Libor-Affäre kostet Ex-Barclays-Chef Bonus

10. Juli 2012, 16:31
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Arm ist er dennoch nicht: Bob Diamond verzichtet auf seinen Bonus, der Golden Handshake beschränkt sich auf zwei Millionen Pfund

London - Der einst bestbezahlte Banker Europas gibt sich nach dem Libor-Skandal demonstrativ bescheiden: Bob Diamond verzichtet nach seinem Rücktritt als Vorstandschef von Barclays auf Bonuszahlungen von bis zu 20 Mio. Pfund (25,2 Mio. Euro).

Diese Summe nannte der ebenfalls scheidende Verwaltungsratschef der britischen Großbank, Marcus Agius, am Dienstag bei seiner Anhörung vor einem Parlamentsausschuss in London, der sich um die Aufklärung der Affäre um manipulierte Marktzinsen bemüht. Diamond werde zur Abfindung aber ein Jahresgehalt sowie eine Sonderzahlung anstelle einer Pension erhalten, zusammen rund zwei Mio. Pfund. Barclays bestätigte die Einigung. In einer Mitteilung zitierte die Bank ihren früheren Chef mit den Worten, er hoffe sehr, dass Barclays das unrühmliche Kapitel nun schließen und nach vorne schauen könnte. "Das Fehlverhalten einiger weniger sollte nicht von der hervorragenden Arbeit ablenken, die die Barclays-Beschäftigten jeden Tag für ihre Kunden auf der ganzen Welt verrichten."

Allein im vergangenen Jahr hatte Diamond inklusive eingelöster Aktienpakete satte 17 Mio. Pfund eingestrichen. In Sachen Banker-Vergütung war der US-Amerikaner diesseits des Atlantiks lange Zeit das Maß aller Dinge. Dass der 60-Jährige die ihm eigentlich zustehenden Bonuszahlungen für dieses Jahr nun nicht einfordert, wurde in der Londoner Downing Street mit Erleichterung aufgenommen. Zugleich mahnte Premierminister David Cameron aber einen grundlegenden Wandel in der Bankenkultur an.

Sturz

Über den Libor-Skandal war die gesamte Führungsspitze von Barclays gestürzt. Die Bank muss eine halbe Milliarde Dollar für die Verfehlungen zahlen. Bei dem Einzelfall dürfte es allerdings nicht bleiben. Einer ganzen Reihe von internationalen Großbanken wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Libor-Zinssatz mit falschen Angaben manipuliert zu haben, um ihre tatsächlichen Refinanzierungskosten zu verschleiern. So hat die deutsche Bankenaufsicht Bafin etwa eine Sonderprüfung gegen die Deutsche Bank eingeleitet. Der Libor wird einmal täglich in London ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Er basiert auf individuellen Angaben der Institute und dient als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360 Bill. Dollar (293 Bill. Euro).

Barclays hatte als erstes Geldhaus ein Fehlverhalten einiger Händler eingeräumt. Die Empörung in der Öffentlichkeit war groß, kochte aber erst recht hoch, als Diamond vor dem Parlamentsausschuss andeutete, sein Haus sei davon ausgegangen, dass die britische Notenbank - womöglich sogar mit Rückendeckung der Politik - falsche Angaben zur Ermittlung des Libor-Satzes gutheiße. Mit dem Niedrighalten des Libor hätten gerade auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 weitere Verwerfungen an den Kapitalmärkten verhindert werden sollen. E-Mails nährten bei den Abgeordneten den Verdacht, es habe in Sachen Libor einen engen Austausch zwischen Banken und Aufsehern gegeben. Doch die Nummer zwei der Bank von England, Vize-Gouverneur Paul Tucker, wies diese Darstellung bei seiner Vernehmung im Ausschuss am Montagabend vehement zurück. Stattdessen bezeichnete er die Mauscheleien der Banken beim Libor als "Jauche-Grube". Die Notenbank habe davon nichts gewusst. Tucker wird als kommender Notenbank-Gouverneur gehandelt.

Auch Barclays-Verwaltungsratschef Agius bestritt nun bei seiner Vernehmung, von den Zins-Manipulationen früh gewusst zu haben. Die Entscheidungen über den Libor-Satz seien von Managern unterhalb der ersten Führungsriege getroffen worden. Er habe das wahre Ausmaß der Affäre erst erkannt, als die Ermittlungen bereits fortgeschritten waren. Agius bleibt bei Barclays noch so lange an Bord, bis er einen Nachfolger für Diamond gefunden hat. Zu dessen Rücktritt sagte er vor den Abgeordneten, Diamond sei aus Sicht der Aufseher nicht mehr zu halten gewesen. "Wir sind daher zu dem Ergebnis gekommen, dass wir keine andere Wahl haben, als ihn zum Rücktritt aufzufordern." (APA/Reuters, 10.7.2012)

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    Bob Diamond

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