EU will CO2-Reduktion trotz SUV-Booms

Bis 2020 sollte es um ein Drittel weniger Schadstoffausstoß geben, was pro Pkw und Jahr eine Ersparnis von 340 Euro bei den Treibstoffkosten bringen soll

Brüssel - Die EU-Kommission hat am Mittwoch in Brüssel Vorschläge für eine weitere CO2-Reduktion bei Pkw und Kleinlastwagen präsentiert. Bis 2020 sollte es um ein Drittel weniger Schadstoffausstoß geben, ein Minus von 27 Prozent ausgehend von 2015, sagte Klimakommissarin Connie Hedegaard.

Hedegaard erklärte, mit diesen Plänen werde nicht nur das Klima geschützt und geholfen, Verbrauchern Geld zu sparen. "Wir fördern auch die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie. Und im Ergebnis schaffen wir zahlreiche Arbeitsplätze." Nach den Berechnungen der Kommission werde durchschnittlich jeder Pkw seinem Besitzer im ersten Jahr eine Ersparnis von 340 Euro bei den Treibstoffkosten bringen. Auf die Lebenszeit eines Pkw von durchschnittlich 13 Jahren hochgerechnet belaufe sich diese Summe auf geschätzte 2.900 bis 3.800 Euro, verglichen mit der Zielvorgabe für 2015. Bei Kleintransportern werde die Ersparnis im ersten Jahr auf 400 Euro geschätzt, bei einer 13-jährigen Lebenszeit auf 3.360 bis 4.560 Euro, so die EU-Kommission.

Dass diese Ziele angesichts der SUV-schangeren Modellpalette der Autohersteller eine Herausforderung darstellen, ist Hedegaard bewusst. Sie versuchte dabei einen Vergleich mit zwei Personen herzustellen, die übergewichtig sind und abnehmen wollen. Dabei mache es einen Unterschied, ob die eine Person 90 und die andere 160 Kilogramm wiege. "Da müssen wir unterschiedliche Dinge machen, wenn wir dieselbe Gewichtsabnahme haben wollen." Die Lastenverteilung sollte daher auf Kosten der schwereren Fahrzeuge gehen. Dies sei auch im Interesse der Verbraucher.

Die Details

Nach den Vorschlägen sollen die durchschnittlichen Emissionen neuer Pkw bis 2020 auf 95 Gramm CO2/km gesenkt werden. 2011 betrug dieser Wert 135,7 Gramm, die verbindliche Zielvorgabe für 2015 liegt bei 130 Gramm. Die Emissionen von Kleintransportern sollen von 181,4 g im Jahr 2010 (aktuellste vorliegende Zahlen) auf 147 g CO2/km im Jahr 2020 verringert werden, wobei das verbindliche Ziel bei 175 g im Jahr 2017 liegt.

Die verbindlichen Zielvorgaben für 2020 sind in den bestehenden Rechtsvorschriften bereits vorgesehen, müssen aber noch umgesetzt werden. Die heute vorgeschlagenen Verordnungen beruhen auf eingehenden technischen und wirtschaftlichen Analysen durch die Kommission und legen die Modalitäten zur Erreichung der Zielvorgaben fest.

Berlakovich pocht weiter auf baldige E10-Einführung

Während in Brüssel neue CO2-Ziele ausverhandelt werden, arbeitet man in Österreich an der Einführung des Benzins E10, dass bis zu zehn Prozent Biosprit enthält. Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich (ÖVP) pocht weiter auf die Einführung des Agro-Treibstoffs. Im Herbst soll das Gemisch erstmals angeboten, dann die Tankstellen stufenweise umgestellt werden, so sein Plan.

Laut EU-Richtlinie sei Österreich verpflichtet, den Anteil der erneuerbaren Energieträger im Verkehrsbereich auf zehn Prozent zu erhöhen, erklärte Berlakovich. Das sei nur durch den Einsatz von Biokraftstoffen wie Bioethanol (E10) zu erreichen. 2011 seien fast 200.000 Tonnen Bioethanol produziert worden. Die dabei anfallenden Nebenprodukte enthalten wertvolles Eiweiß und könnten rund ein Drittel der österreichischen Soja-Futtermittelimporte substituieren.

Weil die Befürchtung besteht, dass manche Motoren E10 nicht vertragen könnten, will Berlakovich eine "Schutzsorte" für ältere Fahrzeuge anbieten. Alle Modelle, die mit E10 zurechtkommen, sollen in einer verbindlichen Liste der Autohersteller veröffentlicht werden. Laut einer aktuellen Untersuchung seien derzeit 93 Prozent des österreichischen Fuhrparks E10-tauglich, so der Landwirtschaftsminister. (APA, 11.7.2012)

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