Wiener Hauptbahnhof bekommt Sonnenkollektoren

10. Juli 2012, 15:00
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Fotovoltaik-Projekt der ÖBB - Wien Energie startet Tiefenbohrung für Geothermienutzung

Wien - Der neue Wiener Hauptbahnhof bekommt auf den Bahnsteigen Sonnendächer mit 1.200 Quadratmetern Fotovoltaik-Kollektoren. Die damit gewonnene Energie - sie entspricht in etwa dem gesamten Strombedarf von 30 Einfamilienhäusern - wird in die Beleuchtung des Bahnhofes fließen, sagte ÖBB-Generaldirektor Christian Kern am Dienstag. "Die ÖBB wollten die Umweltbahn Europas werden."

Die Anlage werde 400.000 Euro kosten und keine staatlichen Fördermittel beanspruchen, sagte er. Er wollte "nicht ausschließen", dass die Paneele aus China kommen werden.

Bahn besitzt acht Wasserkraftwerke

Die Bahn besitzt heute bereits acht Wasserkraftwerke, gut ein Viertel des von den ÖBB verbrauchten Stroms stammen aus diesen. Im neuen Hauptbahnhof soll auch Geothermie - also Kälte und Wärme aus dem Erdreich - zur Energieversorgung beitragen. Ein Viertel der Heiz- und Kühlenergie des Bahnhofes soll aus dieser Energiequelle kommen. Auch beim Salzburger Hauptbahnhof, der neuen ÖBB-Konzernzentrale und dem Lainzer Tunnel kommt Geothermie zum Einsatz.

Partnersuche für Pumpspeicher-KW Tauernmoos 

Für das geplante Salzburger Pumpspeicherkraftwerk Tauernmoos, das zwischen 2013 und 2018 um voraussichtlich etwa 200 Mio. Euro gebaut werden soll, suchen die ÖBB einen Partner. Die Finanzierung selbst werde - da das Projekt profitabel sein werde - kein Problem darstellen, sagte der frühere Verbund-Manager Kern. Der Verkauf von ÖBB-Kraftwerken an Stromfirmen sei für ihn "kein Thema". Die Kraftwerke steuern jedes Jahr etwa 20 Mio. Euro zum ÖBB-Ergebnis bei.

Zur Steigerung der Energieeffizenz sollen Fahrpläne optimiert und Loks mit Systemen zur Rückgewinnung der Bremsenergie ausgestattet werden. Ziel sei es, die Kosten für den Energieverbrauch (derzeit 265 Mio. Euro) bis 2014 um 20 Millionen zu verringern. Dabei rechnet die Staatsbahn damit, dass ihr Strombedarf bis 2025 um 30 Prozent steigen wird.

Der neue Hauptbahnhof werde ein "energieeffizientes Gesamtkunstwerk werden", formulierte Kern, der beteuerte, dass die Investition "sobald die Energiepreise etwas steigen" auch ohne Förderung wirtschaftlich sei. Ein Vergleich mit den eigenen aktuellen Stromproduktionskosten sei wenig sinnvoll, denn der Strom müsse zugekauft werden und die eigenen Kraftwerke seien bereits abgeschrieben. Die Abschreibeperiode der neuen PV-Anlage schätzte Kern auf 15 bis 20 Jahre ein.

Bohrstart in Aspern

Im Stadtentwicklungsgebiet auf dem ehemaligen Flugfeld Aspern - der künftigen "Seestadt Aspern" - soll die Energie aus noch viel tieferen Regionen kommen: Der Bohrturm ist fertig errichtet, und so startet dieser Tage die Tiefenbohrung für die künftige Fernwärmeversorgung von rund 40.000 Wohnungen in Wien.

In den kommenden vier Monaten sollen die Bohrmeißel in eine Tiefe von 5000 Metern buddeln. Danach starten die Arbeiten am zweiten Bohrloch - über das dann das abgekühlte Grundwasser wieder in die Tiefe zurückgepumpt werden soll. Die Bohrarbeiten und die Pumpversuche werden insgesamt rund ein Jahr dauern.

Die heißen Quellen unter Aspern waren in den 1970er-Jahren bei der Suche nach Erdöl entdeckt worden. Das gesamte Geothermiepotenzial im Wiener Becken wird auf rund 300 Megawatt Wärmeleistung geschätzt. Allein in Wien würde die volle Ausschöpfung der nutzbaren Tiefenwärme den Anteil der erneuerbaren Fernwärmeerzeugung von 18 auf rund 46 Prozent steigern.

Projektbetreiber ist die Geothermiezentrum Aspern GmbH - ein Tochterunternehmen von Wien Energie Fernwärme (80 Prozent) und der Wirtschaftsagentur Wien (20 Prozent). (APA/doda/frei, DER STANDARD, 10./11.7.2012)

  • Auf den Dächern der Bahnsteige am neuen Wiener Hauptbahnhof werden Fotovoltaik-Kollektoren angebracht.
    foto: derstandard.at/michael matzenberger

    Auf den Dächern der Bahnsteige am neuen Wiener Hauptbahnhof werden Fotovoltaik-Kollektoren angebracht.

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