Russland gewinnt an Arktis-Eisschmelze

11. Juli 2012, 09:52

Es ergeben sich neue Zugänge zu Rohstoffen. Russland ist in Sachen Rohstofflager laut der Zürcher Studie besonders aktiv

Zürich - Der Klimawandel hat die Arktis für die Förderung fossiler Ressourcen zugänglicher gemacht. Zugleich öffnet er bisher durch Eis blockierte Schifffahrtswege. Russland ist der größte Gewinner der neuen Situation, wie nun eine Analyse des Center for Security Studies (CSS) der ETH Zürich zeigt.

Das Arktis-Eis schmilzt: Forscher maßen im September 2011 den zweitniedrigsten Stand der Eisflächen seit 1979. Was der Fluch tief gelegener Länder sein wird, ist für Russland ein Segen. "Russland gehört zu den grossen Gewinnern der neuen Situation in der Arktis", erklärte Jonas Grätz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am CSS, am Dienstag in einer Mitteilung.

Grätz hat in der ETH-Publikation "CSS Analysen" die Konfliktpotenziale in der Region analysiert. Laut dem geologischen Dienst der USA liegen 13 Prozent des konventionell förderbaren Erdöls und 30 Prozent des Erdgases weltweit in der Arktis. Über zwei Drittel der arktischen Erdgasvorkommen werden auf russischem Gebiet vermutet.

Russland/USA-Kooperation

Darum ist Russland laut Grätz in jüngster Zeit in der Arktis besonders aktiv: Letztes Jahr kündigte Rosneft, das staatliche Erdölförderunternehmen, einen Deal mit dem US-Konzern ExxonMobil für die Erdöl- und Gasförderung in der Arktis an. Investitionen in Milliardenhöhe sollen in den nächsten Jahren in diese Projekte fließen.

Das aufbrechende Eis eröffnet Russland auch neue Handelswege, die sogenannte Nordost-Passage: Der erste russische Supertanker fuhr 2011 über die Beringstraße nach Thailand - nicht über den Suezkanal.

Noch seien die Versicherungen für die Frachter auf dem Nordweg zu teuer und es fehle an Infrastruktur für Zwischenstopps und den Verlad, schreibt Grätz. Längerfristig jedoch könnten die traditionellen Meerengen wie die Straße von Malakka vor Sumatra und der Suezkanal im internationalen Handel an Bedeutung verlieren.

Militärische Präsenz

Zwischenzeitlich baut Russland seine Handelskapazitäten und militärische Präsenz aus. "Moskau sieht die Arktis nicht nur unter energiepolitischen, sondern auch unter geopolitischen Gesichtspunkten", sagte Grätz. Sehr zum Unmut der USA, China und der EU, die freien Zugang zur Nordost-Passage fordern. Russland hingegen betrachtet diese als interne Gewässer.

Auch Norwegen, zweitgrößter Erdgas-Exporteur der Welt, sei auf neues Gas und Öl für seinen Exportmarkt angewiesen, sagte Grätz. Dabei geht es vor allem um das norwegische Archipel Spitzbergen. Durch den Spitzbergen-Vertrag von 1920 haben sämtliche 40 Unterzeichnerstaaten - darunter auch Österreich - das Anrecht, dort zu forschen und Ressourcen zu fördern.

Umstritten ist allerdings, ob sich dieses Recht auch auf den umliegenden Meeresboden erstreckt. Norwegen ist der Meinung, dass der Vertrag dort nicht gelte, stößt mit dieser Forderung jedoch selbst bei NATO-Bündnispartnern auf taube Ohren.

Sogar Spitzbergen-Vertragsländer wie China, Indien und Südkorea haben unlängst Forschungsstationen dort eingerichtet, weil sie sich damit ein größeres Mitspracherecht in der Arktis erhoffen. "Es ist, als wolle jedes Land ein Fähnchen einstecken, solange die territorialen Ansprüche noch nicht vollumfänglich geklärt sind", sagte Grätz. (APA, 11.7.2012)

kann nicht zustimmen

so ganz kann ich der studie nicht zustimmen; mag schon sein dass nach dem USGS survey in der rus. arktik die größten undiscovered resources liegen; dennoch wird offshore noch nichts gefördert, weil es einfach zu teuer ist und die technologien fehlen; na gut, mit dem prirazlomnoye feld wird wohl in absehbarer zeit in produktion gegangen. gegenwärtig bereitet der klimawander aber mehr probleme, da die der großteil onshore gefördert wird, und die infratuktur durch das tauen des permafrosts massiv beeinträchtigt wird.
ganz zu schweigen von der bevölkernug im hohen nordens russlands, deren lebensgrundlage (der häufig nomadisch lebenden völker) stark gestört wird; von der zunehmenden industrie sowie vom klimawandel.

eine sehr einseitige studie!

Derzeit liegt die Eisausdehnung in der Arktis auf bzw. knapp unter dem Niveau der bisherigen Rekordjahre 2011 und 2007: http://www.ijis.iarc.uaf.edu/en/home/s... extent.htm
http://nsidc.org/data/seaice_index/

Das Eisvolumen geht in den letzten Jahren derart rasch zurück (viel deutlicher als die Fläche, das Eis wird also dünner), dass bei einer Fortsetzung des Trends der arktische Ozean bereits in wenigen Jahren (nach der Darstellung in der zweiten Quelle bereits 2015 !!!!)komplett eisfrei wäre:

http://psc.apl.washington.edu/wordpress... e-anomaly/

http://www.thearcticinstitute.org/p/arctic-... olume.html

Ohne zügige Energiewende läuft dieser Konflikt auf Krieg zu.

Ob das nun in 2, 10 oder 20 Jahren geschieht ist nebensächlich.

Die Gier nach Öl und Gas konnte selbst in den letzten 50 Jahren nicht ohne Krieg gestillt werden. Bei steigendem Bedarf und sinkenden Ressourcen (vor allem bei konventionellem Öl bald sehr rasch) kann in Zukunft die Kriegsgefahr nur wachsen.

Wenn Kritiker einer Energiewende stets nur die Preise als Argument kennen, kann dies angesichts der drohenden Gefahren auch für den Weltfrieden nur als pervers bezeichnet werden.

Abgesehen von den Kosten für die militärische Sicherung der Quellen, welche die Kosten einer Energiewende als lächerlich klein erkennen lassen.

Wer heute noch anderes behauptet ist entweder lernresistent oder hemmungslos zynisch.

glaube nicht an einen kriegerischen konflikt in der arktis

im gegensatz zu vielen anderen großen förderregionen sind die politschen verhätlnisse in der arktis äußerst stabil; es gibt kaum territoriale differenzen; alle staaten - selbst die usa, die es nicht ratifiziert haben - agieren nach dem UNCLOS.
unabhängig davon wurde 2011 "the Agreement on Cooperation in Aeronautical and Maritime Search and Rescue in the Arctic" beschlossen, bei der sich sämtliche 8 arktische anrainerstaaten dazu verpflichtet haben, in einem notfall sich gegenseitig zu helfen, unabhängig davon in welchem territorium ein unglück geschehen ist.

ich sehe die arktischen staaten eher in enger kooperation und glaube nicht dass es zu gewalttätigen konflikten untereinander kommen wird.

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