Spindelegger-Expertengruppe für Gesamtschule

  • Die Aufteilung von Kindern auf zwei Schultypen im Alter von zehn Jahren nehme zu viel Zeit und Energie in 
Anspruch, kritisiert die Arbeitsgruppe.
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    Die Aufteilung von Kindern auf zwei Schultypen im Alter von zehn Jahren nehme zu viel Zeit und Energie in Anspruch, kritisiert die Arbeitsgruppe.

  • Vorschläge der Experten.

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Eine vom ÖVP-Parteichef initiierte Arbeitsgruppe fordert bildungspolitische Maßnahmen, die der Parteilinie widersprechen

Vor zwei Monaten hat ÖVP-Chef Michael Spindelegger mehrere Expertengruppen beauftragt, unter dem Stichwort "Unternehmen Österreich - 2025" Vorschläge für die Zukunft des Landes zu erarbeiten. Eine der Arbeitsgruppen bekam das Thema Bildung zugeteilt.

Erste Ergebnisse liegen nun vor. Die Experten - unter ihnen die frühere Bankerin und WU-Vizerektorin Regina Prehofer, Siemens-Chef Peter Löscher, Voest-Chef Wolfgang Eder, aber auch Flüchtlingshelferin Ute Bock - liefern allerdings Vorschläge, die nicht der bisherigen ÖVP-Linie entsprechen. Viele der Ideen entsprechen den Zielen des Bildungsvolksbegehrens.

Gemeinsame Schule bis 14

So spricht sich die Gruppe für eine gemeinsame Schule bis zum 14. Lebensjahr aus: "Die bisherige Fokussierung auf die Aufteilung von Kindern auf zwei Schultypen im Alter von zehn Jahren nimmt so viel Zeit und Energie auf schulischer und politischer Ebene in Anspruch, dass das eigentliche Ziel einer potenzialorientierten Leistungsdifferenzierung vernachlässigt wird", heißt es in dem Papier.

Der Kindergarten soll teilweise in Bundeskompetenz gestellt werden: "Dazu bedarf es eines bundeseinheitlichen Kindergartengesetzes mit einem Bildungsplan für den Kindergarten." Die Experten sprechen sich außerdem gegen eine Verländerung des Schulsystems aus. Gefordert wird eine "einheitliche Bundeskompetenz für alle Schulen der Sekundarstufe 1".

Grüne: "Große Überseinstimmung"

Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, ortete im Ö1-"Morgenjournal" weitgehende Gemeinsamkeiten mit den Zielen der Arbeitsgruppe: "Es ist bemerkenswert, dass die Expertinnen und Experten der ÖVP im Gegensatz zur Partei für die Ganztagsschule, das Volksbegehren, die Gesamtschule und Bundeskompetenz sind. Wenn sich die ÖVP auf dieses Papier verlassen würde, dann hätten wir große Übereinstimmung."

Die Expertengruppe fordert einen baldige Beschluss ihrer vorgeschlagenen Maßnahmen. Das Herbeiführen eines umfassenden politischen Konsenses sei zentral, die Experten fordern dazu die Einrichtung eines Bildungskonklave mit allen maßgeblichen politischen Akteuren.

Position des Parteichefs offen

Allerdings müsste davon zuerst die ÖVP selbst überzeugt werden. Bei der Präsentation der Arbeitsgruppen hatte Spindelegger jedenfalls erklärt: "Auf das Risiko, dass mir Vorschläge der Initiative nicht gefallen, lasse ich mich ein." Nachsatz: Wenn die Einführung der Gesamtschule empfohlen werde, nehme er das "zur Kenntnis".

Die ÖVP-Bundespartei dementierte am Mittwoch jedenfalls, dass es sich bei der Expertengruppe um eine Initiative der ÖVP handle.

Es sei "verfrüht und unsachlich, bevor überhaupt Endergebnisse vorliegen, Zwischenergebnisse parteipolitisch zu interpretieren", so die Vize-Rektorin der Wirtschaftsuniversität (WU), Regina Prehofer, die als Sprecherin der Initiative fungiert, in einer Aussendung. (red, derStandard.at, 11.7.2012)

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Wenn die AHS-Langform erhalten bleibt, so wie die Bürgerinnen und Bürger es wollen, O.K.

Grüne: "Große Überseinstimmung"

Sowas muss doch wirklich nicht sein....

GS Schule kann gut sein muss es aber nicht

es kommt auf die Ausprägung an.

Ad Aufwand der Trennung der Kinder. Ja der ist vorhanden. Aber intern zu differenzieren, und das wird man wohl müssen in einer GS wenn man keinen Einheitsbrei will dessen NIveau nach unten geht, macht keinen Aufwand? Und in einzelnen Fächer zu trennen, ist nicht mehr Aufwand, als gesmat zu trennen?

GS kann gut sein -das Argument des Aufwands ist aber falsch - GS gut umgesetzt in Richtung individuelle Förderung ist MEHR AUfwand. Natürlich kann man auch jetzt durch MEHR Aufwand in HS und AHS mehr fördern.

Gesamtschule: Ja Bitte!!!!

Eine Gesamtschule wäre wirklich eine Bereicherung. Funktioniert meiner Meinung nur unter folgenden Voraussetzungen:
1. Keine Privatschulen (außer Alternativschulen wie Montessori, Waldorf... und Oberstufen - Gymnasien)
2. Aufhebung der Schulsprengel (Fahrt zur jeweiligen Schule wird finanziert - sofern sie mit den Öffis bewältigt werden kann) - Eltern können sich Schule frei aussuchen,
3. LehrerInnen Ausbildung vereinheitlichen.
4. Verwaltungsebenen wie Bezirksschulräte abschaffen
5. Bewerung von LehrerInnen - Prämienmodell
6. Unterstützungspersonal

Dies wären alles Maßnahmen, die nicht viel kosten würden und sehr effektiv zur Verbesserung beitragen.

Da hätt ich ein paar Anmerkungen:

Ad 1. Warum? Ist das nicht ein bisserl undemokratisch? (Meine Kinder gehen übrigens in öffentliche Schulen.)

Ad 2. Die sind ohnehin schon ziemlich aufgeweicht -- zum Leidwesen der Gemeinden.

Ad 3. Und wer unterrichtet in der Sekundarstufe 2?

Ad 4. D'accord. Das mögen aber die Parteien nicht.

Ad 5. Es gibt Dienstbeurteilungen, für die werden allerdings keinerlei finanzielle Anreize geboten. Unter Riess-Passer wurde der Belohnungs-Topf de facto abgeschafft.

Ad 6. Ja bitte, aber nicht die überzähligen Postler. Und eventuell Schulpsychologen, die -- na ja -- keine allzu großen Persönlichkeitsdefizite haben.

So wie die Ausbildung zur Zeit ist, vorallem bei den SekII LehrerInnen, kann man genau so gut einen Chemiker oder Mathematiker... in die Klasse stellen. Fast keine pädagogische Ausbildung, keine verpflichtenden Fortbildungen, so gut wie keine Praxis während der Ausbildng...

Eine gemeinsame 2 oder 3 jährige- pädagogische Ausbildung und anschließend eine 2 - 3 jährige Spezialisierung wäre sinnvoll.

Die Ausbildung, wie sie zur Zeit ist, ist katastrophal.

Warum soll ein Gym - Unterstufen LEhrer keine päd. Ausbildung haben und ein HS - Lehrer fast kein fachliches Wissen???? Die eine Ausbildung dauert 5 JAhre, die andere nur 3? Inhalte sind komplett andere.
Das ist meiner Meinung der wichtigste Punkt.

Es waren 6 Punkte.

Und dass die Ausbildung "katastrophal" wäre, kann ich nicht bestätigen.

Weder die universitäre noch die PH-Ausbildung sind so schlecht, wie viele tun.

Das mit dem Chemiker habe ich nicht verstanden. Wenn Sie meinen, der Lehrermangel würde die Zahl der Sonderverträge in die Höhe treiben, dann bin ich Ihrer Meinung. Das ist allerdings kein Ausbildungsproblem, sondern hängt unmittelbar mit der Unattraktivität des Berufes zusammen.

ad 1: Warum genau nur diese Formen? Sehen Sie da keinen ideologischen Bias Ihrerseits hinter dieser Auflistung? Lustig jedenfalls, wenn dann bald die halbe Sekundarstufe 1 aus privaten Waldorfschulen bestehen würde, in die die bildungsaffinen Gymniasiasten flüchten...

den wichtigsten Punkt haben Sie jedenfalls vergessen: Eine rigorose Binnendifferenzierung, die auf die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Schüler eingeht, sonst haben sie - polemisch überspitzt - Unterricht für alle auf Sonderschulniveau, wie jetzt schon in vielen Brennpunktvolksschulen. Sprich: Leistungsgruppen in allen Fächern. Der Unterschied zum jetzigen System ist dann zwar nur marginal, aber wenn sich die Türschilder geändert haben, sind hoffentlich alle glücklich.

@Immanuel Cunt.:
Eine Methode der richtigen Bildung und Erziehung gibt es nicht. Deshlab finde ich, dass Eltern auch die wahl haben sollten und nicht zu einem einzigen System gezwungen werden. Ich persönlich bin gegen solche Alternativschulen.
In vieln Volksschulen gibt es schon eine sehr gute "Binnendifferenzierung". Bei Hauptschulen NMS und Gymnasien habe ich leider keine Erfahrung um mich dazu äußern zu können.

@Tino67: Unterstützungspersonal würde nur am Papier mehr kosten. Dadurch könnten Lehrer mehr Stunden in der Klasse stehen --> weniger benötigte Lehrer wenn mehr SekritärInnen eingestellt werden; weniger Kosten für Krankenkassen (die vom Staat finanziert werden) durch Psychologen, geringer Arbeitslosigkeit...

Bin grundsätzlich d´accord

nur einige Anmerkungen:
Dass das notwendige Unterstützungspersonal nicht viel kosten würde, möchte ich bestreiten, aber es wäre jedenfalls sinnvoll investiertes Geld!

Ad 1: Im katholischen Österreich leider unrealistisch, die Macht der Kirche ist leider immer noch viel zu groß! Mir würde es aber reichen, wenn keine weiteren Privatschulen dazukommen!

Ad 2: Die Vermeidung von "Brennpunkt-" bzw. "Ghettoschulen" halte ich fast für den wichtigsten Schritt! Ob aber eine freie Schulwahl dafür das geeignete Mittel ist, wage ich zu bezweifeln! Denn ein Kennzeichen der bildungsfernen Schichten ist eben, dass ihnen selbst der Aufwand eine geeignete Schule für das Kind zu suchen zu hoch ist!

Dass Österreich so katholisch wäre, sollten Sie eventuell einmal in

der Erzdiözese Wien verlautbaren. Die können das nämlich nicht erkennen.

Ad 2: Natürlich haben Sie Recht mit Ihrem Verdacht. Gerade die freie Schulwahl führt in Ländern wie Schweden, Finnland etc. zu einer starken Differenzierung nach Schulstandorten.

Dass die Finnen -- anders als wir -- Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf nicht in die Schulen nehmen (und daher auch das Sample für PISA verschönern), sollte auch nicht unerwähnt bleiben.

Im Übrigen bin ich für eine Gesamtschule, sobald die wichtigsten Fragen geklärt sind:
1. Wie werden Begabungen gefördert?
2. Woher kommt das qualifizierte Unterstützungspersonal?
3. Mit welchen Mitteln können disziplinäre Extremisten unter Kontrolle gebracht werden?

ÖVP-Expertengruppe heißt Chaos und Anarchie

Wahrscheinlich ist es der ÖVP nicht mal peinlich, wenn

sie jetzt Ausreden entwickelt, die das Ergebnis der Expertengruppe ignorieren. Zweites mögliches Szenario: In der Endfassung des Berichts werden die Findings der Einzelgremien in vorauseilendem Gehorsam sorgfältig nivelliert und zahnlos formuliert.

.... nehme er das "zur Kenntnis"

da hat er schon viel Übung und Übung macht den Meister. Der Spindelegger wird noch sehr viel "zur Kenntnis" zu nehmen haben. Diese Meisterschaft hilft allerdings weder der ÖVP und schon gar nicht der Republik Österreich.

meine güte...bildungsexperte ist ja dann eigentlich jeder, der die matura überlebt hat und dann irgendwas aus seinem leben gemacht hat, wow!

wenn diese partei nach der nächsten nr-wahl einstellig sein will...

...bitte weiter mit derartigen vorschlägen!

ja himmel! finden die denn keinen, der eine zweiseitige expertise aus dem internet zusammenstellt?

300000 euro und ich bin mir sicher, dass man auch das erwünschte ergebnis erhält.

btw: es fällt ziemlich oft der begriff "experte", ich sehe aber weit und breit keinen lauda! da ist sowieso was oberfaul...

Wenn man sich die Expertenliste ansieht (Frau Bock ausgenommen) so wird deutlich dass Bildung und Ausbildung für die ÖVP idente Begriffe sind.
Es scheitert also an den Basics...
Umso erstaunlicher ist das Paper...

Wenn man eine Expertengruppe zusammenstellt wird nie das

herauskommen was ÖVP Klientel Auffassung ist ob Bildung oder Fensterputzen ganz egal.

Warum nennt niemand den Namen des "Bildungsexperten"???? Er heißt Gerhard Krassnig und ist ein anerkannter Profi als Headhunter (Leiter des weltweit operierenden Personalberatungsunternehmens Spencer Stuart seit 2005).
Aus seiner Vitae:
Gerhard studied industrial engineering and business administration at the Technical University of Graz, where he also earned a master’s degree with distinction.
Das also reicht um ein Bildungsexperte zu sein???????
Quelle: http://www.spencerstuart.com/consultants/3695/

Welche Überraschung.

Das kommt also raus, wenn man Banker und Industrielle zum Schulsystem befragt. Das Gleiche wie bei der beruflich ebenso bildungsfernen Minister-Bankerin.

Wo kann ich mich zur Expertengruppe für die Euro-Rettung melden? Qualifikation: Habe auch eine Meinung dazu. Glaube ich.

sind es nicht eher Sie, der bildungsfern ist?

war ja bisher immer so. oevp stellt expertengruppe nach ihren vorstellungen zusammen. konsequenz bei der oevp ist immer wieder die selbe: wenn deren fundierte untersuchungen zu einem der parteiideologie widersprechenden ergebnis kommen, wird die kompetenz der (selbst sorgfaeltig ausgewaehlten) experten angezweifelt, werden sie etwas spaeter als von linken ideolgien gesteuert denunziert und wenn gras ueber die sache gewachsen ist, werden neue experten sorgfaeltig ausgewaehlt. die koimmen irgendwann wieder zu einem unangenehmen ergebnis und das spiel beginnt von vorn.

die oevp macht keine bildungspolitik sondern regionalpolitik und klientelpolitik.

das wird sich auch nicht mehr aendern.

Bekanntlich gibts in Ö. "Experten für eh olles"

Ganz egal, ob Bankdirektorin, Siemens- und VOEST-Direktor, allesamt ehrenhafte Leute, vor deren Leistungen man gern ehrfürchtig schwiege, kämen sie nicht auf die absurde Idee, kompetent über Schulfragen urteilen zu können. Frage: Wie viele internat. Untersuchungen haben sie studiert, und welche ideolog. Streuung haben sie dabei angestrebt?
Führende internat. Wissenschafter, seltsamer Weise findet sich kein Österr. darunter, kommen ÜBEREINSTIMMEND zum Schluss, dass nicht die Organisationsform das Entscheidende ist, sondern die LEHRERPERSÖNLICHKEIT.
Anders gesagt: die österr. Diskussion geht völlig am Kern vorbei! Jede Menge Geld u. Gehirnschmalz in dier Lehrerausbildung, nicht in d. Gesamtschule!
Geld für Kindergärten u. Volksschulen!!!

Die Überideologie von der herausragenden Persönlichkeit

Wer schreibt, die Strukturen ("Organisatonsformen")spielen eh keine Rolle, hat entweder keine Ahnung von der Schule oder damit will vielmehr genau diese Strukturen schützen. Und wenn die Strukturen angeblich eh keine Rolle spielen: Warum wurden sie dann bisher von der ÖVP jahrzentelang verbissenst verteidigt?????

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