Haarige Sache im schottischen Moor

10. Juli 2012, 17:48
posten

Hakon Hirzenberger inszeniert "Macbeth" bei den Sommerspielen Perchtoldsdorf

Perchtoldsdorf - Ein echter König braucht ein dickes Fell - zumindest in Schottland, wo nicht nur das Klima, sondern auch die Sitten rau sind. In der Macbeth- Inszenierung der Sommerspiele Perchtoldsdorf fallen die Kostüme (Andrea Bernd) entsprechend pelzlastig aus. Herrschaftsanspruch wird mit der Anzahl der um den Hals geschlungenen Füchse zum Ausdruck gebracht.

Von all den kurios anmutenden Recken bevölkert, verwandelt sich Erich Uiberlackers schlichte, zweigeschoßige Bühnenkonstruktion in einen Abenteuerspielplatz. Unten wälzt man sich naturnah im Rindenmulch, oben empfangen die Macbeths ihre Gäste, so sie nicht gerade mit Ränkeschmieden beschäftigt sind. Über alldem wacht der Wehrturm der Burg Perchtoldsdorf, der eindeutige Star von Hakon Hirzenbergers Inszenierung, welche trotz einiger netter Regieideen im Wesentlichen recht klassisch ausfällt.

Dietmar König verleiht der Titelrolle allein durch seine Physis Präsenz, dass seine Frau Alexandra Henkel die Lady Macbeth spielt, sorgt für Unpeinlichkeit bei erotisch aufgeladenen Szenen. Leider gelingt es den Burgschauspielern jedoch nicht, besondere Facetten ihrer Figuren verstärkt herauszuarbeiten. Auffälliger, aber auch etwas befremdlich agieren Max Mayer als latent verrückter Malcolm sowie Eduard Wildner als tuntiger König Duncan und beständig rülpsender Pförtner. Eine solide Leistung und das schönste Haarteil bietet Stefano Bernardin in der Rolle des Macduff, selbiges minus der Haare gilt für Sven Sorring, der sich als Banquo in die Liste der Mordopfer Macbeths einreiht.

Sorring kommt auch in der bewegendsten Szene zum Einsatz, der mit Puppen von Nikolaus Habjan gespielten Ermordung der Familie Macduffs. Toll gelungen sind auch die gelegentlichen Videoprojektionen. Insbesondere Macbeths zweiter Besuch bei den Hexen ist im Mondlicht sehr stimmungsvoll. Nur die Modernisierung der Bankettszene funktioniert trotz forcierten Musikeinsatzes (Wolfgang Peidelstein) nicht wirklich.

Zwar ist die Aufführung damit nicht perfekt, Regisseur Hirzenberger schafft es aber, zweieinhalb Stunden mit einem nicht ganz einfachen Werk kurzweilig zu gestalten, ohne das Stück seines Gehalts zu berauben.   (Dorian Waller, DER STANDARD, 11.7.2012) 

Bis 28. 7.

  • Mordrausch im Hause Macbeth (Dietmar König).
    foto: palffy

    Mordrausch im Hause Macbeth (Dietmar König).

Share if you care.