Wirtschaftsforscher fordern Verdoppelung des Unibudgets

10. Juli 2012, 16:13
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Aiginger: Höherer Anteil privater Finanzierung nötig - Hochschulmilliarde reicht nicht aus

Wie soll die Hochschule im Jahr 2025 aussehen? Dieser Frage geht eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts nach. Die "Entwicklungsvision" wurde am Dienstag von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und WIFO-Chef Karl Aiginger präsentiert. Die Studie fordert mehr finanzielle Mittel für die Universitäten - auch durch die stärkere Gewinnung von privaten Mitteln.

Das sei auch aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoll: "Forschung und Entwicklung ist der wichtigste Faktor bei der Wettbewerbsfähigkeit", sagte Aiginger. Die Hochschulmilliarde sei zwar ein "wichtiger Schritt, aber nicht genug", so Aiginger bei der Pressekonferenz. "Selbstverständlich ist mehr Geld notwendig. Selbst mit zwei Prozent des BIP wären wir nicht führend."

Raiffeisen-Hörsäle möglich

Im internationalen Vergleich sind die privaten Ausgaben im Hochschulbereich niedrig. In Österreich werden elf Prozent der Kosten im tertiären Sektor aus privater Hand finanziert, im EU-Durchschnitt sind es 22 Prozent, im OECD-Schnitt gar 31 Prozent. Aiginger fordert daher Studiengebühren, die Universitäten sollten aber auch stärker private Sponsoren wie Unternehmen oder Absolventen für die Finanzierung gewinnen. So kann sich der WIFO-Chef beispielsweise einen Raiffeisen-Hörsaal vorstellen oder Stiftungsprofessuren. "Wenn man so wenige private Mittel hat, soll man sich nicht fürchten", so Aiginger. Aber: "Je mehr privates Geld es gibt, desto genauere Regeln muss es geben."

Im Vergleich zu anderen kleinen Ländern sei das Ziel, zwei Prozent des BIP für den Hochschulsektor auszugeben, "nicht sehr ambitiös", heißt es in der WIFO-Studie. Aiginger ortet zwar im Budget eine "sanfte Priorität für Bildung und Forschung. Die Hochschulmilliarde löst das Problem aber nicht." Die Ausgaben müssten zur Erreichung des Zwei-Prozent Ziels von derzeit 4,4 Milliarden auf 8,4 Milliarden Euro pro Jahr wachsen, was jährliche Mehrausgaben von anfänglich 300 Millionen Euro bis 600 Millionen Euro gegen Ende des Jahrzehnts impliziert. "Ich weiß auch, die Hochschulmilliarde ist zu wenig", ergänzte Töchterle.

Effizienzsteigerung notwendig

Doch nicht nur mehr Geld ist notwendig, auch die Effizienz der eingesetzten Mittel ist laut WIFO verbesserungswürdig. Österreich sei hier an der zehnten Stelle in Europa, zugleich aber das drittreichste Land. "Angesichts des sehr hohen Einkommensniveaus haben wir mehr Potenzial", sagte Jürgen Langer, einer der Studienautoren. Eine Effizienzsteigerung erwartet sich Töchterle von einer Reform des Studienrechts, die im Herbst in Angriff genommen wird.

Den Universitäten kommt laut WIFO eine dreifache Aufgabe zu: Wissensproduktion, Wissensvermittlung und Wissensanwendung. "Bildung entscheidet, wer Arbeit hat und wer nicht", erklärte Aiginger. Die Spitzenländer in der Forschung stünden in einem Wettbewerb um die besten Köpfe. "Wir müssen attraktiver sein für ausländische Wissenschaftler und Studierende. Österreich ist bislang nicht attraktiv für Forscher", so Aiginger. "Österreich ist nicht als Wissenschaftsland bekannt", ergänzte Töchterle.

Das WIFO empfiehlt weiters eine Ausweitung der universitären Autonomie, die Hochschulen sollen sich künftigt die Studierende selbst auswählen dürfen. Die Studienautoren plädieren auch für die Einführung einer Studienplatzfinanzierung und die Einhebung von Studiengebühren. (seb, derStandard.at, 10.7.2012)

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