Syriens historisches Erbe zwischen den Fronten

  • Die Kirche Umm al-Zinar in Homs wurde von mehreren Granaten getroffen.
    foto: adasa shab homsi

    Die Kirche Umm al-Zinar in Homs wurde von mehreren Granaten getroffen.

  • Schwere Schäden in einem historischen Stadtviertel von Homs.
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    foto: adasa shab homsi

    Schwere Schäden in einem historischen Stadtviertel von Homs.

  • Panzer der syrischen Armee queren eine archäologische Stätte.
    screenshot: youtube

    Panzer der syrischen Armee queren eine archäologische Stätte.

  • Die Zitadelle von al-Mudiq mehrfach unter schwerem Beschuss. Erste  Siedlungsspuren auf der Anhöhe stammen aus dem vierten  Jahrtausend v.Chr. .
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    foto: le patrimoine archéologique syrien en danger

    Die Zitadelle von al-Mudiq mehrfach unter schwerem Beschuss. Erste Siedlungsspuren auf der Anhöhe stammen aus dem vierten  Jahrtausend v.Chr. .

Tägliche Todesmeldungen aus Syrien lassen die Zerstörung von Gebäuden als Kollateralschaden erscheinen. Doch mit dem Verlust dutzender Kulturdenkmäler verschwinden immer öfter Spuren tausendjähriger Geschichte

Ein riesiges Loch klafft in der Decke der Kathedrale Umm al-Zinar in Homs. Mehrere Granaten sind in der Kirche, die zu den ältesten der Welt zählt, eingeschlagen. Schwarze Brandspuren auf den Mauern, dessen Ursprünge auf das erste christliche Jahrhundert zurückgehen, zeugen von dem Feuer, das folgte. Es ist bei weitem nicht das einzige Gebäude aus dem kulturellen Erbe Syriens, das Opfer des syrischen Bürgerkriegs wurde. Zu zerstören gäbe es an historisch Bedeutendendem in Syrien genug. Kaum eine Hochkultur, die hier nicht ihre Spuren hinterlassen hätte.

Sechs Weltkulturerbestätten kann der "Schmelztiegel der Zivilisationen" sein Eigen nennen. Sumerer, Aramäer, Phönizier, Hethiter, Griechen, Römer und Byzantiner hinterließen Städte, Malereien, Schätze und Traditionen. Die Umayyaden - die erste große islamische Herrscher-Dynastie - drückten dem Land ebenso ihren Stempel auf wie die Kreuzfahrer, die einige der größten Burgen in der heutigen Syrischen Arabischen Republik errichteten. Doch dieses gewaltige historische Erbe ist durch den Bürgerkrieg zwischen Rebellen und Anhängern von Staatspräsident Bashar al-Assad gefährdet.

Unabhängige Informationen über das wahre Ausmaß der Schäden sind derzeit Mangelware. Internationale Organisationen, die sich dem Schutz von archäologischen Stätten verschreiben, können derzeit nicht in Syrien arbeiten. Diese Lücke versuchen mehrere privat geführte Portale und Facebook-Seiten zu füllen. Eine detaillierte Zusammenfassung all dieser Informationen hat die britische Wissenschaftlerin Emma Cunliffe in einem 55-seitigen Bericht erstellt, der vom Global Heritage Fund veröffentlicht wurde. Syrien, sagt Cunliffe im Interview mit derStandard.at, sei dank seiner geografischen Lage "jahrtausendelang in der Mitte verschiedener Zivilisationen" gelegen, deren Spuren sich durch das trockene Klima bis heute gut erhalten haben.

Schäden durch Besatzung

Die Appelle, dieses Erbe zu schützen, bleiben jedoch meist ungehört. Cunliffe, die sich in einem mehrjährigen Projekt an der Universität Durham mit der Zerstörung archäologischer Anlagen in der Region beschäftigt, nennt in ihrem Bericht viele Ursachen für die Schäden. Besetzungen von Ausgrabungsstätten durch Teile der Armee oder bewaffnete Gruppen haben sich als besonders schädlich herausgestellt: "Die Soldaten kennen oftmals nicht die kulturelle Bedeutung des Ortes und nehmen häufig Souvenirs mit oder beschießen Ausgrabungen." Sollten die Besatzer die Anlage nicht bereits schwer beschädigt haben, erledigt oft die Gegenseite den Rest. Besetzte Gebäude, so Cunliffe, werden häufig Ziel von gegnerischen Angriffen - Rücksicht auf die historische oder kulturelle Bedeutung wird dabei keine genommen.

Anschaulich zu sehen ist das bis dato an der Hisn al-Akrad, die vielen Touristen als "Krak des Chevaliers" ein Begriff ist. Die Kreuzfahrerburg ist nicht nur die größte, sondern auch eine der am besten erhaltene ihrer Zeit. Ihre strategische Position, von der aus man an wolkenfreien Tagen problemlos in den Libanon blicken und Schmuggelrouten nach Tripolis einsehen kann, hat die Burg zu einem attraktiven Standort für Rebellen gemacht. Die Folgen sind - neben offensichtlichen Verwüstungen durch die Besatzer - Beschuss durch Maschinengewehre und Granaten.

Video: Kämpfe und Schäden rund um den Krak des Chevaliers

Schützengräben und Wohnhäuser

Knapp 100 Kilometer nördlich, im antiken Apameia, zeigen Amateuraufnahmen ein noch dramatischeres Bild. Nachdem die rund 200 Hektar große archäologische Anlage im März Opfer von Artilleriebeschuss wurde, zeigen seither syrische Truppenteile wenig Skrupel, ihre Fahrzeuge und Panzer durch die geschützten Stätten zu fahren. Kein Einzelfall, wie Cunliffe meint: "In einigen Fällen graben sogar Bulldozer Schützengräben inmitten von historisch bedeutenden Anlagen."

Video: Bombardement des antiken Apameia

 

Video: Syrische Panzer in Apameia

Neben Kämpfern bedrohen aber auch einige findige Bauherren archäologische Anlagen. Eine Kontrolle der Stätten ist in vielen Fällen schlicht zu gefährlich geworden. Das ermöglicht das ungestörte Nutzen von Ruinen als billige Steinbrüche oder Bauland. Das Problem existierte schon lange vor dem Aufstand, doch der Zusammenbruch zentraler Sicherheitsstrukturen ließ die illegale Bautätigkeit florieren. Bebauungen stellen dabei ein besonderes Problem dar: Denn sind Menschen in die illegal errichteten Häuser erst einmal eingezogen, so Cunliffe, "ist es sehr schwer, sie da wieder herauszubekommen".

Religiöser Konflikt

Selbst religiöse Orte wie Kirchen und Moscheen bleiben von der Gewalt nicht verschont. Ganz im Gegenteil: "Der Konflikt", so Cunliffe, "wird verstärkt auch auf religiöser Ebene ausgetragen. Einem Bericht aus Homs zufolge haben Kräfte der Freien Syrischen Armee bewusst die christlichen Teile der Stadt besetzt, weil die christliche Minderheit als Unterstützer Assads wahrgenommen wird."

Die Schäden, die durch diese Besatzung und den folgenden Angriff von Regierungstruppen verursacht wurden, sind enorm. Dabei geht es nicht mehr nur um die Zerstörung von Gemäuern. Mit dem Vernichten von Kirchen, Moscheen und antiken Stätten werden oftmals auch Traditionen in Mitleidenschaft gezogen. Die Bewohner müssen oft ohnmächtig Zeugen der Verwüstung ihres religiösen oder kulturellen Mittelpunkts werden. "Die meisten Syrer sind stark mit ihrem historischen Erbe verbunden", meint der Archäologe Rodrigo Martín Galán, der zusammen mit anderen Wissenschaftlern die Facebook-Gruppe "Le patrimoine archéologique syrien en danger" betreibt und viele Informationen von Syrern vor Ort bezieht. "Es ist ein Bewusstsein für Geschichte und ihre Bedeutung vorhanden", so Galán im Gespräch mit derStandard.at.

Museale Raubzüge

Dabei hat nicht nur der Konflikt in Syrien selbst Auswirkungen auf die Geschehnisse. Syrische Museen sind derzeit laufend Opfer von regelrechten Raubzügen nach antiken Schätzen. Angetrieben werden diese Beutezüge weniger durch die Gier der lokalen Bevölkerung als durch die stark steigende Nachfrage nach Artefakten außerhalb des Landes. Viele Diebstähle scheinen gut organisiert, die unterfinanzierte Antiquitäten-Behörde Syriens ist ob des Chaos und des Zusammenbruchs zentraler Sicherheitsstrukturen machtlos.

Auch archäologische Stätten wie das riesige Gelände des antiken Palmyra werden Opfer einer stetig steigenden Zahl von Diebstählen. Wenig verwunderlich, wenn man die Preise für teils winzig kleine Statuetten aus Syrien kennt. "Der Schwarzmarkt für derartige Artefakte ist riesig", sagt Cunliffe. Die Problematik kenne man bereits aus Ägypten und dem Irak. Cunliffe: "Man begreift erst langsam, was für ein großes Problem dieser Schwarzmarkt für gestohlene Artefakte weltweit darstellt. Vermutet wird, dass er finanziell mittlerweile nur mehr von der Kidnapping- und Schutzgeld-Industrie übertroffen wird." (Stefan Binder, derStandard.at, 16.7.2012)

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Salzburgs historisches Erbe

wird demokratisch zerstoert durch eine Nullarchitektur (zB Uni-park Nonntal, Imbergstr. 31 (ehem. Diakonissenkrankenhaus) ...).

und dazu kommen noch überall Schuhschachteln, wie vor der Arenbergstraße

Die UNESCO mit eigener Armee, Marine und Luftwaffen aufrüsten und sie an entsprechenden Kulturdenkmäler stationieren ist auch keine Lösung?

Weil ja Gerüchte über angebliche EX-SAS-Soldaten die Runde machen. Die Betonung liegt auf "angeblich" und "Ex-" (ja und? Touristen sind das maximal, wenn wo iranische Agenten aufgegriffen werden, behaupten die Mullah-Freunde hier im Forum ja auch immer, das sei ja ganz anders, als vom "Westen" dargestellt).

Hier ein Video von nicht nur "angeblichen" und auch nicht "Ex-" Scharfschützen des iranischen Regime, festgenommen in Syrien: http://www.youtube.com/watch?v=ZLil9cl4b_I

...freie presse, immer der wahrheit nach,

..hallo honzo, orrd(?) + (alle assad.hasser), wahrheit und die blabla+(alle.assad.juenger);

hmmm, die kommunikationswege sind noch intakt, oder? (fangfrage),hhhhhhmmhmmmm...naja

Menschen und Steine

Immer schon haben sich Aufständische in Kulturstätten zurückgezogen. So die roten Khmer, der Vietkong und jetzt die FS. Darüber hinaus ist die Zerstörung von alten Kultzentren ein Mittel des Kampfes gegen "die Seele des Feindes". Was ich hier sehe zeigt mir eher die geringe Verbundenheit heutiger Menschen zu ihrer Geschichte, den Zeugnissen der Vielfalt in Syrien. Was mir in zwei Reisen bedeutungsvoll war, war für viele Junge nur eine mögliche Quelle von kleinem Zusatzeinkomen und sie hörten erstaunt und neugierig zu, was ich ihnen zu ihren Steinen erzählte. Anders städtische, ältere Syrer in Damaskus, Aleppo oder Hama. Werden die massakrierten Steine Mahnmale für die massakrierten Menschen werden?

Wie kommen Sie auf die Idee hier auf Menschen zu treffen, deren Geschichte sich in Syrien befindet? Das hier ist der Standard und nicht ??????

Zensur

Was in diesem Forum schon wieder zensuriert wird, ist unerträglich. Österreich soll frei sein? Freie Meinungsäußerung ein Menschenrecht? Der Standard zensuriert als müsste er seine Leser vor "bösen Informationen" schützen. Metternich hätte sein Freude an dieser Forums-Zensur. Ihr solltet euch schähmen!

Sie sollten selbst ein Online-Forum machen - dort können sie (trotz "Mediendiktatur") posten, was immer sie wollen.

Söldner benutzen historische Denkmäler als Schutzschilde ...

.... so könnte die Überschrift auch lauten.

Ja, bei SANA und RT.....

Angesichts dieser Bilder und der Gräueltaten,

die an den Zivilisten verübt werden ist es verständlich, dass sich weder die EU, noch die UNO, noch die Nato oder sonst jemand findet, der dort intervenieren möchte.

Kein Öl?

«Mit Sarin, Senfgas und VX spielt man nicht auf dem Küchentisch»

Dass das syrische Regime Chemiewaffen einsetzen könnte, hält der Sicherheitspolitik-Experte Markus Kaim für unwahrscheinlich. Drohungen an die Adresse des Auslands seien ein Zeichen wachsender Nervosität.

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/n... y/12783738

assad ist noch nicht weg, die streitkräfte noch vollkommend intakt, die fsa ist ein "sammelbegriff" für verschiedenste kämpfende gruppierungen die immer mehr von radikaleren "strömungen" unterwandert wird, das regime und die fsa werden immer brutaler, nach meldungen von "verwandten" hat der assad-clan wieder die oberhand in damas, in aleppo gab es vor kurzen(ein paar tage)keine kämpfe außer in salahddine und hanano (kann ich nicht mit "links" bestätigen, da es von"bekannten" erzählt wurde). Ein sehr guter freund hat mir nur gesagt wie sehr er den "bastard" hängen sehen will, eine freundin wie wichtig "er" sei für syrien: das schaut nach bürgerkrieg aus. achja, für die sogenannten "besserwisser" im forum : meine quellen sind syrier...

...mmhhhhh, bin für/gegen assad oder doch wunder "unpartei sch?"(ist das richtig, deutsch ist nicht meine muttersprache");

die frage war: bin ich für/gegen/neutral assad....ich studiere mathematik, bin bald fertig: ich sage nur: wer lesen kann ist klar im vorteil, ein tipp: ich bin ein humanist,mmmmmmmh. die antwort steht natürlich in der fragestellung!

danke, echt danke, eine ZENSUR wäre jetzt angebracht gewesen, muss ja keiner wissen das ich ein pazifist bin, oder?????

.....euh, lieder redaktion, ich bemühe mich schon so sehr...bitte lösche:https://derstandard.at/134184507... tos.-->

Menschen sind wichtiger als Steine.

Grundsätzlich ja, aber das heißt nicht im Umkehrschluß dass die Steine unwichtig sind. Mir tut es in der Seele weh, wenn hier Kulturgüter mutwillig auf unwiederbringlich zerstört werden.

Interessant wie viele hier offenbar anderer Meinung sind.

Viel glauben aber nicht wissen,

dass die "Freien Syrischen Armee" aus Söldnern besteht die schon in anderen Ländern als "Freiheiskämpfer" Blut vergossen haben. Die Unterstützung der NATO mit Waffen und Geheimdienstinformationen macht den blutigen Konflikt erst möglich.
Aber es ist natürlich leichter auf ein Staatsoberhaupt zu zeigen von dessen Politik man keine Ahnung hat, als die größten Schweinereinen des 21. Jahrhunderts aufzudecken. Weniger Zeitung lesen und sich selbst informieren ist heutzutage leider unerlässlich!

ich würde nicht sagen weniger zeit lesen, auch wenn alle zeitungen in gewisser weise gleichgeschaltet scheinen. ich würde mich nie wieder allein auf ein medium verlassen.

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