Österreichs Dopingjägern fehlt weiterhin der Häuptling

Noch immer ist kein neuer Geschäftsführer der Nationalen Anti-Doping-Agentur bestellt

Wien - Der lange angekündigte personelle Neubeginn an der Spitze der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) lässt auf sich warten. Dreieinhalb Monate nach dem Rücktritt von Geschäftsführer Andreas Schwab ist die Neuausschreibung samt Hearings zwar längst erledigt. Wann der unter den rund 40 Bewerbern ausgewählte Kandidat präsentiert werden soll, ist aber nach wie vor unklar.

"Es ist noch im Werden", sagt Peter Domschitz dem Standard. Der Abteilungsleiter im Sportministerium wurde als Interimslösung als Prokurist installiert. Diesen Job dürfte er noch ein Weilchen bekleiden. Die Bestellung des neuen Geschäftsführers erfolgt nämlich durch die Nada-Generalversammlung. Einen Termin für die nächste Sitzung gibt es laut Domschitz aber noch nicht. Ob der Nachfolger von Schwab vor den Olympischen Spielen in London (ab 27. Juli) feststehen wird? Dazu sagt Domschitz nur so viel: "Möglicherweise."

Seit Ende Mai arbeitet die von Schwab am 30. März des Amtes enthobene Rechtskommission wieder. Davor hätten für knapp zwei Monate Sportler positiv getestet, aber mangels Kommission nicht sofort sanktioniert werden können. Laut Nada gab es keine positiven Tests.

Neuer Leiter des Gremiums ist Gerhard Propst. Der 52-jährige Steirer, einst Sportler in der Disziplin Ski-Ballett, arbeitet beim Verfassungsdienst des Amtes der Steiermärkischen Landesregierung und wurde zum Vorsitzenden bestellt. Das ist insofern überraschend, als Sportminister Norbert Darabos (SP) Heinz Fuhrmann, Richter im Briefbombenprozess 2000 gegen Franz Fuchs, als Leiter favorisiert hatte. "Fuhrmann hat mich selbst als Leiter vorgeschlagen", sagt Propst.

Die alte Kommission war durch einen möglicherweise illegalen Mitschnitt zu Fall gebracht worden. Der zu sechs Jahren Sperre verurteilte Exlangläufer Christian Hoffmann hatte bei seiner Dopingverhandlung ein Handy in seiner Aktentasche versteckt - und machte Teile des Mitschnitts in verschriftlichter Form öffentlich. Die Kommissionsmitglieder wurden in die Nähe von Sexismus und Inkompetenz gerückt. Die Authentizität des Protokolls wurde allerdings noch nicht bestätigt.

Die Nada wurde nach dem Skandal nicht unbedingt mit Bewerbungsschreiben für die Nachfolge in der Rechtskommission überhäuft. Propst hat sich nicht für das Amt beworben. "Ich wurde gefragt."

Die Übergangsphase gestaltete sich nicht einfach. "Wenn eine komplette Struktur abgerissen wird, ist es schwierig, eine neue aufzusetzen", sagte Propst. Altfälle wie die von Leichtathletin Susanne Pumper müssten vor weiteren Verhandlungen erst hinreichend besprochen werden. Die Einarbeitung könnte freilich umsonst gewesen sein, sollte sich der neue Geschäftsführer entschließen, die Kommission nicht weiter zu beschäftigen. Die Funktionsperiode läuft am 11. August ab. "Darüber ist noch nicht diskutiert worden", gibt Propst zu. "Das muss besprochen werden. Es ist alles nicht so einfach."

Das auch, weil Gernot Schaar, Exleiter der ehemaligen Kommission, die Nada auf Rechtsunwirksamkeit der Abberufung klagt. Die Verhandlung steigt am Freitag in Wien. "Mir ist kein triftiger Grund für die Enthebung mitgeteilt worden", sagt der Anwalt. Bekommt Schaar Recht, hat die neue Kommission ihre Existenzberechtigung verloren. Propst hat zumindest an den Urteilen der ehemaligen Kommission nichts auszusetzen. "Die fachliche Arbeit, soweit ich das beurteilen kann, ist nicht zum Anzweifeln."

Dopingtests gehen weiter

Die Arbeit der 40 Dopingkontrollore soll durch diese Querelen laut Nada aber nicht beeinträchtigt sein. Im Vorfeld der Olympischen Spiele wurden und werden verstärkt Dopingtests durchgeführt. Die 70 für London qualifizierten Sportler wurden seit 1. Dezember 2011 insgesamt fast 200 mal getestet, im Durchschnitt musste ein Athlet mit drei Besuchen der Kontrollore rechnen. (David Krutzler, DER STANDARD, 12.7.2012)

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