Unterdotierte Universitäten: Teurer Sparkurs

Kommentar10. Juli 2012, 19:17
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Problemaufrisse und Reformideen zur "Bildungsmisere" gibt es wie Sand am Meer - Woran es hapert, ist die Umsetzung

Die Bedeutung der Hochschulen für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft nimmt weiter zu": Diese bahnbrechende Erkenntnis zieht Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle aus einer von ihm in Auftrag gegebenen Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts. Bösartig könnte man nun anmerken, dass im Sommer kein zusätzlicher Bedarf an heißer Luft besteht, aber das wäre dann doch ungerecht. Es ist schon sinnvoll, wenn ein Minister seine Thesen von harten Fakten untermauern lässt - und beweihräuchernd fiel die Expertise ja nicht aus.

Nur sollte die Politik den Prozess der Erkenntnisfindung allmählich abgeschlossen haben. Problemaufrisse und Reformideen zur beklagten "Bildungsmisere" gibt es wie Sand am Meer. Woran es hapert, ist die Umsetzung in die Tat. Das hängt nicht nur damit zusammen, dass die Koalitionsparteien besonders in Bildungsfragen auf gegenüberliegenden Seiten eines ideologischen Grabens stehen. SPÖ und ÖVP setzen einfach auch jene Medizin zu sparsam ein, an der kein weltanschauliches Etikett hängt: Geld.

Die eigenen Budgetzahlen widerlegen das koalitionäre Gerede von der Bildungsoffensive. À la longue stagnieren die "Zukunftsausgaben", die vielgepriesene "Hochschulmilliarde" rettet bestenfalls den Status quo. Statt vor der Wahl Steuersenkungen zu versprechen, sollte die Regierung Investitionen in die Bildung zur Priorität machen. Tut sie nichts, kommt das die Gesellschaft am teuersten. (Gerald John, DER STANDARD, 11.7.2012)

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