Pilgern als Familienangelegenheit

11. Juli 2012, 19:07
  • Martin Sheen beschritt den Jakobsweg - Regie führte in "Dein Weg" sein Sohn Emilio Estevez.
    foto: lunafilm

    Martin Sheen beschritt den Jakobsweg - Regie führte in "Dein Weg" sein Sohn Emilio Estevez.

Martin Sheen in "Dein Weg" seines Sohnes Emilio Estevez - und die weiteren Filmstarts der Woche im Überblick

Schuld ist wahrscheinlich der Europarat, der den Jakobsweg vor etwas mehr als zwanzig Jahren zum Kulturweg erklärt hat. Seither zieht der spanische Pilgerpfad jedes Jahr Zigtausende von Besuchern an - unter ihnen war auch der deutsche Komiker Hape Kerkeling, der mit "Ich bin dann mal weg" einen Bestseller darüber geschrieben hat.

In "Dein Weg", dem neuen Spielfilm von Emilio Estevez - mit dem Kennedy-Film "Bobby" hatte er schon mal Kompetenz in diesem Fach bewiesen -, kommt Daniel auf dem Jakobsweg ums Leben; sein Vater Tom (Martin Sheen) bricht auf, um den Leichnam nach Hause zu überführen, entscheidet sich dann aber, selbst nach Santiago de Compostela aufzubrechen.

Die fiktionale Konstruktion des Films spiegelt jene der Macher wider: Sheen ist der Vater von Estevez, und noch weitere Familienmitglieder waren in der Produktion involviert. Die private Verbundenheit löst der Film allerdings höchstens durch semidokumentarisch anmutende Bilder ein - die spirituelle Ebene (oder auch eine andere Form von Auseinandersetzung mit dem Phänomen Pilgerweg) bleibt hingegen ausgespart. Stattdessen wird die Erzählung von wiederholten Hindernissen und Begegnungen Toms mit anderen Pilgern bestimmt, die insgesamt allzu schematisch bleiben.

Außerdem startet " Woody Allen: A Documentary", ein Porträt des produktiven New Yorker Filmemachers von Robert W. Weide, das den vielen Wandlungen und Weiterentwicklungen Allens nachgeht. Nicholas Stollers US-Komödie "Fast verheiratet" ("The Five-Year Engagement") erzählt mit Jason Segel und Emily Blunt in den Hauptrollen vergnüglich verdreht von den romantischen Fallhöhen eines Paares. In "Wolfsbrüder" (Regie: Gerardo Olivares) geht es um den verbürgten Fall eines Buben, der unter Wölfen aufgewachsen ist. (kam, DER STANDARD, 12.7.2012)

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8 Postings

Warum fangen Filme mit so etwas schrecklichem an, wie dem Tod eines Kindes?
Ich mag mir das nicht ansehen....sorry, ob wohl der Film mich sonst interessieren würde.
Genaus wie der Film mit der autistischen Mutter, deren Tochter gleich am Anfang bei einem Autounfall stirbt.

Der Tod ...

ist nur die andere Seite des Lebens. Mikroskopisch betrachtet sterben wir alle 2 bis 3 Sekunden. Das ist in etwa die Dauer eines Moments, der unwiederbringlich vergeht und, so wie er war nie wieder kommen wird. Das uns das Sterben mit Trauer erfüllt ist letztlich auch mit dem Thema Abschied verknüpft, dem aber sprichwörtlich auch, wie jeder Anfang, ein Zauber inne liegt.

In diesem Sinne ...

Es geht darum mit den Schicksalsschlägen fertig zu werden.
Und da ist der Tod dafür am ehesten prädestiniert,alles andere was im Leben passiert ist verkraftbar und oberflächlich.
Durch die konfrontation mit unserer Sterblichkeit,bekommt man einen neuen blickwinkel.

interessante Auffassung

- allerdings möchte ich Sie darauf hinweisen, dass zB Schneewittchen mit der Aussetzung eines Kleinkindes beginnt. Oder lesen Sie aus ähnlichen Gründen auch keine Märchen ?

Eine Pilgerfahrt fuer den gestorbenen Sohn

Die Geschichte ist am Anfang beruehrend. Leider ist der Film semidokumentarisch geworden. Man wird ihn vielleicht nur fuer einen Dokudramafilm halten, der fuer die Touristen nach Jakoksweg zu bewerben gemeint ist.

haben sie ihn gesehen, oder schließen sie das

aus obiger kritik ?

Natuerlich habe ich ihn gesehen

Waehrend des Films hatte ich ihn stets mit einem Film von Chang Yimou's "Riding alone for Thousand of Miles" zu vergleichen; ein Film in dem ein Vater auch die Mission seines ploetzlich gestorbenen Sohns vollenden mochte. Am Ende des Films wird man sehr tief beruehrt als am Anfang des Films. Chang is ein beruehmter Regisseur von China, der auch die Olympiade in Beijing entworfen hatte. Ich gebe Changs Film A, Estevezs B.

danke für ihre ausführung.

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