Die Opfer der Europäischen Zentralbank

12. Juli 2012, 08:36
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Europäische Sparer sitzen in der Nullzinsfalle. Auf die jüngste Zinssenkung der Europäischen Zentralbank mussten auch Fondsgesellschaften reagieren

Europäische Sparer sitzen in der Nullzinsfalle. Auf die jüngste Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (Leitzins von 1,0 auf 0,75 Prozent, Einlagenzins von 0,25 auf 0,00 Prozent) mussten auch Fondsgesellschaften reagieren. Drei große Anbieter von Geldmarktfonds, jene Vehikel, die ähnlich einem Sparbuch sichere Renditen erwirtschaften sollen und in kurz laufende Schuldpapiere investieren, haben ihre Produkte für neue Investoren geschlossen. Blackrock, JPMorgan und Goldman Sachs lassen kein neues Kapital mehr in ihre Geldmarktfonds, andere Fondsgesellschaften könnten folgen.

Die Begründung liegt auf der Hand. Wenn neues Geld in diese Vehikel fließt, müssten diese Mittel in neue Wertpapiere mit kurzer Laufzeit investiert werden. Weil aber die Zinsen, die Banken auf Einlagen bei der EZB verdienen, nach der Entscheidung der Frankfurter Währungshüter auf 0,00 Prozent gesetzt wurden, werden auch kurzfristige Geldmarktpapiere noch weniger Rendite als bisher abwerfen, so die Fondsmanager. Bei Schuldnern guter Qualität könnte das negative Renditen bedeuten. Die Gesamtverzinsung für die Investoren in diesen Geldmarktfonds würde daher verwässert, wenn man weitere Zuflüsse in die Vehikel zulassen würde.

Doch im Hintergrund geht es noch um ein zweites Problem für diese Fonds, das auch bei gewissen Anleihenfonds in den kommenden Jahren virulent werden dürfte: die Kosten. Was bei Aktienfonds stimmt, wird bei Geldmarkt- und Anleihenfonds zur Milchmädchenrechnung. JPMorgan etwa gibt an, dass ihr Geldmarktfonds eine Bruttorendite von 0,35 Prozent hat. Investoren sehen davon nur noch 0,2 Prozent, der Rest geht für die Verwaltung des Fonds drauf. 15 Basispunkte waren nicht viel, als die kurzfristigen Zinsen bei einem, zwei oder gar noch vier Prozent standen. Aber jetzt machen die Managementkosten bereits über 40 Prozent der zu erwartenden Rendite aus.

Weitere Konsolidierung

Das Geschäftsmodell von Geldmarktfonds wird sich daher anpassen müssen. Weitere Konsolidierung ist möglich, denn größere Fonds könnten dank der Skaleneffekte die Kosten weiter drücken. Oder aber Anleger reagieren, und ziehen in den kommenden Jahren einen Teil der knapp 1,07 Billionen Euro ab, die laut Informationen der Fondsbranche in europäischen Geldmarktfonds liegen.

Davon geht offenbar auch Blackrock, oder zumindest die ETF-Tochter iShares aus. In einer aktuellen Studie glaubt der Anbieter von passiven börsengehanelten Fonds (ETFs), dass der Anleihenmarkt zu einem Zugpferd für passive Fonds werden wird. Aktuell werden knapp 302 Milliarden Dollar in diesen Produkten verwaltet, von gerade einmal 100 Mrd. Dollar im Jahr 2008. Die Vorteile von ETFs seien "die niedrigen Management-Gebühren und die hohe Transparenz". In den nächsten zehn Jahren geht Matthew Tucker, Leiter bei iShares für die Anleihenstrategien, davon aus, dass das verwaltete Vermögen von ETFs auf Anleihenindizes auf über zwei Billionen Dollar steigen wird - gerade auch wegen des Kostenarguments. (Lukas Sustala, derStandard.at, 11.7.2012)

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    Das Geschäftsmodell von Geldmarktfonds wird sich anpassen müssen.

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