Chance auf Zukunft für junge Asylwerber

  • Slowfood-Cooks in Aktion: Jugendliche Asylwerber gingen meist mit viel Ehrgeiz an die Sache, sagt Projektbetreiberin Irene Weinfurter - der ausgeweitete Lehrzugang werde ihnen helfen.
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    Slowfood-Cooks in Aktion: Jugendliche Asylwerber gingen meist mit viel Ehrgeiz an die Sache, sagt Projektbetreiberin Irene Weinfurter - der ausgeweitete Lehrzugang werde ihnen helfen.

Ein Asylverfahren kann Jahre dauern - vor allem für Jugendliche ist das verlorene Zeit. Nun steht ihnen die Lehre bis 18 Jahre offen

Wenn Irene Weinfurter aufkocht, sind die Zutaten alle aus regionaler Produktion - so, wie es der Slowfood-Philosophie entspricht. Die Rezepte sind bodenständig, aber mit internationalen Anklängen, wobei Letztere oft von den Mitarbeitern und Helfern eingebracht werden, die in der professionell ausgestatteten Küche in Wien-Brigittenau eifrig Gemüse putzen und Zwiebeln ins zischende Fett rühren.

Zum "Rindsbraten mit Gemüse à la Sri Lanka" etwa, der bei Buffets großen Anklang finde, habe sie ein 20-jähriger Bursch aus dem asiatischen Inselstaat inspiriert, schildert die Oberösterreicherin. Als Asylwerber vom Jobmarkt de facto ausgeschlossen, also abgesehen von Projekten wie Weinfurters Slow Food Cooks zur Untätigkeit verurteilt, habe er sich voll Ehrgeiz in die Arbeit gestürzt. Habe vorgeschlagen, Speisen aus seiner Heimat nachzukochen.

"Auf diese Art kann man viel Neues von den Asylwerbern lernen. Und die Jugendlichen merken, dass sie gebraucht werden. Das ist für sie extrem wichtig", sagt Weinfurter. Doch diese Win-win-Situation wird von den Behörden nur geduldet: Anstellen darf die Slowfood-Köchin ihre Flüchtlinge nicht, die Bezahlung basiert auf Spenden.

Tatsächlich wird es Asylwerbern in Österreich fast unmöglich gemacht, als Unselbstständige Geld zu verdienen. Nur als Saisonarbeitskräfte können sie offiziell Anstellung finden. Würde ihnen der Zugang zum Arbeitsmarkt gewährt, so hätte dies einen sogenannten Pull-Effekt zu Folge, fürchtet man im Innenministerium: Zusätzliche Flüchtlinge, die davon erfahren, könnten dann zuwandern.

Dem hielten Experten seit Jahren unter anderem das Argument entgegen, dass unfreiwilliges Nichtstun verunselbstständigend und demoralisierend wirkt - vor allem in jungen Jahren, die in der Regel zu Ausbildungszwecken genutzt werden. Interessengruppen, von der Industriellenvereinigung hin zum Österreichischen Gewerksschaftsbund, unterstützen diese Ansicht. Insbesondere das Verbot für Asylwerber, eine Lehre zu machen, war umstritten.

Umdenken in Ministerien

Mit dem Resultat, dass hier Mitte Juni ein Umdenken stattfand: Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) kamen überein, ab sofort allen unter 18-jährigen Asylwerbern sämtliche Lehrberufe zu öffnen.

"Davor gab es mit dem Innenministerium jahrelang Gespräche, jetzt kamen sie zu einem positiven Abschluss", heißt es dazu aus dem Sozialministerium. Beruhigend habe unter anderem der Blick auf andere EU-Staaten gewirkt, in denen Asylwerber offiziell arbeiten dürfen - " ohne dass es dort mehr Asylanträge gebe". Im Innenministerium heißt es, die Lehrstellenöffnung sei "ein wichtiger Beitrag zur Integration junger Menschen, die vielleicht für immer in Österreich leben". Für den Fall, dass sie in ihr Ursprungsland zurückkehrten, handle es sich um wichtige " Know-how-Vermittlung".

Am 14. Juni ging der Lehrstellenöffnungserlass aus dem Sozialministerium ans Arbeitsmarktservice (siehe "Wissen") - mit der Zusatzinformation, dass jugendliche Flüchtlinge bei der Lehrstellensuche zu unterstützen seien: "Vor allem für Kinder aus Asylwerberfamilien ist diese Öffnung wichtig. Nachdem sie mit ihren Eltern meist schon als Kinder nach Österreich kamen, sind sie mit 14, 15 Jahren meist lehrefit", sagt Heinz Fronek von der Asylkoordination.

Nichts helfen, so Fronek, werde der erweiterte Arbeitsmerktzugang jedoch jenen jungen Asylwerbern, die sich erst mit 19 oder 20 Jahren in Österreich ausreichend orientiert haben und gut genug Deutsch können, um weiterzulernen - konkret der Mehrzahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (UMF), die in der Regel um die 14, 15 Jahre alt sind, wenn sie nach Österreich kommen.

Gerade diese Jugendlichen stünden in Österreich meist völlig allein da, meint Fronek. Doch weitere Jobliberalisierungen werden im Innen- und Sozialministerium strikt ausgeschlossen. Dabei sind auch laut Sozialminister Hundstorfer zusätzliche Hände in Österreich künftig erwünscht: "Wir werden in den nächsten acht Jahren 170.000 Arbeitnehmer weniger haben, weil wir ganz einfach schrumpfen", sagte er Dienstag im ORF-Morgenjournal: "Wenn wir unsere Gesamtwirtschaftsleistung aufrechterhalten wollen, brauchen wir Migration." (Irene Brickner, DER STANDARD, 11.7.2012)

Wissen:

Laut dem Erlass zur "Erweiterung der Beschäftigungsmöglichkeiten für Asylwerber/innen" vom 14. Juni 2012 kann Flüchtlingen unter 18 Jahren Zugang zu Lehrberufen gewährt werden, "in denen ein nachgewiesener Lehrlingsmangel besteht". Dies ist vor allem im Tourismus der Fall.

Das Asylverfahren des Jugendlichen muss seit mindestens drei Monaten laufen - und es muss geprüft werden, ob es einen inländischen oder zu bevorzugenden anderen ausländischen Bewerber für die Stelle gibt.

Damit wird jener Erlass von Mai 2004 aufgeweicht, der die liberale Gesetzeslage in Österreich konterkariert. Laut Gesetz sind Asylwerber drei Monate nach Antrag voll arbeitsberechtigt, während besagter 2004-Erlass dies auf Saisonjobs einschränkt. (bri)

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Hat Arigona Zogaj mittlerweile einen Schulabschluss?

ich seh in dem arbeitsverbot kein problem,diese leute mussten ihre heimat verlassen und finden ZUFLUCHT und HILFE in den ländern die sie aufnehmen,da brauchen sie nicht forderungen stellen sondern dankbar sein! und viele bleiben ja nicht lange.....

Schon mal in Traiskirchen gewesen? Von Zuflucht kann da keine Rede sein. Die Zustände sind einer westlichen Demokratie unwürdig.
Die beste Hilfe die man jemandem der flüchten musste geben kann, ist die Hilfe zur Selbsthilfe und das bedeutet ihnen die Möglichkeit einer Arbeit zu geben. Dann muss sie der Staat nicht erhalten, Sie tragen zu unserem Sozialsystem bei, lernen unsere Art und Weise zu Leben besser kennen und schätzen, werden sich leichter und schneller integrieren und Schluss endlich weniger Probleme verursachen.

jeder tag, den ein jugendlicher mit warten verschwenden muss, ist ein endloser und verlorener tag. gerade in dieser lebensphase. von den fähigkeiten, die dabei den bach runter gehen, ganz zu schweigen.

Nichts ist schlimmer...

als wenn man junge arbeitswillige Menschen von einer Beschäftigung fern hält.

es ist schockierend, wie jede menschliche regung in sachen asylwesen direkt zu vergrämung und demaskierenden, hetzerischen aussagen führt. als wäre es einer persönlichen leistung zu verdanken in österreich geboren worden zu sein... ich hoffe, dass jugendliche, die nach österreich kommen nicht nur asyl sondern auch eine zukunft finden. dazu gehört auch die chance auf einen beruf.

In einer Demokratie sollte aber auch das Hirn funktionieren,...

...nicht nur die Emotionen.
Dass jeder einzelne Asylwerber arm ist, und man das Bedürfnis hat, zu helfen, ist eine Sache.
Das Hirn sollte einem aber auch zeigen, welche Folgen es hat, jedem, der die Staatsgrenze überquert, jedes Recht und jede Unterstützung zu geben.
90% der Menschheit sind ärmer als die Österreicher. Wieviele werden wohl hierher kommen, wenn wir ihnen volle Sozialleistungen etc garantieren? Was genau passiert dann mit dem System? Wer leidet dann?

Deshalb gibt es dieses Recht nur für Menschen, die verfolgt werden. Sie bekommen Asyl.
Andere nicht, weil es nicht möglich ist.
Ist das so schwer zu verstehen?

Wieviel % ihres Gehalts spenden Sie übrigens?
Nach ihrer Emotionslogik müssten sie alles über der Sozialhilfe spenden.

du verstehen den unterschied zwischen asyl und wirtschaftsflüchtling?

Was spricht dagegen, wenn die Leute sich durch Arbeit selbst erhalten können statt dem Staat auf der Tasche zu liegen??????

Nichts - nur tun sie es zu 99% nicht ...

einerseits händeringend (WK) im Ausland Fachkräfte anwerben ...

und daheim die motivierten Personen einfach ignorieren und NICHT ausbilden ...
Stattdessen lieber 3-5 Jahre auf den Asylbescheid warten lassen und dann in irgendwelche Hilfsarbeiterjobs abschieben ...

Anerkannte Flüchtlinge werden im Regelfall in die Mindestsicherung abgeschoben. Vielleicht sind sie ja ab Zuerkennung des Flüchtlingsstatus nicht mehr motiviert genug.

7.309 Konventionsflüchtlinge (plus staatenlos, unbekannt, ungeklärt) lebten per 01.01.2009 in Wien. http://www.wien.gv.at/menschen/... ration.pdf (siehe Seite 27)
6.070 Asylberechtigte bezogen im Jahr 2008 in Wien die Sozialhilfe. http://www.wien.gv.at/gesundhei... t-2010.pdf (siehe Seite 120)

Na dann ist es doch wohl sinnvoll, dass Jugendliche einen Beruf lernen können - damit sie eben später bessere Chancen am Arbeitsmarkt haben.

Wer einen persönlichen Bezug zu diesem Thema hat weiß, dass gerade jugendliche AsylwerberInnen nach der Pflichtschule unbedingt eine Berufsausbildung machen wollen und extrem motiviert sind! Die haben sich diese Chance verdient.

und wenns Strassenkehren gehen!

oder Schneeräumdienste im Winter ect.
Es gibt ausreichend zu tun!

händeringend (WK) im Ausland Fachkräfte anwerben

Das wär nicht nötig! Glauben Sie im Ernst, WK und IV haben auf einmal ihr Herz für Migranten & Asylanten entdeckt???

Was diesen schwarzen Pharisäern vorschwebt, sind nach wie vor Fachkräfte, die um einen Apfel und ein Ei hackln. Würden sie sich anständig kratzen, hätten sie auch genug Fachkräfte! Aber ganau das wollen sie nicht - da holen sie lieber Unmengen Dumping-Hackler, die das Lohnniveau drücken.

Grundsätzlich ein guter Ansatz.

Aber dass die Verfahren so lange dauern, verdanken die Asylwerber allein den NGOs, die ihnen in hoffnungslosesten Fällen jede Verzögerungsmethode empfehlen. Ohne die würde heute jeder Asylwerber sehr rasch erfahren, ob er Asyl hat. Bei guter Beratung auch, ob ein Einspruch Sinn hat.
So gäbe es auch dieses Problem nicht.

Asyl darf nicht zur Einwandererschiene werden.
Asyl ist ein Status, den Verfolgte bekommen, und nicht Leute, die halt auch gerne hier leben wollen. Dafür gibts andere Schienen.

Genau....schöpfen auch noch den Rechtsweg aus....solche Feinde des Rechtsstaates aber auch..../ironie off

Sie haben wohl noch nie im Flüchtlingsbereich in einer NGO gearbeitet, den so stimmt das nicht. Kostenlose Rechtsberatung von Amtswegen gibt es seit letztem Jahr was heißt das nach dem 1. Negativ jeder ASW eine kostenlose Rechtsberatung zusteht, die nicht nur von NGOs übernommen wird (siehe VMÖ). Davor haben die wenigen MitarbeiterInnen in diesem Bereich meist gar nicht den Überblick welche ASW nun schon negativ haben oder nicht! Den NGOs so etwas vorzuwerfen ist nur reine Verunglimpfung von Parteien, die der Realität und den selbstzuverantwortenden Missständen in diesem Bereich nicht ins Auge sehen wollen.

also, wenn jmd im flüchtlingsbereich arbeitet, gehe ich davon aus, dass er weiß, was anerkannte fluchtgürnde sind...

und dass eine schlechte wirtschaftliche lage, triste zukunftsaussichten KEIN fluchtgrund sind, wissen diese leute mit sicherheit auch. dennoch werden offenbar einfach berufungen/beschwerden erhoben, um eine weiteres verfahren einzuleiten. ich bin anwältin und habe immer wieder verfahrenshilfen zugeteilt erhalten, die sich auf asyl/abschiebeverfahren beziehen, in denen eine NGO einfach mal eine inhaltloses berufung mit dem antrag auf verfahrenshilfe verfasst hat. erzählen sie mir nicht, das hätte kein system.

Ja, aber solch Versuchen finden Sie in jedem anderen Bereich auch. Davon kann man nicht ausgehen, dass es in diesem Bereich anders wäre, dass es eine Anzahl an Beschwerden gibt, die sozusagen haltlos sind. realität!

Frustrierte Anwältin?

Sie Arme!

solange wir nicht mehr

von solchen Fällen haben, ist ja eh alles in Ordnung
http://diepresse.com/home/pano... h/index.do

immerhin brauchen wir ja die Fachkräfte

schrecklich, dass so etwas passiert.
schrecklich, dass so etwas passieren muss.
traumatisierte, psychisch angeschlagene jugendliche, teils ohne familiären oder sonstigen halt innerhalb der gesellschaft brauchen genau die chance und die möglichkeit eine aufgabe zu finden, nützlich zu sein und einen geregelten sinnvollen alltag zu gestalten. und das kann durch arbeit- und oder ausbildungsplätze gesichert werden.

ja, immer dieser zwang andere aufgrund von ehrbeleidigungen um die ecke bringen zu MÜSSEN....

eine lehrstelle ist keine psychotherapie - wie kommen andere lehrlinge dazu mit derart gefährlichen leuten, wie sie sie beschreiben, zusammenarbeiten zu müssen?

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