Bauern zeigen Interesse an Bioflächen

Verena Kainrath
11. Juli 2012, 17:36

Sechs Prozent wollen auf Bio-Landwirtschaft umsatteln. Je jünger sie sind, desto eher spielen sie mit dem Gedanken

Wien - Ein Drittel der österreichischen Bauern spielt mit dem Gedanken, auf biologische Landwirtschaft umzusatteln. Sechs Prozent der Landwirte, die bisher konventionell anbauen, wollen unter guten Förderbedingungen umsteigen. Weitere 27 Prozent könnten sich einen Wechsel eventuell vorstellen - je jünger sie sind, desto eher. Das zeigt eine neue Studie des Marktforschers Keyquest.

Antrieb für den Umstieg sei vor allem der seit Jahren stetig wachsende Markt für Bioprodukte. Geringere Abhängigkeit von Pestiziden und Düngerzukauf wie nachhaltige Bewirtschaftung ließen die Landwirte ihre Produktion ebenso überdenken. Was für sie gegen Bio spricht, sind wirtschaftliche Komponenten: eine enorme Abhängigkeit von Förderungen etwa, satte Investitionen fürs Umrüsten und der höhere Arbeitsaufwand.

Anreize für Bio gefordert

Für Rudolf Vierbauch, der als Obmann des Bauernverbands Bio Austria die Studie in Auftrag gab, ist Letzteres ein Trugschluss: Die Förderungen für Bio seien nur ein Teil der Gesamtsubventionen, das relativiere sich, sagt er. Für Investitionen gebe es in der Regel Boni.

Österreich zählt derzeit 21.600 Biobetriebe, 16 Prozent der gesamten Bauern. Machten die gut sechs Prozent Umstiegswilligen und rund die Hälfte der noch Unentschlossenen mit der Absage ans Konventionelle Ernst, würde sich der Bioflächenanteil auf fast 40 Prozent erhöhen, erhob Keyquest.

Die Bereitschaft vieler Landwirte sei da, sagt Vierbauch, entscheidend dafür sei, bei der Reform der gemeinsamen Agrarpolitik der EU entsprechende Schwerpunkte zu setzen und lenkend Richtung Bio einzugreifen. Zum einen steige in Österreich nach wie vor der Biobedarf - auch für heuer melde der Handel Zuwächse. Zum anderen bieten sich aus seiner Sicht hohe Exportchancen. Die Preise für Bio sind aber vor allem bei Milch und Fleisch stark angespannt. Und die Gastronomie hat damit nach wie vor nur sehr wenig am Hut. (Verena Kainrath, DER STANDARD, 12.7.2012)

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40 % ?! wie soll das funktionieren?!

erwähnt wurde die angespannte Situation bei Milch und Fleisch.
Genau dasselbe wird in anderen Bereichen auch eintreten, wenn noch viele weitere Bauern folgen werden.
Der Preis geht nach bei einem zu erwartenden Überangebot logischerweise nach unten.
Und nur auf Förderungen zu setzen, ist ein äusserst gewagtes Verhalten von Jungbauern.

Wenn tatsächlich 40 % bio werden, wird die höhere Prämie kaum aufrechterhalten werden können.

Zudem, was passiert, wenn die Övp aus der Regierung fliegt?!
Die Grünen sind ja schön und gut, aber eine von der Spö angeführte rot-grüne Regierung wird eine andere Stellung zu den Bauern beziehen

Bio aus Überzeugung - JA!
sonst gut durchrechnen!

Wer sich versklaven lassen möchte,

der wird Biobauer.

Komplette Abhängigkeit von Subventionen garantiert die baldige Pleite des Betriebes.
Zusätzlich können keine betriebswirtschaftlichen Entscheidungen mehr frei getroffen werden. Die totale Überwachung ist dann Faktum.

Aber wer wundert sich bei diesen Planwirtschaftern noch?

Bei größeren Biobauern habe ich den Eindruck, dass sich mit den hohen Förderungen recht gut leben lässt. Bei 80 oder 100 Hektar ist die Förderung so hoch, dass die Alibi-Mutterkühe keinen Ertrag bringen müssen.

sie ham ein bischen einblick in die Materie, dennoch

ist fraglich, ob die Förderungen in der Höhe aufrecht erhalten werden (können), wenn es zu einem Massenumstieg kommen wird.

Zusatzinfos für Sie: Kupfer wird nicht von allen Biobauern verwendet und ist auch nicht unumstritten in der Branche!
Ich bin dagegen aber diverse Obst und Weinbauern können anscheinend nicht ohne. Überlegenswert wäre zb auf diverse resistente Sorten(falls vorhanden) zu setzen (im Weinbau möglich - geschmacklich angeblich nicht).

hab einmal gelesen, dass in D in der konv. LW ca. 10mal so viel Kupfer gespritzt wird, wie bei den Biobauern (Stichwort hopfen - wenn ich mich noch recht entsinne).

Was sie nie erwähnen - biodiversität, Auswirkungen von Spritzmitteln, auf Kleinlebewesen (zb bienen).

Die Förderungen sollten gesenkt werden und irgendwann ganz wegfallen. Nicht von heute auf morgen, aber der Trend scheint eh nach unten zu gehen. Wird gerade reichen, dass jene Bauern, die vielleicht 10 oder 15 Jahren noch zur Rente haben, aber den Betrieb nicht modernisieren wollen, es noch bis zum Rentenantritt schaffen.

Mir ist klar, dass Kupfer nicht überall verwendet wird. Im Grünland, das hier in Salzburg großteils ist, schon gar nicht. Ich wollte damit nur aufzeigen, dass Biobauern mit Methoden arbeiten müssen, die 60 Jahre alt sind und heute als umweltschädlich erkannt wurden.

Spritzmittel werden selbstverständlich auch auf Auswirkungen für Bienen getesten und auch verboten, wenn es da ein Problem gibt.

ok

ich hab jetzt nicht die zeit und kann ihnen leider auch kaum links, statistiken bieten - alles weg.

nur: sie können auch beim bio nicht von einem statischem System ausgehen - bio entwickelt sich auch weiter - wenn auch für viele viel zu langsam.
ich habe den Eindruck bekommen, dass hier auch die Forschungsgelder fehlen, da hats die sog. "moderne LW" einfacher.

Auf jeden Fall ist auf den LW/Boku-Universitäten was in Bewegung - Stichwort Masterstudiengang Biolw.

Das klingt nicht gut. Masterstudienlehrgang in einer Zeit, wo die Biobauern gerade weglaufen? Hoffentlich werden da nicht viele Leute ausgebildet, die dann keinen Job haben.

Biobauern erzählen mir, dass die Richtlinien immer schwieriger und unsinniger werden. Einer der Gründe, warum viele aussteigen werden.

Es gibt ja auch die Möglichkeit bio nach dem Lebensmittelkodex zu erzeugen. Man muss also nicht unbedingt bei einem Bioverband sein. Und da gibt es etliche grössere Biobetriebe welche ihren Verband verlassen haben. Auch von dieser Seite sollten man dies betracheten dass gerade aus den Verbänden gar so viel für Bio geworben wird. Und dort die Kodexbetriebe regelrecht totgeschwiegen werden.

In einer Umgebung wo der Markt die gesamte EU ist erscheint es mir auch sinnvoller, sich an die EU-Bedingungen zu halten. Noch dazu in einem recht kleinen Land, wo die nächste Grenze nicht weit ist.

Da gibt es das schlimme Beispiel von Milchbauern in Westösterreich, die von den österreichischen Verbänden gezwungen wurden, überteuertes Biogetreide aus dem Osten Österreichs zu kaufen, obwohl Biogetreide in Bayern viel näher und billiger zu bekommen wäre.

Naja, wer da nicht sofort die Verbandsmitgliedschaft kündigt und sich das gefallen lässt, ist irgendwie selber schuld.

es ist nur ein masterstudium - die meisten werden davor den AW - Bacc. gemacht haben. Soll aber auch "Quereinsteiger" geben.

Ich denke aber, dass man sich um diese jungen Leute keine Sorgen machen wird müssen. Die werden schon ihren Weg gehen.

Eine andere Situation ist es, wenn junge Bauern den Betrieb "retten" wollen, indem sie ihn jetzt oder in den nächsten 2, 3 Jahren auf bio umstellen wollen.

Die Bioumstellung muss langfristig betrachtet werden und dabei darf keinesfalls der Schwerpunkt der Einnahmnen auf Förderungen ausgerichtet werden. Zumindest Jungbauern sollten hier sehr genau rechnen und bei einem Massenumstieg von Kollegen mit (weiterem) Preisverfall, sowie mittelfristig auch Senkung der Förderungen rechnen.

ja, da stimme ich Ihnen völlig zu. Vor allem bei der Sache mit dem Rechnen und den Preisentwicklungen, wenn das viele tun.

Wie recht sie doch haben!

Kommt auf die Wirtschaftsform an. Bioackerbau mit Begrünung und guter Fruchtfolge kann ganz gut auf das was die Rindsviecher ausscheiden verzichten. Aber im Grünland sinds auf jeden Kuhfladen angewiesen. Und da wären sie wieder anstelle der Gailstellen mit Rindergülle von der Nährstoffseite her besser dran. Ein typisches Beispiel: eine mit sehr viel Wasser verdünnte Gülle ergibt eine sehr gute Weidefläche, welche auch von den Tieren gern gefressen wird. Festmist, auch wenn er, wie gern behauptet wird, kompostiert wird, ist zur Düngung der Weiden ungeeignet. Und Gailstellen, also wo was ja soo natürlich und bio sein soll laut mancher Verfechter dieser Wirtschaftsform, werden nicht mal dann gefressen wenn die tiere auf solchen Flächen hungern

Kreislaufwirtschaft statt Bionische!

Was die Landwirtschaft dringend braucht ist eine neue Produktivität auf ökologischer Kreislaufbasis.

Ein bisschen weniger Gift, Verzicht auf konventionelle Dünger etc. ist auf Dauer nicht produktiv genug.

Die Landwirtschaft braucht intensives Wachstum zum Humusaufbau. Das bedeutet Einführung von Mischkulturen, Vielfalt der Pflanzenproduktion, geschlossene biogene Kreisläufe.

Nachwachsende Rohstoffe und Biomasseanbau in regionalen Kreisläufen unter Berücksichtigung des Flächenbedarfs für Nahrungsmittelanbau können richtig gemanagt so die Landwirtschaft ökologisch in Schwung bringen, Monokulturen beenden, Gesellschaften wirtschaftlich stabilisieren.

Alles klar für Bio-Schmäh und Öko-Schwindel ;-))

...unter guten Förderbedingungen...

geld abkassieren und dann in die rente ....

bitte neues fach in der schule:
gardening von der ersten stunde an:
handelskonzerne (die sowohl mitarbeiter als auch erzeuger - im und vom in- und ausland - schlechtest möglich entlohnen) sind damit aus dem rennen und planieren auch nicht die ganze welt mit ihren konsumzentren, zumindest nicht der lebensmittel(un)handel...

Volle Zustimmung!

Platzieren Sie das bitte auch möglichst oft in der Bildungsdebatte. Dort dreht sich alles um Schulformen, Wettkampf der (angeblich nicht mehr existierenden) Klassen, Bildungsstandards, PISA-ergebnisse, usw.

Die wichtigste aller Fertigkeiten - sich selbst versorgen zu können (vor allem in Krisenzeiten) wird abgeschoben in landwirtschaftliche Fachschulen. JEDE Schule soll zu Gartenbau im Unterricht verpflichtet sein!

Ich habe beobachtet, dass bio für viele Bauern vor allem eine Ausstiegshilfe. Da wird in den letzten 5-10 Jahren bis zur Rente auf Dünger verzichtet und nochmal ordentlich in den Förderungstopf gegriffen um die Zeit bis zur Rente zu überbrücken. Produziert wird da kaum etwas. Weshalb viele Betriebe die weiter Lebensmittel produzieren wollen, bei nächster Gelegenheit aus bio aussteigen.

tja und ich beobachte

dass auch "jüngere" für österr. Verhältnisse größere Bauern umgestiegen sind, die groß sind und auf ertragsmaximierung aus sind.
Klee, Hülsenfrüchte - (leguminosen - stickstoffsammler)

wenns stimmt wie mir jemand erzählt hat, durchaus mit herzeigbaren outputsteigerungen (Basis Bioertrag).

was ich nicht verstehe, wieso haben Sie ein Problem mit der Biobranche?

leben und leben lassen oder?

Ich habe kein Problem mit der Biobranche. Solange mich niemand zwingt, das überteuerte Zeug zu kaufen. Das fängt schon bei den Versuchen an, öffentliche Einrichtungen wie Kindergärten zu Biojause zu verpflichten, zahlt eh der Steuerzahler.

Die wirklich erfolgreichen Biobauern sind wenige. Die meisten, zumindest hier in Salzburg, sind Biobauern geworden, weil die Förderungen gewinkt haben und im reinen Grünlandgebiet ohnehin kaum Chemie eingesetzt wird und Handelsdünger auch nur selten.

Die Probleme für viele Bauern ergaben sich erst nach 10 Jahren ohne ordentliche Düngung. Da wird es dann knapp. Vor allem im Eiweißgehalt der Pflanzen der sich sehr negativ auf die Fruchtbarkeit der Rinder auswirkt.

dem Konsument steht frei, was er kaufen mag.

es sollte mE auch so bleiben.

Der Steuerzahler zahlt auch Zuckerförderung mit, in der einen sowie der anderen Form.

In Anbetracht der Kosten für unser Gesundheitsystem (Übergewicht) kaum nachvollziehbar.

aber bio oder nicht bio soll mE wie erwähnt freiwillig sein.

ad letztem absatz:
wo bio (noch) nicht funktioniert sollte man eben noch warten bis es "funktioniert" oder bei bewährtem bleiben.

Ja, der Zucker ist einer der letzten Monopole in der Landwirtschaft. Die haben dort immer noch sowas wie Quoten.
Aber am Ende ist auch da der Konsument, der diese Zuckerprodukte nicht kaufen muss.

Beobachter

Hat er auch beobachtet, wie die Bienen auf das ganz und gar biologisch abbaubare Beizmittel reagieren? Ist vermutlich eine Einbildung der Imker!
Hat er auch beobachtet, dass die Ausstiegswelle so stark ist, dass die Bioflächen immer mehr werden?
Hat er auch beobachtet, dass die weniger Eiweiß und Fett in der Biomilch gar nicht so blöd ist?

Die Ausstiegswelle aus bio bei den aktiven Bauern steht erst bevor. Das hängt mit den Förderungen zusammen, da können die Bauern nicht jedes Jahr aussteigen sondern müssen gewissen Zeiträume einhalten. 2013 soll, so habe ich gehört, ein Jahr sein wo viele aussteigen können und auch werden.

Biomilch hat im Geschäft häufig mehr Fettgehalt. Da Fett ein wesentlicher Geschmacksträger ist, wird damit vorgetäuscht, es wäre besser.
Erinnere mich immer wieder gerne an die Diskussion mit einem Biobauern, der mir damals erklären wollte, Bio-Joghurts wären deshalb besser, weil der Fruchtanteil höher wäre. Stimmt zwar vermutlich, aber das ist kein Hinweis auf bio ist besser, sondern nur auf den Versuch, etwas vorzutäuschen was nicht ist.

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