten zerstörten in den vergangenen Wochen mehrere zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende muslimische Heiligtümer in Timbuktu. Nach Ansicht der Islamisten verstößt die Verehrung der Heiligen gegen den Islam, der den Gläubigen gebietet, allein Allah zu verehren. Im Volksglauben der Region spielen die Heiligen aber eine wichtige Rolle als Beschützer der Stadt. Das US-Außenministerium verurteilte die Zerstörungen am Mittwoch und forderte ein "sofortiges Ende dieser zerstörerischen und unumkehrbaren Taten".

Kein Geld für Rückeroberung

Der schwachen Übergangsregierung in Bamako fehlen die Mittel, um den Norden zurückzuerobern. Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) berät seit Wochen über die Entsendung von Truppen, doch stößt sie damit sowohl in Bamako als auch beim UNO-Sicherheitsrat auf Skepsis oder Ablehnung.

Die Armeechefs von Mauretanien, Algerien, Niger und Mali sind am Mittwoch zu einem Krisentreffen in der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott zusammengekommen, um über Maßnahmen zur "Wiederherstellung der Souveränität Malis auf seinem gesamten Territorium" zu beraten. Algerien, Mauretanien, Mali und Niger hatten 2010 die Aufstellung einer gemeinsamen Truppe mit 75.000 Mann vereinbart, deren Kommando (CEMOC) seine Zentrale in Tamanrasset im Süden Algeriens hat.

Der gegenwärtige Konflikt in Mali wird nach Einschätzung von Jacques Attali, dem langjährigen Berater und Vertrauten des verstorbenen französischen Präsidenten Francois Mitterrand, für Frankreichs Sicherheit zu einem noch viel gefährlicheren Problem werden als Afghanistan. Die Sezession des Nordens mit der Bezeichnung "Azawad" könne die ganze Sahara- und Sahel-Region von Senegal und Mauretanien bis zum Tschad destabilisieren, schrieb der ehemalige Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) im Juni im Nachrichtenmagazin "L'Express". 

Der kollabierte westafrikanische Staat sei im Begriff, zum Begegnungspunkt unheilbringender Kräfte aus allen Teilen der Welt zu werden: Unkontrollierte Waffen aus Libyen, darunter zehntausend verschwundene Boden-Luft-Raketen, religiöse Extremisten, lateinamerikanische Drogendealer, die von Guinea-Bissau operierten, um nach Europa zu gelangen. Man müsse jetzt sehr schnell handeln, denn Mali könne sonst zu einer "Bastion des internationalen Terrorismus" werden, warnte Attali. (APA, 12.7.2012)

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Azawad als ein amazigh staat für die araber ist inakzeptable

"Now that Azawad has become a reality, it is clear that North Africa can no longer be "Al-Arabi," as it now includes a state that is geographically and culturally part of the Maghreb but declares itself Berber. That is a situation that is unacceptable to Arab countries."

http://www.haaretz.com/opinion/m... t-1.426801

Und wieder einmal hats niemand gesehen:

http://www.orf.at/stories/2130836/

Da wird von "Terror"-Gefahr für Europa geschwafelt

da werden AQIM und Islamisten in einen Topf geschmissen und seit Jahrzehnten existierende Transsahara-Routen zum Schreckengespenst stilisiert.

Die Kriegshetze läuft bei uns genauso billig ab, wie damals gegen den Irak und Afghanistan und die Think-Tank-Analysen sind Strategiepapiere, die seit mehr als 30 Jahren unverändert in den Schreibtischschubladen liegen, die da heißen:

"Einen Tuaregstaat werden wir nie akzeptieren."

Das routinemäßige Abfüttern der Medien gehört halt dazu.

na dann ...

werden die Amerikaner wohl die Tuaregs nicht mehr bekämpfen sondern unterstützen !?

hier wäre eine un peace enforcement truppe unbedingt nötig.

UN Peace Enforcement Truppe

wäre sicher eine gute Idee, aber leider nicht im "internationalen" Interesse.

Solange kein Erdöl in Mali raussprudelt wird der Welt egal sein.

Solange das ganze französisch/deutsche Uran

aus Arlit im Tuareg-Gebiet von Niger stammt, Frankreich aber sicher nicht.

nördlich von Gao

@redaktion
Das ist jetzt schon das zweite mal aber jetzt habt ihr sogar eine Karte daneben abgebildet! Ansongo liegt südöstlich von diesem Gao! Wenn das richtig ist was der "langjährigen Berater" da sagt solltet ihr langsam anfangen die Karte richtigrum zu halten, Kabul liegt ja auch nicht nördlich von Kunduz...

Geben Sie es auf. Wenn Frankreich sagt:

Ansongo liegt nördlich von Gao, dann liegt Ansongo nördlich von Gao.

So etwas nennt sich Deutungshoheit.

Unsere Berichterstattung fragt zuerst: "Wer hat die Deutungshoheit?"

Deutungshoheit für Mali hat Frankreich.
Deutungshoheit für Syrien hat ein Handy in London.
Deutungshoheit für Terror hat SITE Intelligence Group in den USA.

Da können Sie nicht mit so Marginalitäten wie Nord oder Süd kommen.

Internationale Berichterstattung ist Industrieware. Das wird aus EINEM Stück nach EINER Schablone gegossen. Damit niemand verwirrt wird. Da halten sich auch die Korrespondenten und Analysten dran. Da wird einfach Fließband verlangt, einfach Fließband gezahlt und auch einfach Fließband geliefert.

Am besten Sie zeichnen die Karte um.

Für Frankreich war von Anfang an klar:

"Einen Tuareg-Staat wird es nicht geben."

http://derstandard.at/133352860... anerkennen

Dazu steht für Frankreich viel zu viel auf den Spiel.

Gegen Islamisten lässt sich nun mal leichter Hetzen als gegen Tuareg. Unsere ganze Berichterstattung ist AFP und etwas anderes ist in dieser Causa aus Westafrika auch national kaum zu hören. Aber das heißt nicht, dass ich den Franzosen auch nur ein einziges Wort glaube.

Tuareg waren die Steigbügelhalter . selber schuld!

naja

die religion des friedens halt. kommt alle zu uns, bei uns gibst noch geld vom staat für eure überzeugung

hey...

..den meisten moslems ist das überhaupt nicht recht und sogar peinlich, was dort abgeht :(

ja, und das erkennt man dann an den massiven protesten entruesteter menschen, die in allen laendern der islamischen welt dagegen laufen.

Ich bin neugierig wie lange Frankreich da noch zuschaut, hoffe nicht mehr zulange, ist immerhin ureigenes Einflussgebiet. Allerdings haben sich die Islamisten auch einen guten Zeitpunkt ausgesucht, eine Zeit in der in der EU die Schuldenkirse dominiert und in den USA Wahlkampf ist, wir niemand von den Ordnungsmächten sich dort auf einen Konflikt einlassen.

"Einflussgebiet"

Na, na, na! Vergessen wir nicht, "der Westen" ist immer nur "imperialistisch" und "böse", würde man diese ganzen Leute in Frieden lassen würden die sich nicht selbst in die Steinzeit bomben, ohhh neeein, da würde sich eine blühende Hochkultur an die nächste reihen. :P

Ansongo noerdlich von Gao

Aber auf der Karte ist dann unten oben, oder wie?

"Die Tuareg schlagen zurück"
Ahnungslose Tuareg-Touristen! Mit was wollen die diese Tölpel denn zurückschlagen? Seit Jahrzehnten wird dieses Volk dominiert, ohne relevante Gegenwehr. Die Islamisten haben reiche Unterstützer und unzählige Freiwillige in unzähligen Ländern. Mit ein paar Kamelen kann man die nicht mehr vertreiben.

"Österreich wird auch von Christen regiert"
In Österreich gibt es Wahlen und keine Theokratie. Außerdem vertritt die ÖVP schon lange keine wertkonservativen Positionen mehr. Steinigungen, religiöses Recht usw. usf. finden sie hier nicht.

Der Islamismus wird Nordafrika in den Abgrund stützen und Europa Millionen islamische Flüchtlinge aufnehmen.

wer mit Ratten ins Bett geht, sollte sich nicht wundern mit Flöhen aufzuwachen.. schade um die Menschen & die eigentl. Kultur, die dort ehemals vorherschte.

Christen kontrollieren gesamt Österreich

Was solls, irgendwelche religiöse Spinner schwimmen immer gerade obenauf.

Bei uns habens das Bankenwesen, die Justiz und die Exekutive unter Kontrolle, ist auch nicht so ohne.

dieser vergleich ist lächerlich.

sie vergleichen äpfel mit selbstdichtenden schaftbolzen. da 750 zeichen zu wenig sind um auch nur einen bruchteil ihrer abstrusen behauptung auszuhebeln, werde ich erst garnicht anfangen.

Da sind mir unsere aber ERHEBLICH lieber als die dortigen.

Wievieltreichstes Land der Welt sind wir jetzt? Achtreichstes?

Jede/r darf so ziemlich machen, was er/sie will, wir dürfen so ziemlich alles essen und trinken, dürfen Musik machen und hören usw.

Darüberhinaus gelten wir in der Welt als zivilisiertes Kulturland und nicht als barbarische Dreiviertelwilde.

Der Vergleich macht sie sicher.

WENN für all das unsere rel. Spinner verantwortlich sind (und wenn sie das ganze Land kontrollieren, dann sind sie das), müsste man sie eigentlich küssen.

Allerdings ist Gobi Todic ein barbarischer Dreiviertelwilder

Er darf nichts machen und ist ein armer Kerl und sympathisiert mit der Revolution. Ein Mitleid für Gobi Todic

Und diese Christen hier

jagen, vertreiben und töten Ungläubige?

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