Geplante Umweltzone in Graz wackelt

Walter Müller
10. Juli 2012, 18:46
  • Erste informelle Ergebnisse der Bürgerbefragung in Graz zeigen, dass die meisten Bürger gegen die Einführung einer Umweltzone sind.
    foto: dpa/oliver berg

    Erste informelle Ergebnisse der Bürgerbefragung in Graz zeigen, dass die meisten Bürger gegen die Einführung einer Umweltzone sind.

Erste Hinweise aus laufenden Bürgerbefragungen: Mehrheit gegen Zone - Auch Reiningshausdeal fraglich

Graz - Die in Graz noch bis Sonntag laufenden Bürgerbefragungen über die Einführung einer Umweltzone sowie den Ankauf der größten städtischen Baulandreserve, der - noch in Privathänden befindlichen - "Reininghausgründen", könnte eine Überraschung bringen: Erste informelle, im Rathaus kolportierte Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Einführung einer Umweltzone von den Grazerinnen und Grazern abgelehnt werden könnte. Es dürfte sich ein deutlicher Überhang an "Nein"-Stimmen ergeben, heißt es. Vor allem in den Randbezirken sei die Ablehnung einer Umweltzone, die unter anderem ganzjährige Fahrbeschränkungen und -verbote für alte Diesel-Pkws vorsieht, besonders hoch.

Rund 55.000 abgegebene Stimmen wurden bereits gezählt, man rechnet bis Sonntag mit insgesamt 60.000, womit das von Bürgermeister Siegfried Nagl angepeilte Limit von 45.000 Stimmen, die die Befragungen auch bindend machen, übertroffen werden wird.

Während Nagl, die Grünen und auch die lokalen Medien massiv für die Zone warben, mobilisierten die Wirtschaftskammer und die FPÖ dagegen. Die Kammer sammelte 51.000 "Gegenunterschriften".

Endergebnis am Dienstag

Bürgermeister und ÖVP-Chef Nagl, der wegen der Umweltzone massiv unter Druck seines Wirtschaftsflügels steht, könnte mit einem absehbaren "Nein" politisch zwar leben, heikler wird es für ihn, wenn auch die zweite Abstimmung, jene über das Stadtareal Reininghaus, das die Stadt um 75 Millionen Euro kaufen will, ebenso - wenn sich der Trend nicht noch umkehrt - mit einem Nein ausgeht. Hier hat Nagl erhebliches PR-Geld und Engagement eingesetzt. Er will das Areal unbedingt für die Stadt erwerben, um es für die städtische Wohnraumentwicklung zu sichern.

Im Büro des Bürgermeisters, der die Befragungen initiiert hatte, weiß man zwar von den kolportierten Zahlen, will sie aber nicht bestätigen. Es sei "unmöglich", zum jetzigen Zeitpunkt Prognosen abzugeben, das Ergebnis werde erst am kommenden Dienstag "per Knopfdruck" ermittelt. Zurzeit würden die Daten erst eingespeist.

SPÖ-Klubchef Karl-Heinz Herper weiß ebenso von den Gerüchten, die im Rathaus kursieren und hält diese für "durchaus plausibel". Sollte Nagl bei Reininghaus "durchfallen", wäre dies "ein Hammer". Herper: "So eine Watsche vor den Wahlen wäre für ihn sicher ein herber Rückschlag." (Walter Müller, DER STANDARD, 11.7.2012)

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Wenn die Internetabstimmung wirklich so anonym war, wie sie behaupten,

warum wissen sie dann, dass vor allem in den Randbezirken die Ablehnung sehr hoch war????

Ich frage mich wirklich,

wie irgendjemand nach allem, was im letzten Jahrzehnt passiert ist, immer noch glauben kann, dass die österreichische(n) Politik(er) gerade bei den Reininghausgründen sinnvoll und gewinnbringend arbeiten wird (werden).
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Warum soll es gerade dort zu keinen Korruptionsfällen kommen? Warum sollen gerade dort keine persönlichen Bereicherungen passieren? Warum sollen gerade dort keine Versorgungsposten für abgehalfterte Politiker geschaffen werden?

Wettert nicht gegen die Umweltzone!

Sie taugt jedenfalls dazu Graz zu säubern, zumindest die Bürgermeistermission wird dadurch mit hoher Wahrscheinlichkeit Anfang nächsten Jahres beendet.

wer den Bürgermeister kennt

weiß, dass das Wohl der BürgerInnen ihm sowas von wurscht ist, was den interessiert, ist seine schwarzen (Bank)Freunde zu versorgen, dieses Mal soll die Stadt ein durch Altlasten (Industriekontaminierung, Brunnen etc) nur sehr kostenintensiv erschließbares Areal kaufen, nachdem private Geschäftemacher daran verständlicherweise schon bald das Interesse verloren hatten, und damit die großteils ja sowieso schon resignierten GrazerInnen dazu auch noch ja und amen sagen, wird das Ganze auch noch mit einem Umweltmascherl versehen, als ob man in der Stadt nicht schon längst weiß, dass der BM sowieso nur das macht, was er will, solange die Opposition so jämmerlich ist

Wieso an allen Ecken Wegelagerer in Graz herumsteht

und einem "Nein-zur-Umweltzone"-Zettel in die Hand drücken, ist fraglich.
So viele rußende Drecksdiesel wie wir hier haben, einfach unglaublich!
Und die Krönung: Die Verteiler dieser Zettel sind junge Leute, denen eigentlich die Zukunft von Gesundheit und Umwelt ein Anliegen sein sollte.
Die haben offenbar nicht wirklich nachgedacht oder sind schon vom Dieselruß beeinflusst.

Semesterferien, die Studis verdingen sich wieder mal als ÖVP-Söldner. Dafür gibt es dann in einem Univiertel-Lokal wieder ein Besäufnis auf Kosten der Partei bzw. der Steuerzahlenden. Wird ja nicht zufällig sein, dass just eins der ins Kreuzfeuer der Kritik geraten Tschinbum-Etablissements von einver vorverlegten Sperrstunde verschont wurde und schon Erfahrung mit solchen Events hat. Auf eine tolle ÖVP-Pinkelparty darf man sich da im und rund ums Lokal schon freuen.

am besten wäre eine zone, in die die autos gar nicht dürfen

Geh bitte, ned no mehr depperta Poller von der Rücker in der Gegend. Diese Pinkelkegel am Sonnenfelsplatz sind ja wahrlich ein Augenschmauß und sind sicher ein Büschel Scheine darin einzementiert.

Vielleicht sind das einfach Menschen, die sich so weit über das Thema informiert haben, dass sie wissen, dass 90% des Feinstaubes aus der INdustrie kommen. Würde diese Gruppierungen, die so gerne gegen Autos hetzen, sich ernsthaft mit Feinstaub auseinander setzen, müssten sie andere Maßnahmen fordern.

es nervt

unglaublich, immer wieder den selben blödsinn lesen zu müssen. der, vor allem für kinder gefährliche feinststaub, kommt fast ausschließlich vom dieselmotor. in berlin z.b. gingen die feinststaubwerte nach einführung der umweltzone um zwei drittel zurück.
in graz hingegen raten einem die kinderärzte, einen höheren kinderwagen zu kaufen, von kreuzungen wegzubleiben oder gleich wegzuziehen.

es nervt

ja sie haben recht, es nervt wirklich, wenn man immer wieder die selben polemischen lügen wie in ihrem kommentar lesen muß.
ich will das feinstaubproblem keineswegs beschönigen und kleinreden, aber sich die fakten zurechtbiegen nach gutdünken ist ein no go.
ad berlin: woher haben sie den rückgang um 2/3, das ist doch offensichtlich frei erfunden. habe mir die mühe gemacht die daten des deutschen umweltbundesamtes zu recherchieren, der einfachheit habe ich die daten über die stationen gemittelt. dabei ergeben sich für feinstaub von 2004 bis 2011 folgende jahresmittelwerte in µg/m3: 26.4;29.3;31.7;24.8;24.4;27.4;28.6 und 26.7. einführung der umweltzone war 2008 (wert 24.4). ich kann hier nur schwer überhaupt eine reduktion erkennen.

Gscheiter wär's, sie würden den Eltern raten, daheim nicht zu tschicken, DAS ist das Hauptproblem, warum Kinder Asthma und sonstige Erkrankungen der Atemwege haben und nicht der Feinstaub! Aber a) ist das nicht politisch korrekt, denn Eltern sind prinzipiell gut und machen IMMER und grundsätzlich das Beste für ihr Kind und b) gibt es leider auch unter den Ärzten massenhaft Raucher.

Tschick - Auspuff

Rauchen ist aber eigentlich auch eine intensive Feinstaubquelle. Das perverseste für mich in dieser Hinsicht sind diese Ökotussen die sich mit ihren Kleinkindern in verrauchte Cafes hocken und dann meckern, dass es keinen Wickelraum gibt. Wahrscheinlich würden's auch im Wickelraum weiter Kette paffen damit schon die Windeln vor dem eigentlichen Einsatz schön abgeräuchert werden.

Die Umweltzone kommt um Jahrzehnte zu spät, daher

ist sie umsonst und sauteuer in der Errichtung. Die alten Stinker sind bald verschrottet, und die sparsamen Neuwagen sind Sache der Industrie. Dazu kommen neueste Erkenntnisse ...

Solche Zonenmaßnahmen sind nicht mehr zeitgemäß.
Die Reininghausgründe zur Stadtsache zu machen ist ein hohes Risiko.

Kann in beiden Punkten die Grazer verstehen, wenn sie ablehnen.
Graz wird nicht rundherum kommen, Hausbrand und Industrie zum Filtern oder auf Alternativen umzustellen.

Sie haben die Umweltzone offensichtlich nicht verstanden, es geht nicht!!!! um Dieselruß sondern um Feinstaubpartikel wie sie auch von neuesten Benzin-Direkteinspritzern erzeugt werden! Zuerst informieren, dann posten.....

Die "Umweltzone" ist zutiefst ungerecht.

Vielfahrer, die sich ohnehin alle paar Jahre einen Neuwagen zulegen, werden dafür auch noch belohnt. Es entsteht der Eindruck, dass ich mit einem neuen Auto mit gutem Gewissen herumfahren kann und mir keine Gedanken über die Notwendigkeit meiner Fahrten machen muss.

Diesel, Euro 3, 4m-Auto, 1200 kg:
dürfte bald nicht mehr fahren, verbraucht aber unter 5 l.

Diesel, Euro 5, SUV, 4,80 m-Auto, 2000 kg:
Verbrauch 10 l, also doppelt soviel, schmeißt letztendlich ABSOLUT ähnlich viel Feinstaub heraus, wie das ältere Euro 3-Auto, das ja nur die Hälfte verbraucht.

Wenn man weniger Autos in der Stadt haben will, muss man wenigstens so ehrlich sein und z.B. eine "Citymaut" einführen. Ziel muss sein, die Zahl der Autofahrten zu verringern!

..und was soll das mit den PKWs zu tun haben ?

Der Unsinn mit den vergeblichen "Zonen" ist doch in Deutschland längst entlarvt!
js

Verstehe Ihre Frage nicht.

Tut mir leid.

Die Feinstaub-Grenzwerte werden pro gefahrenem Kilometer gerechnet. Euro 4: 25mg/km, Euro 5: 5mg/km.

Der Verbrauch hat also nichts damit zu tun.

Wenn man den Punkt anspricht, sollte man CO2-Emissionen allerdings nicht mit den Partikelemissionen vergleichen...

Ich hab mal einen Vergleich VW Touareg V6 3.0 TDI Bj. 2011 gegen einen alten Passat mit ungefiltertem 1.9er TDI rausgesucht...

Passat: http://www.car-emissions.com/cars/view/20013
Tourareg: http://www.car-emissions.com/cars/view/44363

OK, die 189g CO2 (oder 7.2l auf 100 km) sind wohl etwas optimistisch, in der Praxis fährt das Schiff wohl knapp unter 10 Litern, wobei sich ein Passat sicher zwischen 5 und 6l bewegen lässt, insofern haben sie da schon recht, aber die Partikelemission (und deswegen werden Euro3-Diesel ausgesperrt) unterscheidet sich erheblich...

0.018 g/km (Passat) - 0.0006 g/km (Touareg)

Danke für die Aufklärung.

Das habe ich nicht bedacht.

Dennoch würde ich bedauern, ein gut funktionierendes, dann 11 Jahre altes Auto wegzugeben, um mir ein Neues zu kaufen. Das belastet die Umwelt auch nicht unerheblich, allerdings am Fertigungsort und dort wo die Rohstoffe herkommen (+ Transporte).
In Graz lasse ich mein Auto stehen und fahre dort mit dem Rad oder gehe zu Fuß. Mich zipft es an, dass bequeme Autofahrer ihr Fahrverhalten nicht überdenken müssen, nur weil sie ein neueres Auto fahren.

Ja... Im Punkt "ökologischer Fussabdruck" schneiden heutige Pkws wahrscheinlich kaum besser ab, allein schon, weil oft Aluminium verwendet wird, und die Produktion dessen mehr Energie verschwendet, als sich je mit dem Auto sparen lässt.

Aber da ja viele Gesetze lobbying-getrieben sind, ist es ja nicht verwunderlich, dass man den Leuten eher die gewinnbringende Option gibt, sich von ihren Sünden freizukaufen, anstatt wirklich mal konsequente Schritte zu setzen.

Und das sag ich als überzeugter Autofahrer... Ich fahr auch jeden Tag eine Stunde nach und durch Graz.

Damit ist das Wiener Volksbegehren gegen die Grün-Pickerl gestorben.

Nachdem die Grünen wiedermal sehen, dass die Bevölkerung für ihre Religion nichts übrig hat, muss man sie halt durchprügeln.

Die Grünen haben trotzdem recht, auch wenn das Volk was anderes sagt. Deswegen werden sie auch ihre "Aufklärung" verstärken ... weil wir san jo olles Deppen und verstehen das nur falsch ^^

jo, Aufklärung ist wichtig, besonder weil die ÖVP und FPÖ Standl ja sowas von ehrlich und objektiv sind.

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