UNO äußert Folterverdacht gegen afghanischen Geheimdienst

10. Juli 2012, 20:03
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Kritik an Ermittlungen zu mutmaßlichen Vergiftungen an Schulen

Kabul - Die Vereinten Nationen haben den Verdacht geäußert, dass der afghanische Geheimdienst NDS bei Ermittlungen zu mutmaßlichen Vergiftungsfällen an Schulen Verdächtige gefoltert haben könnten. Die UN-Mission in Afghanistan (UNAMA) sei beunruhigt, dass Geständnissen durch Folter erzwungen worden sein könnten, sagte der Chef der UNAMA-Menschenrechtsabteilung, James Rodehaver, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Der UNO sei bisher kein rechtsmedizinischer Nachweis von Gift an den betroffenen Schulen bekannt.

Die afghanischen Geheimdienste hatten Anfang Juni die Festnahme von 15 Verdächtigen bekanntgegeben, darunter ein Lehrer und mehrere Schüler. Alle hätten gestanden, in die jüngsten Vergiftungsfälle verwickelt zu sein, erklärten die Behörden damals. Rodehaver kritisierte die Veröffentlichung der Geständnisse. Damit sei gegen das Recht der Betroffenen auf einen gerechten Prozess und gegen die für sie geltende Unschuldsvermutung verstoßen worden. Rodehaver forderte die zuständigen Gerichte auf, die Geständnisse für nichtig zu erklärten, sollte sich herausstellen, dass sie unter Folter zustande gekommen seien.

Innenministerium weist Vorwürfe zurück

Ein Sprecher des Innenministeriums in Kabul wies den Folterverdacht zurück. "Das ist absolut falsch. Niemand wurde gefoltert", sagte Sedik Sedikki. Vielmehr lägen neben den Geständnissen auch "Beweise" vor. Bei Vergiftungsfällen in den nördlichen Provinzen Tachar und Sar-i-Pul seien beispielsweise Pillen und ein Spray gefunden worden.

In Afghanistan gibt es regelmäßig Berichte über angebliche Vergiftungsfälle an Schulen. Seit 2008 wurden an 22 Schulen mehr als 1600 solcher Fälle gemeldet. Allerdings wurde niemals Gift nachgewiesen. Die Weltgesundheitsorganisation geht von einer eingebildeten Massenhysterie als "wahrscheinlichste Ursache" für die angeblichen Giftanschläge aus, bei denen Schüler über Übelkeit klagten und teilweise gar das Bewusstsein verloren. (APA, 10.7.2012)

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