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vergrößern 600x400Energiebündel Sharon Jones singt sich den Soul aus dem Leib. Im Hintergrund sorgen die schneidig gekleideten Dap-Kings für rauen Funk im Arkadenhof des Wiener Rathauses.
Eine Zeitreise in die späten 1960er-Jahre von Muscle Shoals, Stax und Motown.
Wien - Sie fegte wie ein Tornado über die Bühne. Ihre geflochtenen Zöpfe und die langen Fransen ihres Kleides wirbelten herum. Sie tanzte, schrie und zappelte wie James Brown anno 1965. Doch der Schaden, den Soulsängerin Sharon Jones beim Publikum hinterließ, ist verschmerzbar: freudige Gesichter und durchgeschwitzte T-Shirts.
Am Montag, dem letzten Abend des Jazzfests Wien, zeigte die 56-Jährige im nahezu ausverkauften Arkadenhof des Rathauses, warum sie der "brightest star in the daptone soul universe" ist.
Das kleine Energiebündel im grün-gelb glitzernden Paillettenkleid zählt neben Nicole Willis und der verstorbenen Amy Winehouse zu den am hellsten leuchtenden Sternchen des zeitgenössischen Soulgenres. Ihre dunkle, rauchige Stimme verleiht ihren Songs eine Intensität, wie sie in der Blüte des Soul vor vierzig Jahren nur bei wenigen wie Mavis Staples zu finden war.
Durch Zufall entdeckt
Vergangenes Jahr veröffentlichte die in New York lebende Sängerin mit Soul Time ihr fünftes Studioalbum auf dem Indie-Soul-Label Daptone. Ähnlich wie ihr Labelkollege Charles Bradley wurde Sharon Jones vor zehn Jahren durch Zufall entdeckt. Ursprünglich als Backgroundsängerin engagiert, sprang sie für zwei Freundinnen ein, sang sämtliche Parts allein und entzückte Produzent Gabriel Roth, der fortan die meisten Songs für Sharon Jones schrieb.
Als Bassist und Bandleader der achtköpfigen Dap-Kings stand Roth alias Bosco Mann auch im Arkadenhof des Rathauses auf der Bühne und kündigte - ganz in der Tradition alter Soulrevues - nach ein paar Instrumentalnummern "Mrs Sharon Jones" an. Rotzige Stöße aus Trompete, Tenor- und Baritonsaxofon, Gitarrenlicks à la Shaft und etwas zahme Percussion begleiten die aus Augusta stammende Sängerin.
Selbst in optischer Hinsicht stehen die Dap-Kings alten Kapellen wie den Memphis Horns in nichts nach. Adrett in Anzug und Krawatte gekleidet, umrahmen sie Sharon Jones, welche von den Dapettes, zwei nicht minder stimmgewaltige Backgroundsängerinnen, unterstützt wurde.
Aretha der Zuspätgeborenen
Musste sie sich früher mit Engagements auf Hochzeiten und als Gefängniswärterin durchschlagen, gelang ihr 2002 mit "Dap Dippin'" ein respektables Debüt. Eine "Aretha Franklin der Zuspätgeborenen", schrieb ein Musikjournalist ein paar Jahre später über sie.
Statt mit Schlagstock und Handschellen ist sie im Arkadenhof des Wiener Rathauses mit Mikrofon und ordentlich viel Hüftschwung bewaffnet. Egal ob zum Motown-haften New Shoes oder zum Deep-Soul-Stück "I learned the hard way": Die quirlige Sängerin wippte, hüpfte und sauste wie ein Wirbelwind über die Bühne. Nur über die zu hell eingestellten Scheinwerfer mokierte sie sich: "The spotlight sucks".
Zwischendurch bewies sie mit spaßigen Oldschool-Tänzen noch einmal explizit ihr Talent zum Schwingen der Hüfte und Wackeln der Knie. Als Henne die "Funky Chicken" mimend oder den "Mashed Potatoe" stampfend, Sharon Jones gelingt es auch damit, das Publikum zu begeistern.
Im Gegensatz zur energiegeladenen Sharon Jones wirkten die Dap-Kings etwas müde und hüftlahm - die Folgen der Strapazen einer langen Tour vielleicht. In jedem Fall: ein erstklassiges, knapp neunzigminütiges Konzert, das nach dem Eröffnungsabend mit Charles Bradley das Jazzfest Wien wieder mit einem Daptone-Künstler ausklingen ließ. (Michael Ortner, DER STANDARD, 11.7.2012)
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nichts für ungut, aber die memphis horns sind keine "kapelle", sondern "nur" ein bläsersatz.
und die dap-kings waren nicht müde, sondern einfach cool. grooven wie sau und zucken dabei nicht einmal mit der wimper. das muss man erst einmal so bringen. außerdem ist man beim hinternwackeln neben sharon eh nur zweiter.
grandioser gig jedenfalls, sensationelle jones, band unfassbar. auch wenn bosco mann sharon jones nicht angekündigt hatte. das war binky griptite (spielt ein instrument mit sechs saiten). aber wahrscheinlich muste sich auch herr ortner stundenlang um ein getränk anstellen und konnte das aus der ferne nicht sehen.
innerhalb von 2 wochen zwei so phantastische konzerte (jones und bradley) gesehen zu haben, ist mir bisher noch nicht oft gelungen.
kleine einwände: jones (und die band) war wirklich toll, sie (oder irgendjemand anderen) mit aretha franklin zu vergleichen, halte ich trotzdem für übertrieben. und "soultime" ist eine sammlung von studio cutouts, single b-seiten etc.
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