Vorsicht vor dem Türk-Cop

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  • Freudenfeuer bei Fenerbahce vs. Galatasaray.
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    Freudenfeuer bei Fenerbahce vs. Galatasaray.

Prügler, Trinker, Prediger: Neues aus der Welt der türkischen Polizeibeamten

Von der türkischen Polizei weiß man, dass mit ihr nicht gut Kirschen essen ist, wiewohl die freundlichen Ausnahmen die Regel bestätigen und der ausländische Gast nichts zu befürchten hat, solange er auf öffentlichen Wegen seine gesammelten Ausweispapiere stets griffbereit hat und sportlich fahrenden Polizeimobilen in Fußgängerzonen und auch sonst wo rasch zu weichen weiß.

Übergriffe der Polizei und deren anschließende Vertuschung durch Vorgesetzte sind aber spätestens seit der Verprügelung von Fevziye Cengiz zu einem öffentlichen Thema im Land geworden. Dass zwei Polizeibeamte im Sommer vergangenen Jahres die 37-jährige Frau nach einer Personenkontrolle in einer Bar auf die Wache nahmen, mit Handschellen an einen Stuhl ketteten und dann vor laufender Kamera zu ohrfeigen begannen, hat die türkische Öffentlichkeit fassungslos gemacht. (Die Nachbarschaft von Frau Cengiz in Izmir ausgenommen; die hatte verlangt, die Frau möge wegziehen, weil sie ja eine Prostituierte sei, wie die Polizisten zur Verteidigung ihrer Tat behauptet hatten.)

Die beiden Beamten, Hakan Yörük und Beyit Sezgin, wurden - nachdem die Videobänder ein halbes Jahr später doch aufgetaucht waren - bei einer Gehaltsminderung von monatlich 30 Lira (13,40 Euro) zunächst nach Istanbul versetzt, um dort im Dienste der öffentlichen Sicherheit zu wirken. Der Prozess läuft mittlerweile, die Staatsanwaltschaft verlangt fünf Jahre und neun Monate Haft wegen Körperverletzung und Überschreitung der Dienstbefugnis. Weil es die für Überraschungen immer gute türkische Justiz ist, die den Fall verhandelt, ist für das Opfer auch eine Strafe beantragt worden, und zwar eine höhere: Fevziye Cengiz soll für sechs Jahre und sechs Monate ins Gefängnis, weil sie die Beamten beleidigt und sich ihrer Festnahme widersetzt haben soll.

Die Brutalität von Polizeibeamten wird nun regelmäßig in den türkischen Medien diskutiert. Neue Fälle kommen stetig hinzu - im Vormonat waren es drei, die Schlagzeilen machten: Im Istanbuler Stadtteil Ataşehir waren drei junge Männer von Beamten geprügelt worden (angeblich, weil sie Alkohol tranken), einer der Männer ist nun auf dem rechten Auge blind. Im Stadtteil Fatih hielt die Polizei einen Mann auf, der mit seiner Familie im Auto fuhr; es kam zum Streit, gleich sieben Beamte stürzten am Ende auf den Mann und begannen ihn zu schlagen - die Polizisten sollen nun alle suspendiert sein. Beamte in Zivil mochten in einem anderen Fall im Juni nicht hören, dass sie in einer Rauchverbotszone nicht rauchen sollen; auch sie schlugen gleich zu.

Zu den schlimmsten Übergriffen in den vergangenen Jahren zählen die Fußtritte in den Bauch einer schwangeren Studentin bei einer Demonstration 2010 - die Frau warnte vergeblich die Polizisten, als sie auf den Boden geworfen und getreten wurde; sie verlor ihr Baby. Bis heute umstritten sind die Umstände, unter denen die Polizei 2004 einen Vater und seinen Sohn in Kiziltepe in der südöstlichen Provinz Mardin vor deren Haus erschossen hatte. Der zwölfjährige Uğur Kaymaz war von 13 Kugeln getroffen worden, sein Vater Ahmet von acht. Die Richter nannten die Gewaltanwendung "verhältnismäßig" - die Polizei hatte einen Hausdurchsuchungsbefehl, Vater wie Sohn sollen auf die Polizisten gefeuert haben. Medizinische Sachverständige gaben später an, der Zwölfjährige sei zu klein gewesen, um eine Kalaschnikow benutzen zu können, wie von den Polizisten behauptet. Im März dieses Jahres begann auf Klage der Familie die Verhandlung vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg.

Erst draufhauen und, falls nötig, dann Fragen stellen ist entsprechend auch der Stil des türkischen Fernsehpolizisten. Weil in türkischen Fernsehserien aber gern dick aufgetragen wird, sind die Türk-TV-Cops mitunter recht libertäre Gesellen. Trinken, rauchen, rasieren sich nicht ordentlich, sind dem weiblichen Geschlecht zugetan, gehen vermutlich nie in die Moschee. Behzat Ç. ist ein solcher Kandidat. So groß ist der Unmut über sein Treiben geworden, dass sich das türkische Parlament nun mit der populären Fernsehfigur beschäftigt.

Bülent Belen, Abgeordneter der nationalistischen MHP, richtete dieser Tage eine Anfrage an die Regierung: "Stimmen der Lebensstil und die Berufsauffassung, die in dieser Serie dargestellt werden, mit der Polizei überein? Was denken Sie über Polizeibeamte, die ständig trinken und nichteheliche Partnerschaften verherrlichen, was gegen die Familienstruktur der türkischen Muslime ist? Es gibt Szenen, die Staatsbeamte in unseren Ministerien als inkompetent und schlechte Staatsdiener zeigen. Haben Sie deswegen die Fernsehbehörde eingeschaltet? ... Wie lange halten Sie noch still, während die Serie Verhörtaktiken der Polizei zeigt, bei denen es um Folter und andere illegale Praktiken geht?"

Fragen über Fragen. Vizeregierungschef Bülent Arinç versichert, die Regierung verfolge die Angelegenheit. Die Serie sei bereits zweimal mit einer Strafe belegt worden. Familienministerin Fatma Şahin, erklärt, als Mutter sei sie gegen diese Serie: "Behzat Ç. ist ein Dynamit, das an die Grundlagen unserer türkischen Familie gelegt wird." Gut wiederum, dass es dann den Professor Doktor Remzi Findikli gibt, seines Zeichens Präsident der staatlichen Polizeiakademie am Stadtrand von Ankara und schwer in der Hand der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen. Findikli hat ein Büchlein mit Lebensweisheiten geschrieben, das 2011 auf den Markt kam und jetzt von der Tageszeitung "Milliyet" ausgegraben wurde. Darin finden sich demnach Handreichungen für den aufstrebenden Polizeibeamten wie jeden anderen Bürger der Republik:

"Mit 15 muss eine Frau entweder bei ihrem Mann sein oder unter der Erde."

"Ein Mann ohne Religion ist ein achtloser Mann ohne Gleichgewicht."

"Honig kommt von den Bienen, Streit von den Frauen."

"Europa ist gleichbedeutend mit Sonnenuntergang und ein dunkler Ort."

"Halte an deiner Religion fest, damit sie wissen, von welcher Nation du stammst." (Markus Bey, derStandard.at, 11.7.2012)

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      Markus Bernath

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Ich muss da eine Lanze für die Serie Behzat C brechen. Als Türkischlernender ist sie mir vor einer Freundin aus Ankara empfohlen worden. Die Charaktere sind ambivalent, mit allerlei persönlichen Mackeln behaftet, dass man sich in den einen oder anderen leicht wiederfinden kann, die kulturellen Eigenheiten natürlich berücksichtigend.
Die Gewalt, die von den Polizeibeamten ausgeübt, wird dabei weder beschönigt, ins lächerliche gezogen, noch dämonisiert. Sie erscheint normal, wird aber kritisch hinterfragt. Der Hauptcharakter bekommt von seiner Angebeteten einen Korb, weil sie ihn beim Verprügeln eines Verdächtigen erwischt und sich an ihre eigenen Studententage erinnert, wo sie von der Polizie misshandelt wurde.

lesens den artikel einfach nocheinmal......

die serie ist ein dorn im auge der akp, weiss nicht ob sie das verstanden haben?!
keine ahnung also warum man da fuer die serie eine lanze brechen muss, oder sind sie pro-akp?

Stimmt, Lanze brechen ist wahrscheinlich der falsche Ausdruck. Mir ging's um ein bisschen Hintergrundinfo, die man hierzulande eher schwer bekommt...
...und nicht ums sich selbst Wichtigmachen wie in Ihrem Fall...

wichtig machen? gehts auch mit argumenten?

Wie schon gesagt, im Nachhinein würde ich die Einleitung von meinem Posting etwas umformulieren.

Haben's noch was konstruktives beizutragen oder geht es Ihnen nur darum mich ein bisserl blöd dastehen zu lassen?

wo habe ich sie bloed dastehen lassen bitte?
destruktiv kommen eher sie mir vor ehrlich gesagt, trotzdem iyi aksamlar.

Sie haben mir vorgeworfen, ich hätte den Text nicht verstanden und das auf eine ziemlich unfreundliche Weise - sachliche Argumentation schaut anders aus, da sie versucht, die Emotion möglichst auszuklammern. Ich habe mich dagegen verteidigt. Was soll daran destruktiv sein? Size de iyi aksamlar

keine ahnung wo die unfreundlichkeit gewesen soll,aber wenn sie das so empfinden tuts leid.

die destruktivitaet war ihre untergriffigkeit,dass ich ein wichtigmacher bin und nur sie eben bloed da(r)stellen moechte.
wenn es fuer sie beleidigend ist,wenn ich in frage stelle, ob sie den artikel verstanden haben,welcher eben schon fuer die serie eine lanze bricht, weil diese eben so wenig dem akp-bild entspricht.......

egal, sagen wir einfach missverstaendnis, ein kleines.

Ich habe mich beim Schreiben meines Postings ein bisschen von meiner sentimentalen Leidenschaft für die Serie leiten lassen und nicht davon, ob dass jetzt logisch 100% durchkomponiert ist. Mein Fehler.
AKPler bin ich keiner. Gott behüte! :))

Als Linguist habe ich mich auch etwas mit Diskursanalyse beschäftigt und schaue deswegen immer mehr, WIE etwas formuliert wird. Das WIE ist oft wichtiger als das WAS für die Dynamik einer Unterhaltung.

Aber egal. Schwamm drüber. Untergriffig möchte ich eigentlich nicht sein...

und ich bin eigentlich nur reaktiv untergriffig. viel spass beim tuerkisch lernen.....

Jeder der die Türkei kennt,

Und zwar von innen, weiß, dass die Polizei in der Türkei exakt so ist. "Türkei-bashing" mag ein Dauer- und Lieblingsthema sein in den Foren hier, aber was wahr ist, ist auch wahr.

Der artikel ist

Von A bis Z richtig. Eher vieles ausgelassen. Man überlege sich jetzt, dieser Polizei gibt man sophistizierte Geräte zum Abhören. Fertig ist die Suppe.

Ist Türkeibashing jetzt modern, oder nur versteckt ausgelebter Alltagsrassismus in den Medien?

wieso soll die darstellung der türkischen polizei und ihrer praxis türkei-bashing oder gar alltagsrassismus sein? ich habe in der türkei gelebt und studiert und weiß dadurch nur zu gut vom hohen gewaltpotential ..

und der willkür der türkischen polizei. im umfeld der universität (die ja noch ein vergleichsweise ruhiger ort ist) ist es sehr oft zu unbegründeten verhaftungen und regelmässigen späteren misshandlungen gekommen. einige male sogar mit todesfolgen.
die leute wurden bei straßenkontrollen mitgenommen, beim sitzen in parks, am morgen oder in der nacht sogar aus ihren betten im studentenheim. - das ist die polizeigewalt, die sich gegen sogenannte "weiße türken richtet". "schwarze türken" werden im zweifelsfall noch mießer behandelt.

ich kann nur sagen, dass die allermeisten meiner türkischen freunde diesem artikel anschließen würden und ihn nicht als bashing auffassen würden. die polizei ist ein problem in der türkei!

öhm das sind nachrichten, keine erfundenen geschichten...

Ein logischer EU-Beitrittskandidat

Das ist eben die Türkei.

Jippie...da wird mir gleich schlecht wenn ich daran denke das unsere polizei leute mit migrationshintergrund anwirbt...

Kenn ich von der Lederergasse in Villach nicht anders

Eins auf die Fresse gehört halt dazu in der Türkei, wer mächtiger ist, hat halt das sagen.

Das sind halt noch richtige Männer, hörte ich kürzlich eine junge Dame, und nicht solche Weicheier wie wir.

"Honig kommt von den Bienen, Streit von den Frauen."

von polizeichefs die prügel und aggression tolerieren oder sogar unterstützten und sich nicht an legale rechtsstaatliche regeln halten,halte ich ja nichts aber humor hat er schon bisschen.

Und das ist genau das, warum sich viele auch immerwieder einlullen lassen.

Soll keine Anspielung sein.

lustig, dass sich ausgerechnet ein grauer wolf über einen folternden schimanski beschwert.

Naja, cop und çöp unterscheiden sich eben nur durch zwei Punkte und ein Stricherl...

"...sind dem weiblichen Geschlecht angetan."

da passt etwas nicht: j-m. zugetan sein vs. von j-m. angetan sein

sonst

passt ihrer meinung nach alles?

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