"Ich müsste endlich einmal einen Schurken spielen"

Interview |
  • Schauspieler und Drehbuchautor Jason Segel in seinem neuesten Film "Fast verheiratet" als Tom, in dessen Beziehung die Romantik schwindet.
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    Schauspieler und Drehbuchautor Jason Segel in seinem neuesten Film "Fast verheiratet" als Tom, in dessen Beziehung die Romantik schwindet.

In der Romantic Comedy "Fast verheiratet" mimt er wieder den leicht zerknitterten Frauenversteher: Jason Segel über Krümelmonster, Freaks und Superhelden

Wien - Tom und Violet sind seit einem Jahr ein Paar. Er macht ihr einen Antrag, die Hochzeitsvorbereitungen laufen an - aber dann kommt immer irgendwas dazwischen. Die Komödie "Fast verheiratet" / "The Five-Year Engagement" handelt folglich vom Schwinden der Romantik, sie ist dabei halbwegs lebensnah und schön daneben zugleich. Dafür sorgt ein handverlesenes Ensemble, allen voran die famose Komödiantin Emily Blunt als Violet sowie - in Hasenkostüm, Adonis-Schürze oder Selbstgestricktem - Jason Segel als Tom. In den Nullerjahren hat sich der 32-Jährige als Darsteller und Schreiber von Komödien in Kino und TV profiliert - die Sitcom "How I Met Your Mother" läuft auch bei uns auf Dauerrotation. 2011 belebte Segel die "Muppets" wieder, damals auch dabei: "Fast verheiratet"-Regisseur und Koautor Nicholas Stoller.

Standard: Sie arbeiten nicht zum ersten Mal mit Nicholas Stoller. Wie funktioniert Ihr Teamwork?

Segel: Wir haben uns bei "Forgetting Sarah Marshall" kennengelernt. Das Buch war von mir, er war der Regisseur. Es war schnell klar, dass wir dieselben Vorstellungen von Komödien und vom Geschichtenerzählen teilen. Also haben wir "Muppets" und nun diesen Film gemeinsam geschrieben. Unsere Interessen und Vorlieben sind fast deckungsgleich, aber die kleinen Abweichungen, die individuellen Eigenheiten, sind fürs Zusammenspiel letztlich entscheidend.

Standard: Haben Sie ein Beispiel?

Segel: Gegen Ende von "Fast verheiratet" gibt Alison Brie ihrer Leinwandschwester Emily Blunt einen sehr wichtigen Rat. Ein zentraler Moment für die Geschichte, aber Nick meinte, es müsse lustiger werden. Also hat er Alison mit der Stimme von Elmo aus der Sesamstraße reden lassen. Das hat mir gefallen, ich habe daraufhin noch Emily die Stimme des Krümelmonsters nachmachen lassen. Und jetzt ist das eine meiner Lieblingsszenen im ganzen Film.

Standard: Emily Blunt war Ihre Wunschbesetzung?

Segel: Ich habe das Buch für sie geschrieben, sie hat die Figur dann auf den Punkt gebracht. Es ist schon unsere dritte Zusammenarbeit - für "Muppets" hat sie ihren Part aus "Der Teufel trägt Prada" aufleben lassen und für Miss Piggy die Vorzimmerdame gespielt.

Standard: Sie haben wichtige Erfahrungen als Schauspieler in Judd Apatows TV-Serie "Freaks & Geeks" gemacht, neben James Franco, Seth Rogen oder Martin Starr. Hatten Sie damals das Gefühl, dass sich da etwas Besonderes, eine "Apatow-Familie" entwickelt?

Segel: Irgendwie schon. Viele von uns haben damals Blut geleckt und zugleich kapiert, dass man hart arbeiten muss. Wir haben uns also reingehängt, Drehbücher geschrieben und so weiter. Vieles davon ist aufgegangen.

Standard: Und wenn Sie die Serie damals mit "How I Met Your Mother" jetzt vergleichen?

Segel: Na ja - der größte Unterschied ist: "HIMYM" ist ein Erfolg. Das ist eine neue Erfahrung für mich, ich war noch nie Teil so eines Erfolges, und es fühlt sich definitiv besser an als das Gegenteil. Aber bei "HIMYM" sind wir lauter Erwachsene mit Berufserfahrung, bei "Freaks & Geeks" waren wir praktisch Teenager, gesegnet mit der Naivität der Jugend.

Standard: Tom Solomon, Ihre Figur in "Fast verheiratet", kann man eigentlich auch als etwas erwachsener gewordenen Peter Bretter aus "Forgetting Sarah Marshall" sehen. Ist das ein Projekt, diesen Männertypus von Film zu Film weiterzuentwickeln?

Segel: Den Typen aus "I Love You, Man" mal ausgenommen, sehe ich das schon so - in "Fast verheiratet" sind wir bei der nächsten Entwicklungsstufe einer Beziehung angekommen. Der Tonfall ähnelt jenem von "Forgetting Sarah Marshall", es sollte wieder um Beziehungen gehen, aber aus leicht veränderter Perspektive. Es sind fünf Jahre vergangen. Nick ist inzwischen verheiratet und hat Kinder, ich bin auch älter geworden.

Standard: Wer hat eigentlich beschlossen, so viele Van-Morrison-Songs für den Filmsoundtrack zu verwenden?

Segel: Nick und ich sind Riesenfans. "Astral Weeks" ist mein Lieblingsalbum von Van Morrison, da ist auch "Sweet Thing" drauf. Viele Paare haben ja "ihr Lied", das finden wir schön. Zuerst wollten wir verschiedene Versionen dieses einen Songs verwenden, aber dann haben wir beschlossen, dass unterschiedliche Lieder den Verlauf der Geschichte reflektieren und das Vergehen von Zeit markieren sollten.

Standard: Gehen Sie beim Schreiben von Einzelszenen oder Begebenheiten aus? Haben Sie dabei sich selbst als Darsteller im Kopf?

Segel: Ich brauche zuerst ein Thema, dann fange ich an, Ideen zu entwickeln. Leider habe ich nicht mehr die Zeit, um für andere zu schreiben. Also schreibe ich alles für mich - und ich fordere mich dabei gern selbst heraus. Es wird ja langweilig, wenn man nur innerhalb seiner Möglichkeiten bleibt.

Standard: Würde Sie eine Rolle in einem Blockbuster-Action-Spektakel à la "Avengers" interessieren?

Segel: Ich habe definitiv den Körper eines Superhelden! Ich glaube, es wäre langsam wirklich an der Zeit für so etwas. Und ich müsste endlich einmal einen Schurken spielen.
(Isabella Reicher, DER STANDARD, 11.7.2012)

 

Jason Segel (32) spielte 1999/2000 in der von Judd Apatow produzierten US-Serie "Freaks & Geeks". Die Zusammenarbeit wird seither im Kino fortgesetzt, aber Segel stand zuletzt auch mit Jack Black ("Gullivers Reisen"), Cameron Diaz ("Bad Teacher") oder für die Duplass-Brüder (" Jeff, Who Lives at Home") vor der Kamera.

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