Meinungsforschungsinstitute fälschen Umfragen

11. Juli 2012, 16:21
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Agenturbosse beschuldigen Konkurrenz und Regierung - Regierende in Bulgarien verlieren weiter Unterstützung

Sofia - In Bulgarien werden einige Meinungsforschungsinstitute verdächtigt, Umfrageergebnisse absichtlich zu fälschen und zu manipulieren. Wie die Vorsitzenden zweier führender Agenturen, Borjana Dimitrowa ("Alpha research") und Koljo Kolew ("Mediana"), gegenüber lokalen Medien erklärten, werde die sich häufende Verbreitung von "manipulierten Angaben" zu einem ernsthaften Problem.

Konkret gehe es beispielsweise um die Meinungsforscherin Mira (Miroslawa) Radewa und ihre Agentur "MBMD". Radewa hatte kürzlich eine Umfrage veröffentlicht, nach der die Mehrheit der Bevölkerung gegen die Naturschützer sei, die im vergangenen Monat gegen die Regierung protestiert hatten. Die Demonstranten, die ein umstrittenes Wald-Gesetz stoppen konnten, bezeichnete Radewa in der Studie als "verwirrte Köpfe". Kurz nach Veröffentlichung erhielt ihre Firma einen Auftrag des Bildungsministeriums, um eine Untersuchung zu Trends unter Jugendlichen durchzuführen.

"Begründete Vermutung"

Man habe die "begründete Vermutung", dass die Regierung dadurch indirekt Einfluss auf die öffentliche Meinung nehmen wolle, so Kolew und Dimitrowa. Radewa selbst wies den Vorwurf zurück, musste aber einräumen, nur die Ergebnisse einer bestimmten Region vorgestellt und die Naturschützer deshalb fälschlicherweise als "verwirrt" bezeichnet zu haben.

Unterdessen veröffentlichte die Agentur NZIOM heute eine neue Umfrage, wonach die Regierungspartei GERB (Bürger für eine europäische Entwicklung Bulgariens) weitere 4,5 Prozent ihrer Unterstützung eingebüßt hat, mit 26,6 Prozent Zustimmung aber weiterhin Spitzenreiter bleibt. Auf dem zweiten Rang liegen die oppositionellen Sozialisten mit konstanten 18 Prozent. Die neu gegründete Partei der Ex-EU-Kommissarin Meglena Kunewa, "Bulgarien der Bürger", schaffe es auf Anhieb mit 7,5 Prozent auf Platz drei. Auch die türkische Minderheitspartei muss sich mit 6,4 Prozent keine Sorgen bezüglich der Vierprozenthürde für den Einzug ins Parlament machen. Darunter bleiben derzeit die Nationalisten von "Ataka" mit 2,5 Prozent und die "alten" Volksparteien SDS und DSB mit jeweils um die 1,6 bis 1,7 Prozent.

Seit der Wende bestehen in Bulgarien immer wieder Vermutungen, dass die Meinungsforschungsinstitute insbesondere bei Wahlumfragen die Ergebnisse stark manipulieren. So wurde beispielsweise 2005 - als die Nationalisten von "Ataka" erstmals ins Parlament einzogen - bekannt, dass Meinungsforscher schon über das Ergebnis Bescheid wussten, dies aber verschwiegen, um die Unterstützung für die Nationalisten nicht zu verstärken. (APA, 11.7.2012)

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