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Der japanische Elektronikgigant Panasonic hat sich große Ziele gesetzt. Bis zum 100. Firmenjubiläum im Jahr 2018 will der Konzern vom Konsumelektronikanbieter zum weltweit führenden Unternehmen für grüne Innovationen in der Elektronikindustrie werden. Im Dienste dieser Vision räumt der neue Konzernchef Kazuhiro Tsuga zuerst einmal radikal im Firmenhauptquartier auf.
Mitarbeiterabbau
"Die derzeit 7.000 Angestellten in der Zentrale werden wir auf wenige hundert senken", sagte Tsuga, der seit 1. Juli offiziell den Konzern führt. Die Mitarbeiter sollen weg von den Hebeln der Macht, und näher zum Kunden. Einige werden sich sogar neue Arbeit suchen müssen, sagt Tsuga. Für Panasonic ist diese Reorganisation eine regelrechte Kulturrevolution. Bisher kam die Zentrale bei Sanierungen ungeschoren davon. Tsuga will das ändern: "Was fehlt, ist innerer Wandel, das große Hauptquartier muss zerstört werden."
Managementweisheiten infrage gestellt
Gleichzeitig stellt Tsuga die moderne Managementweisheit infrage, dass Unternehmen auf ein Kerngeschäft mit wenigen Sparten fokussieren müssen. Als großes Vorbild gilt der südkoreanische Konzern Samsung, der mit Fokus auf Handys und TV-Geräte Rekordgewinne einfährt. Tsuga glaubt nicht, dass das notwendigerweise helfen muss. Bisher habe sich Panasonic auf Flachfernseher konzentriert - und im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von 7,8 Milliarden Euro eingefahren. Zudem biete Panasonic historisch eine breitere Produktpalette an, die von Akkus über Halbleiter, Kameras und Kühlschränke bis zu Solarzellen reicht.
"Cluster von kleinen und mittleren Unternehmen"
Tsuga will den Giganten Panasonic mit seinen 78 Milliarden Euro Umsatz als "Cluster von kleinen und mittleren Unternehmen" aufstellen. Statt sich auf wenige Sparten zu konzentrieren, sollen rund 90 Geschäftseinheiten eingerichtet werden. Damit will er mittelständischen Unternehmergeist in bürokratisch denkende Manager injizieren. Das Ziel dieser Kulturrevolution ist es, das Entscheidungszentrum hin zu den Kunden zu verlagern. So sollen die Einheiten schneller Entscheidungen treffen und auf neue Markttrends reagieren können. In diesem Fall ist Samsung das Vorbild. Der hierarchisch geführte Konzern reagiert blitzschnell.
Unterstützung bei hohen Gewinnen
Tsuga verspricht, dass die Zentrale hellwach über die kleinen Einheiten wachen wird. Wer hohe Gewinne macht, dem winkt Unterstützung. Rutsche die Marge einer Einheit unter fünf Prozent, schrillen in der Zentrale die Alarmglocken. "Meine wichtigste Botschaft ist: Geht zu unseren wirklichen Kunden." Der fundamentale Umbau wird jedenfalls nicht billig: Die Kosten könnten über den veranschlagten 41 Milliarden Yen (415 Mio. Euro) liegen, kündigte Tsuga an. (Martin Kölling aus Tokio, DER STANDARD, 11.7.2012)
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