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1997 holte Tony Blair die britische Labour-Partei aus ihrer jahrelangen Erfolglosigkeit und bestimmte zehn Jahre lang als Premier die Geschicke seines Landes. Nun, fünf Jahre nach seinem Ausscheiden aus der Politik, kokettiert er mit dem Rücktritt vom Rücktritt.
Es soll Leute geben, die noch heute Narben tragen von Tony Blairs kompromisslosem Einsatz beim Fußball. Die sportlichen Fähigkeiten standen nicht unbedingt im Einklang mit dem Kampfwillen. "Ich war nie besonders gut im Tore-Schießen", so der ehemalige britische Premier kürzlich.
Geld für seine Partei zusammenbetteln, darin hingegen war der heute 59-Jährige stets ein Meister. Beinahe logisch also, dass Blairs erster semiöffentlicher Auftritt nach fünf Jahren Abwesenheit von der politischen Bühne im Arsenal-Stadion stieg und den leeren Labour-Kassen galt. Im Beisein des Parteichefs Ed Miliband sowie des legendären Fußballtrainers Alex Ferguson umwarb der Ex-Premier bei dem festlichen Dinner (Preis: 632 Euro) reiche Geldgeber seiner Partei.
Widerstand gegen Ex-Premier
Doch im Vorfeld störten Demonstranten die Bonhomie: Sie erinnerten an die Hunderttausenden, die im Irak ihr Leben ließen. "Wir werden ihm den Krieg niemals verzeihen", sagte Lindsey German von der Gruppe Stop the War. "Er hat nie Reue gezeigt." Tatsächlich hat Blair vor der Untersuchungskommission die britische Beteiligung am Irakkrieg uneingeschränkt verteidigt: "Ich würde die gleiche Entscheidung genau so wieder treffen."
Brutal wurde Blair daran erinnert, was einer Rückkehr in die britische Innenpolitik entgegensteht. Mag der dreifache Wahlsieger neben Miliband wie ein Champion wirken, mögen seine Memoiren im Umfeld des konservativen Premiers David Cameron Kultstatus genießen: Manche im eigenen Lager und die Medien wenden sich ab. "Man könnte meinen, ich hätte drei Wahlen verloren, statt sie zu gewinnen", beklagt sich der Gescholtene.
Bei Labour gibt es viele, denen die ideologische Reinheit der Opposition wichtiger ist als die unvermeidlichen Kompromisse jeder Regierungsarbeit. Sie neiden der Frohnatur Blair dessen Beziehung zum Volk, "die ich manchmal fast als Liebesaffäre empfand", wie Blair in seinem Erinnerungsbuch Mein Weg schrieb.
Das Unbehagen über "TB" geht weit über linke Ideologen hinaus. Seit seinem Rücktritt 2007 agiert der Ex-Premier ja nicht nur als Vermittler in Nahost, sondern hat vor allem in einer für britische Politiker unüblichen Weise Geld gemacht. Er und seine Gattin Cherie verfügen über ein stattliches, mitunter undurchsichtiges Portfolio an Immobilien und Firmen. Dazu kommen Auftritte als Redner, Beraterverträge mit der US-Investmentbank JPMorgan, dem Versicherer Zürich und Regierungen von Kasachstan und Kuwait.
Insgesamt lagen Blairs Einkünfte nach einer Berechnung der Financial Times (FT) 2011 bei rund 25 Millionen Euro. Blair kontert die Kritik: " Ich bezahle 50 Prozent Einkommensteuer. Ich werde nie zu den Superreichen gehören, daran habe ich kein Interesse."
"Ihm fehlen die Macht und das Prestige des öffentlichen Amtes", analysiert FT-Chefredakteur Lionel Barber. Die EU-Ratspräsidentschaft beispielsweise, in der Herman Van Rompuy ein Mauerblümchen-Dasein fristet? "Ich wünsche mir manchmal, ich hätte die Position angenommen", sagt Blair unverblümt, offenbar im (falschen) Glauben, Europas Regierungschefs hätten damals im Herbst 2009 tatsächlich eine entsprechende Bitte ausgesprochen. (Sebastian Borger, DER STANDARD, 12.7.2012)
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sollte man ihm doch wirklich gönnen: So vor Gericht wegen der Vorbereitungen des Irak-Krieges.
Und es wäre doch ganz anheimelnd, wenn ihn da Cherie bei der Verteidigung helfen würde.
Daß diese Figur jemals als EU-Ratspräsident überhaupt nur in Erwägung gezogen wurde, ist ja schon eine echte Schande für die EU und offenbart deren gegenwärtiges Demokratie-Defizit.
das ist erst reich. da kann man sich ziemlich viel leisten, aber eben nicht alles, das können nur superreiche.
(auf so ein booterl wie es abramowitsch und co als standesgemäß empfinden, könnte ein blair zb nicht lang genug sparen...)
aber klar, reich ist auch reich :-)
Menschen wie Blair haben es immer verstanden die Buerger zu blenden. Seine Aussagen zu Saddam ("Seine MVW koennen uns in 15 Minuten erreichen") sind legendaer, denn das hat er ja so nie gesagt.
Was er gesagt hat ist eines Anwalts wuerdig, es laeuft aber darauf hinaus, dass alle Menschen es so verstanden haben. Das war mit Absicht.
Er wollte in seiner Karriere "wenigstens einmal" einen Krieg beginnen und als Kriegsherr in die Annalen eingehen. Bescheiden war er nie, und bei Napoleon fragt auch niemand "hatte der genuegend Gruende fuer seine Kriege".
Dass man ihn vor Gericht stellt halte ich fuer wenig wahrscheinlich; allerdings darf man auch nicht die Geschichte verfaelschen und ihn als Retter des Abendlandes ruehmen.
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