Kunsthäuser - Orte der Bildung

11. Juli 2012, 18:07
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Kunstvermittlung wird immer wichtiger. Die entsprechenden Konzepte haben - etwa im Lentos, dem Nordico oder den OÖ Landesmuseen - Erfolg

 Die Kunstauskunft hält sich, wenn es ratsam ist, aber auch zurück.

Linz - "Wir sind nicht hier, um Besucherzahlen zu generieren, indem wir möglichst viele Schulklassen durch die Ausstellung schleifen", weist Dunja Schneider auf ein Missverständnis hin, das sich hartnäckig hält, " es geht vielmehr darum, Kunsthäuser als Orte der Bildung zu etablieren." In Schneiders Fall sind diese das Lentos und das Stadtmuseum Nordico, wo die 40-Jährige seit 2010 die Leitung der Kunstvermittlung innehat.

Die gebürtige Deutsche hat Kunstgeschichte, Archäologie und Buchwissenschaften studiert und sieht ihren Auftrag auch darin, das Berufsbild zu professionalisieren. Ebenso wie ihre Kollegin Sandra Kotschwar, die seit 2002 die Abteilung "Kulturvermittlung und Besucherkommunikation" an den OÖ Landesmuseen leitet. Eine Stelle, die, als die Kärntner Kunsthistorikerin sie vor zehn Jahren antrat, noch außergewöhnlich war. "Heute hat wohl jedes Kunsthaus die Notwendigkeit von professioneller Kunstvermittlung verstanden", so die 36-Jährige.

Umso irritierender ist, dass manche Institutionen ihre Teams noch immer aus Studierenden zusammenstellen. Nicht dass man Studierende um ihre Jobs bringen möchte - bloß ist Kunstvermittlung längst kein klassischer Studentenjob mehr und sollte auch entsprechend entlohnt und vertraglich abgesichert werden. Zurzeit allerdings sind Freie-Dienstnehmer-Verträge und damit verbunden prekäre Arbeitssituationen die Regel, Anstellungen für die hochqualifizierten Kunstvermittlerinnen in Kotschwars und Schneiders Teams gibt es nicht, eine Situation, die auch den jeweiligen Auftrags- und Arbeitgebern bewusst ist (Stadt Linz bzw. Land Oberösterreich), dennoch hat sich bisher nichts geändert.

Und dabei haben die Kunstvermittlerinnen nicht nur nach außen hin genug zu tun, um als gleichberechtigt zu gelten. Heißen im angelsächsischen Raum die Kunstvermittler längst "curators" und sind nicht nur sprachlich angeglichen, meinen hierzulande noch manche Kuratoren, es gehe um das Schlachten der heiligen Konzeptkuh, wenn die Kunstvermittlung ihren Platz einfordert.

Aber auch hier habe sich viel verändert, so Kotschwar, immer öfter würden Kuratoren, Museumsleitung und die Kunstvermittlung von Anfang an zusammenarbeiten. Dadurch werde es erleichtert, Vermittlungskonzepte für unterschiedliche Gruppen zu erstellen. Das Erinnerungscafé im Schlossmuseum wendet sich etwa an ältere Menschen, am Lentos gibt es Führungen u. a. in Englisch oder Tschechisch - nicht nur für Touristen, sondern auch für das sprachlernwillige österreichische Publikum.

Wonach schmecken Bilder?

Und Kinder müssen nicht länger "wie die Großen" malen, vielmehr werden Aspekte der jeweiligen Ausstellungen altersgerecht nahegebracht - das kann ein Seifenkistenworkshop samt anschließendem Rennen ebenso gut sein wie ein Workshop zum Thema "Wonach schmecken die Bilder von Sean Scully?"

Und dennoch gibt es Ausstellungen, die in bestimmten Altersgruppen als schwer zu vermitteln gelten: Lange habe sie darüber nachgedacht, ab welcher Altersgruppe man Der nackte Mann (Lentos, ab 26. 10.) anbieten könne, so Dunja Schneider, nun gibt es ab der Oberstufe u. a. Aktmalkurse. Videokunst aus Shanghai (Landesgalerie, bis 4. 9.) hat Sandra Kotschwar ob der komplexen politischen Aussagekraft nicht für die Volksschule im Programm.

Schweigen gehört aber auch in einem anderen Fall zum Wesen der Kunstvermittlung: wenn das Publikum dies explizit wünscht. Und so gibt es in der Landesgalerie die sonntägliche "Kunstauskunft". Eine Vermittlerin ist anwesend, sichtbar und auch gerne bereit, bei Bedarf ein Gespräch zu führen, ansonsten hält sie sich zurück. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 12.7.2012) 

  • "Car Culture" - Seifenkisten-Workshop im Lentos.
    foto: thomas hackl

    "Car Culture" - Seifenkisten-Workshop im Lentos.

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