Streit um Chefs der teilverstaatlichten ÖVAG

Renate Graber, 10. Juli 2012, 19:37

Der Aufsichtsrat hat eine Nachdenkpause verordnet bekommen. Danach soll der Streit mit dem Finanzministerium um die neuen Chefs beigelegt werden

Wien - Die Vorstandsbestellung in der teilverstaatlichten Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) hat sich zu einem veritablen Schauspiel entwickelt. Wie in einem Teil der Dienstag-Ausgabe berichtet, hat am Montagabend das Aufsichtsratspräsidium der Bank getagt - und mit der Vorbereitung der Personalentscheidung für größte Unruhe gesorgt.

Denn die "kleinen" Volksbanken, die im Aufsichtsrat die Mehrheit stellen (die ÖVAG gehört zu 43 Prozent dem Staat, den Rest halten die Volksbanken), machen sich für eine Lösung stark, die man im Finanzministerium als Affront wertet. Sie wollen Interimschef Michael Mendel (seit 2009 Risikovorstand) im Chefsessel sehen und Genossenschaftsfunktionär Rainer Borns (Vorstand in der Schulze-Delitzsch Haftungsgenossenschaft) neben ihm.

Finanzministerin Maria Fekter (VP) dagegen favorisiert Ex-Bawag-Vizechef Stephan Koren (VP). Der Aufsichtsrat unter Hans Jörg Schelling (VP) hat eine Ausschreibung durchgesetzt. Auf der Shortlist von Korn/Ferry wurden die Kandidaten mit Prädikaten wie "sehr gut geeignet", "gut geeignet" etc. versehen. Koren bekam ein Sehr gut - was die Volksbanker aber nicht überzeugt. Zur Erinnerung: Die Volksbanken konnten sich nicht zu grundlegenden Umstrukturierungen und monetären Beiträgen durchringen, daher wurde die verlustreiche ÖVAG im Februar notteilverstaatlicht. Der Steuerzahler hat an die drei Milliarden Euro in der Bank stecken.

Ihre Idee, die Bank von Mendel und Borns führen zu lassen, müssen die Aufsichtsräte nun aber noch einmal überdenken. Am Dienstag liefen die Telefone der Protagonisten heiß, und wie der Standard aus Aktionärskreisen erfahren hat, wurde der Aufsichtsrat zu einer " Nachdenk- und Cooling-off-Phase" verdonnert. Danach soll es ein Gespräch mit der enervierten Finanzministerin geben - und erste Signale zum Einlenken des Sektors gibt es bereits. Sein neuer Präsident, Heribert Donnerbauer, schickte eine Aussendung, wonach man zur mit der Republik getroffenen Vereinbarung stehe. "Der Aufsichtsrat sucht die Personen, die diese Aufgabe am besten erfüllen können." Aus dem Gremium war zu hören, es sei "noch nichts entschieden".

Warum die Volksbanken Koren ablehnen, hat zwei Gründe. Zum einen will er, so das Ondit, "hart durchgreifen", zum anderen fürchten sie einen Bankchef, der eng ans Ministerium gebunden ist. Und: Koren hat 2010 jene Verhandlungen geführt, die zu einer Fusion mit der Bawag hätten führen sollen. Die Lösung kam nicht: Die Volksbanken hätten auf Freiheiten verzichten müssen.

Sinneswandel

Dass die Volksbanker Mendel favorisieren, ist allerdings einem Sinneswandel geschuldet. Denn in den zähen Verhandlungen der Volksbanken über eine Lösung für ihr Spitzeninstitut übernahm der allseits anerkannte Banker die Federführung für die damals noch von Gerald Wenzel geführte Bank.

Er hat sich bei Aufsicht und Finanzministerium den Ruf erobert, "als einziger konstruktiv und realitätsbezogen zu sein" - was ihm die Volksbanken freilich dem Prädikat "Verräter an der genossenschaftlichen Idee" dankten. Das ist nun vergessen, "die Volksbanken finden, er hat sich gut entwickelt", heißt es. Aus den eigenen Reihen will der Sektor den Juristen Borns installieren; wobei er gerüchtehalber sehr hohe Gehaltsvorstellungen haben soll. Und: Die SPÖ will ihn gar nicht, das Finanzministerium nicht sehr.

Das Ende des Stücks dürfte spätestens nächsten Dienstag zu bewundern sein, da tagt der Aufsichtsrat. Den Plot aufzulösen wird schwierig: Mendel soll nämlich (wie sich jetzt erhellt) eine Zusage haben, er könne Chef nach Wenzel werden. Sollte er die Bank verlassen, würde sein Know-how fehlen; zum anderen soll der Ex-Bank-Austria-Manager hohe Abfertigungsansprüche haben. Und Koren macht eines sicher nicht: die Nummer Zwei.

Nach dem Vorhang zur Vorstandsbesetzung wartet das nächste Drama: Die ÖVAG braucht Kapital für Basel III und sie wird den EU-Vorgaben gemäß stark schrumpfen müssen, die Belegschaft wird wohl halbiert. (Renate Graber, DER STANDARD, 11.7.2012)

Hier wird doch wirklich der Bock zum Gärtner gemacht. Der ÖGV schickt den Borns, damit der ja keine Zweifel an seinem S...kumpanen Hofinger aufkommen lässt und der Mendel darf den Rest der Unzulänglichkeiten seiner Vorgänger zudecken.
Und das soll nun eine adäquate Lösung werden. Es bleibt wirklich nur zu hoffen, daß die Frau Minister diesmal weiter denkt, als VP üblich.
Ansonsten wird das ganze wieder nur eine Übergangslösung und wir können in spätestens ein paar Jahren wieder die Bank retten mitsamt dem Anhang.

bruhaha

...der Borns! Wieso net gleich der Spohn?

Unverfroren sind die Volksbänker, erst lassens die ÖVAG teilverstaatlichen weil sie selber kein Interesse haben an der Rettung mitzuwirken, nachdem sie ihr jahrelang miese Beteiligungen umgehängt haben und jetzt das.
Jetzt hat die Fekter mal berechtigte Gründe um wieder einmal ausfällig zu werden!

Ärgernis

1.) Die VB braucht keiner, die "kleinen Kassen" hätten halt in gelb-schwarz oder rot oder irgendwie umgefärbt/zugesperrt werden können und das "Spitzeninstitut" hätte man ersatzlos streichen können
2.) Es ist nicht mehr verständlich warum auch nur ein Wort von Seiten der "kleinen Kassen" kommt. Diese wurden durch Steuergelder als Eigenkapital und nicht durch verzinstes Partizipationskapital gerettet und sollten dankbar sein, dass sie alle noch in ihren ach so wichtigen Gremien herumsitzen können.
3.) Die Leistungen von Hrn. Mendel sind sicherlich ansehnlich, so hat er ja gemeinsam mit dem restlichen Vorstand die Bank an die Wand gefahren, beste Voraussetzungen also als Vorstand weiter auf Kosten der Steuerzahler zu agieren.

Das darf ja nicht wahr sein...

....kaum gerettet, wird wieder aufgemuckt - und zwar in die Richtung, dass alles so bleibt wie es war. Das weckt den Eindruck, dass da ser vieles nicht stimmt. Die Altvorstände und Bereichleiter hatten doch lange genug Zeit die Bank profitabel zu führen, wie wir alle wissen, leider erfolglos. D.h. es gehört ein rigoroser Wechsel im Management um doch noch das Ruder herumzureissen. Doch scheint es viel wichtiger zu sein die eigenen Groscherln ins Trockene zu bringen. Hätten sie Anstand würden sie gehen, doch der fehlt ihnen und das ist schade.

Sein neuer Präsident, Heribert Donnerbauer, ....

ist das nicht ein övp-nationalratsabgeordneter?

also schieben wir schwarzen genossenschaftern wieder mal 3 milliarden euro in den rachen.

sie sind uns dafür auch sehr dankbar, und scheißen jetzt auf die wünsche des finanzministeriums.

Fekter hat aus poltischen Gründen die schwarzen V-Banken geschont.

Die Verstaatlichung der ÖVAG kostete die Republik mindestens 1 Milliarde Euro, aber die V-Banken haben die Mehrheit behalten.
Marktwirtschaftliche Prinzipien gelten in der ÖVP offensichtlich nur dann, wenn sie nicht die eigene Klientel betreffen.

Stelle mich als Kompromisskanditat zur Verfügung!

5 Jahresvertrag, 400.000 pro Jahr, werd ich vorher wegen Unfähigkeit abgelöst, macht das trotzdem 2 Mio :)

Und! Ich versteuer das auch in Österreich!

Ist da nicht jemand von Wien an den Wörthersee übersiedelt mit einem ähnlichen Schicksal?

sogar 2!!

einer kam von der ÖVAG, der andere von der KPMG (und die hat die ÖVAG geprüft!!)

Ich glaub ja, dass der V-Sektor den hostile takeover aller sad-banks Österreichs vorbereitet

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